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Stadtentwicklung: Wuppertals größtes Bushaltestellendach

Stadtentwicklung : Wuppertals größtes Bushaltestellendach

Das „Tor zur Südstadt“ ist vielen ein Dorn im Auge. Es wurde errichtet, als die alte Margarinefabrik abgerissen wurde.

Es ist „das größte Bushaltestellendach“ Wuppertals - oder sogar Deutschlands. Das Eingangstor zur Südstadt. Der Lückenfüller an der Steinbeck, der die Durchfahrt zum Discounter-Parkplatz markiert. So nennt jedenfalls Architekt Markus Rathke das Betonfester an der Steinbeck.

Der Bau – mit darunterliegender Bäckerei und dahinterliegendem Supermarkt – füllt die Lücke, die die alte Margarine-Fabrik hinterlassen hat. Die wurde 2008 abgerissen. Das Gebäude war 1902 gebaut worden, wurde bis 1987 als Margarinefabrik genutzt, um 1970 durch die Stadt gekauft, war zeitweise Bundeswehrverwaltung, später Tafel-Standort bis sie an den Kleinen Werth zog.

Das Grundstück wurde dann verkauft - und das Gebäude eben abgerissen. „Mit ausholenden Bewegungen schlägt der Abrissbagger seine Stahlkralle in das Gemäuer der ehemaligen Margarine-Fabrik und reißt an der Steinbeck 24 eine klaffende Lücke“, schrieb damals die WZ.

Aus Kreisen, die involviert waren, heißt es, man hätte das Gebäude erhalten können. Aber die Aussicht, das Grundstück zu verkaufen und einen Supermarkt anzusiedeln, sei für das Gebäudemanagement zu verlockend gewesen. Dabei sei die Fabrik stadtbildprägend gewesen.

Markus Rathke sagt dagegen, in dem Gebäude sei der Schwamm gewesen. „Es war unrettbar verkommen.“ Er war damals zuständig, ein „sehr mutiges Konzept“ für ein Stadtfenster zu entwickeln. Weißbeton, ein umliegender Rahmen, der die entstandene Lücke thematisieren sollte. „Schrumpfende Stadt war damals das Thema“, sagt Rathke. Das sollte dort aufgegriffen werden. Aber Rathke sei im letzten Moment aus dem Projekt geworfen worden. Statt seines Entwurfs wurden Fertigbetonteile genommen. Mit dem Ergebnis, das bis heute sichtbar ist. „Ganz schlimm“, sagt Rathke.

Die Bausünde hat es auf
eine Postkarte geschafft

Der Kritiker des Verkaufs und Abrisses sagt, Rathke habe einen „schicken Entwurf“ vorgelegt, der jetzige Bau sei so nicht geplant gewesen. „Als das da stand, haben alle die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.“

Ralf Streuf, Künstler und Mitglied der Bezirksvertretung Elberfeld, hat die Absurdität des Anblicks auf eine Postkarte gebracht. „Gruß aus Wuppertal“ steht auf der Karte. Er nennt die Karte „Mahnmal“ – damit Wuppertal nicht noch einmal so ein Bauprojekt durchgehen lässt.

Hans-Jürgen Vitenius, Elberfelder Bezirksbürgermeister, spricht bei dem Anblick von „Alptraum“. Der Bau sollte eine „Pseudo-Milderung“ der entstandenen Lücke sein. Das sei zwar praktisch nachvollziehbar, aber eben nicht schön.

Wer sich vor Ort umhört, hört ähnliches bis heute. Eine Frau an der Bushaltestelle sagt, es komme ihr vor wie eine Autobahnbrücke. Mehrere andere sagen zwar, man habe sich dran gewöhnt, aber schöner könnte es eben doch sein.

Daran arbeitet gerade ein ehemaliger Politiker und Südstadt-Aktivist, der die Eigentümer davon überzeugen möchte, dort ein flächendeckendes Graffiti malen zu lassen.

Rathke sagt, er könne sich nicht vorstellen, dass es dadurch schöner würde. Solche Bausünden könne man nicht durch Kunst reparieren. Dafür solle Kunst auch nicht herhalten müssen. Aber da spricht er eben auch als Architekt.

Einen Lichtblick sieht Rathke aber. Denn die Menschen haben den „durch Verkehr stark beeinträchtigten Raum“ längst mit Leben gefüllt. Sie nutzen den Bäcker, sitzen in der Sonne. Unter dem vielleicht größten Bushaltestellendach der Welt.