Wuppertals Förderschulen sollen in Netzwerken überleben

Wuppertals Förderschulen sollen in Netzwerken überleben

Kompetenzzentren: Enge Kooperation mit den Regelschulen der Stadt.

Wuppertal. Manfred Diethert wünscht sich möglichst wenige Schüler an seiner Schule. Für einen Schulleiter ist das ein außergewöhnlicher Wunsch, aber Diethert leitet auch keine gewöhnliche Schule, sondern steht der Eugen-Langen-Förderschule vor. Weniger Schüler zielt in seinem Fall darauf, dass möglichst viele Kinder mit einer ausgeprägten Lernschwäche - statt in einer Förderschule - am Unterricht in einer Regelschule teilnehmen können.

Genau das ist erklärtes Ziel der UN-Behindertenrechtskommission, nach der auch Deutschland künftig dafür sorgen muss, dass allein die Eltern entscheiden, ob ihr Kind eine Förder- oder Regelschule besuchen soll. NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sprach bereits von einem Paradigmenwechsel für das Land, Kritiker befürchten das Aus für die Förderschulen und die Stadt Wuppertal sieht sich unter Druck, einen bisher nicht vorhandenen Entwicklungsplan für die Förderschulen aufzulegen. Schuldezernent Matthias Nocke (CDU) will im Januar den Startschuss für eine solche Bestandsplanung geben und signalisiert damit zugleich: Förderschulen soll es auch in Zukunft geben - wenn auch in veränderter Form. Diethert ist überzeugt, dass genau dies dem Elternwillen entspricht.

Auch die Ministerin will die Förderschulen nicht abschaffen. Sie will zweigleisig fahren: Inklusion (Einbeziehung) an allgemeinen Schulen und gleichzeitige Beibehaltung der Förderschulen: "Es darf hier kein Entweder-Oder geben, sondern nur ein Sowohl-als-auch."

Wie dies aussehen kann, macht die Eugen-Langen-Schule vor - und nicht nur sie. Kompetenzzentren heißt das Zauberwort. Dabei handelt es sich um Verbundlösungen der sonderpädagogischen Förderung, um fein gewobene Netzwerke, die den Unterricht in Förder- und Regelschulen verknüpfen. Als Schulleiter versteht sich Diethert dabei als Vorsitzender eines Koordinierungszentrums, das den Einsatz von Lehrkräften lenkt und die Kontakte schafft. Kontakte zum Beispiel zur Grundschule Hesselnberg. Sechs Stunden pro Woche unterrichten Lehrer der Eugen-Langen-Schule dort. Ebenfalls sechs Stunden wechseln die Grundschulpädagogen an die Förderschule und achten auf Kinder, die möglicherweise in die Regelschule übernommen werden können. Ähnliche Kooperationen gibt es mit weiteren Grundschulen, der Hauptschule Emilienstraße und dem Berufskolleg Werther Brücke.

Für die Politik ist das Engagement von Diethert und seinen Kollegen, die das Netzwerk bisher noch aus Bordmitteln stemmen, richtungsweisend, die Kompetenzzentren gelten als das Zukunftsmodell. Nocke nennt es hingegen einen Baustein für eine Neuausrichtung des Förderunterrichts und will dafür sorgen, mehr Schulen in die Netzwerke einzubinden.

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