Jahrestag Wuppertals Johannes Rau wollte Bundespräsident für alle Deutschen sein

Wuppertal · Am 23. Mai 1999 wurde der Wuppertaler Johannes Rau zum neuen Staatsoberhaupt gewählt.

 Der Wuppertaler Johannes Rau kurz vor seinem Amtsantritt als Bundespräsident.

Der Wuppertaler Johannes Rau kurz vor seinem Amtsantritt als Bundespräsident.

Foto: picture-alliance / dpa/Herbert Spies

„Es ist für mich nicht nur eine selbstverständliche Pflicht, sondern auch eine persönliche Verpflichtung, von dem Tag an, an dem ich das Amt des Bundespräsidenten wahrnehme, über alle Grenzen und über alle Unterschiede hinweg der Bundespräsident aller Deutschen zu sein und der Ansprechpartner für alle Menschen, die ohne einen deutschen Pass bei uns leben und arbeiten.“ – dies war die vermeintlich wichtigste Aussage in der Amtsantrittsrede des neuen Bundespräsidenten Johannes Rau vor genau 25 Jahren. Am 23. Mai 1999 wurde der Wuppertaler im zweiten Wahlgang von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt. Ein Vierteljahrhundert später blickt die WZ auf diesen Tag zurück.

Rau erhielt erst im zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit

Nur vereinzelt ließen sich am Pfingstsonntag im Jahr 1999 Wolken am Berliner Himmel blicken. Ansonsten schien die Sonne und das Volk wartete darauf, dass der neue Bundespräsident ernannt wird. Im ersten Wahlgang hatte Rau mit 657 Stimmen die absolute Mehrheit von 670 Stimmen nicht erreicht. Der Grund: Die FDP-Fraktion hatte vereinbart, dass sie in der ersten Runde nicht für den Vertreter der SPD stimmen würde. Am 23. Mai erhielt Rau dann jedoch 690 Stimmen und stand als der neue Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland fest.

„Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich danke ganz herzlich allen, die mich gewählt haben, und bekunde denen meinen Respekt, die sich für die Mitbewerberinnen entschieden haben, denen ich meinen Respekt nicht versage“, eröffnete der Wuppertaler Politiker seine erste Rede im Amt. Die Vereidigung sollte daraufhin am 1. Juli in Bonn stattfinden.

„Versöhnen statt spalten“ lautete das Motto von Johannes Rau. Vor, während und nach seiner Amtszeit als Bundespräsident. Er setzte sich für die Integration von Einwanderern und Minderheiten ein, unter anderem in seiner ersten Berliner Rede: Dort sprach er sich für eine geregelte Einwanderungspolitik aus.

Erinnerung an den Mauerfall und die Wahrung des Grundgesetzes

Rau wurde am 16. Januar 1931 in Wuppertal geboren und wuchs zwischen dem Barmer Nordpark und Klingelholl auf. Er besuchte unter anderem das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Elberfeld sowie das Humanistische Gymnasium in Barmen. Dies wurde mittlerweile in Ganztagsgymnasium Johannes Rau zu Ehren von ihm umbenannt. 1969 wurde er zum Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal gewählt. 1970 übernahm er das Amt des Wissenschaftsministers im Land Nordrhein-Westfalen. Anschließend wurde er 1978 Ministerpräsident von NRW. Währenddessen lebte er im Briller Viertel in Elberfeld. Erst als er zum Bundespräsidenten gewählt wurde, verlegte er seinen Wohnsitz nach Berlin. Bei der Bundestagswahl 1987 trat er als Kanzlerkandidat der SPD an, unterlag jedoch dem amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl.

In seiner Amtsantrittsrede konzentrierte sich der damals 68-Jährige stark auf vergangene Ereignisse, erinnerte an den Mauerfall sowie das Inkrafttreten des Grundgesetzes. „Ich wünsche mir, dass wir uns, bei allen Kontroversen über einzelne Sachfragen und bei allem politischen Streit, den es gibt und geben muss und immer geben wird, immer wieder neu darauf besinnen, dass wir in unserer Verfassung Etliches unaufgebbar festgeschrieben haben“, sagte er und fügte hinzu, „dass die Würde des Menschen unantastbar ist - da steht nicht: die Würde der Deutschen, sondern da steht: die Würde des Menschen -, dass Frauen und Männer gleiche Chancen und gleiche Rechte haben sollen, dass das private Eigentum zugleich dem Allgemeinwohl dienen soll.“

Zum Schluss seiner ersten Rede übte Rau Selbstkritik. Dies kam beim Großteil der Bevölkerung der Bundesrepublik positiv an. „Ich bitte alle, ob sie mich gewählt haben oder nicht: Nehmen Sie mich so an, wie ich bin. Haben Sie Geduld mit meinen Schwächen, und suchen Sie ein bisschen mit nach meinen Stärken“, lauteten seine letzten Worte. Er fügte nur hinzu: „Ich grüße alle Deutschen, ich grüße unsere Nachbarn, und ich grüße unsere Freunde überall in der Welt.“ Passend zu seinem Motto „versöhnen statt spalten“.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort