Wuppertals Amtsbriefe sollen verständlicher werden

Wuppertals Amtsbriefe sollen verständlicher werden

Mit Hilfe eines Uni-Projekts will die Stadt ihre Schreiben verständlicher machen. Erste Erfolge seien feststellbar, meint die Verwaltung.

Wuppertal. So ist es sicher fast jedem schonmal gegangen: Man bekommt Post von der Stadt, liest sie - und versteht nur Bahnhof. Was will mir mein Sachbearbeiter doch gleich damit sagen?

Um solche Erlebnisse in Zukunft zu vermeiden, hat sich Wuppertal Idema angeschlossen, dem Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache. Gegründet an der Ruhr-Universität Bochum, vereint er Germanisten, Juristen und Verwaltungsfachleute. Sie bringen amtliche Schreiben auf den Punkt.

Früher mussten Wuppertaler etwa zum Thema "Versagung einer Fahrerlaubnis" (unangenehm genug) lesen: "In Anwendung des §2 des Straßenverkehrsgesetztes (StVG) - in der zurzeit gültigen Fassung - ist die Erlaubnis zum Führen von Kraftfahrzeugen zu erteilen, wenn bei dem Bewerber nicht Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, dass er zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet ist." Bitte?! Die Bochumer Übersetzung aus dem Amtsdeutsch: "Eine Fahrerlaubnis erhält nur, wer zum Führen eines Kraftfahrzeuges geeignet ist (§2 Straßenverkehrsgesetz - StVG)." Angenehmer, oder?

10.000 Euro hat Wuppertal für die ersten beiden Jahre im Projekt bezahlt, 5000 Euro kostet die Verlängerung bis Juli 2009. Auch rechnerisch gut angelegtes Geld, findet Alexandra Szlagowski vom Presseamt: "In Heller und Pfennig kann man das natürlich nicht beziffern. Aber wir sparen bei den Kosten, weil es deutlich weniger Nachfragen bei Bescheiden und Standardschreiben gibt, die man bearbeiten muss." 13 Wuppertaler Schreiben gibt es in neuer Form, 18 werden zurzeit von Idema bearbeitet. Außerdem kann Wuppertal auf eine Datenbank mit Musterschreiben zugreifen, denn schließlich muss man nicht für jede Stadt jedes Rad neu erfinden. Die Beteiligung an Idema ist durchaus rege. Michaela Blaha, Leiterin des Projekts: "Zurzeit haben wir 14 angemeldete Kommunalverwaltungen sowie als neuesten Partner die gesamte Bundesverwaltung."

Mancher Augenöffner sei da aus Bochum gekommen, sagt Alexandra Szlagowski. Wenn ein städtischer Mitarbeiter erstmal gesehen hat, wie aus der "fernmündlichen Abklärung noch offenstehender Fragen" wie durch Zauberhand ein "Anruf" wird, dann freut er sich vielleicht auch an Kleinigkeiten, die er in einem Idema-Wörterbuch finden kann. Da geht es etwa um geschlechtsneutrale Sprache, der sich Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter ja korrekter Weise befleißigen müssen. Und darin steht, dass man für "Jungen und Mädchen" auch "Kinder" sagen kann. Im Übrigen werden viele Wuppertaler gleich im neuen Jahr ein Schreiben aus der Idema-Schmiede in Händen halten: die neue Fassung des Hundesteuerbescheids.

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