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Wuppertals Abiturienten legen Prüfungen in Turnhallen ab

Abitur in Corona-Zeiten : Wuppertals Abiturienten legen Prüfungen in Turnhallen ab

Für alle Beteiligten sind die Abschlussklausuren in Corona-Zeiten eine neue Situation. Doch die Schüler sehen keinen Nachteil. Die Sicherheit steht im Vordergrund.

„Ich finde, es ist eine gute, alternative Lösung“ – Carlotta Kredt hat gerade ihre schriftliche Abiturprüfung hinter sich gebracht und verlässt deshalb – die Turnhalle. Sie empfand die ungewohnte Situation als „gut strukturiert“. Bis diese Struktur stand, war am Carl-Fuhlrott-Gymnasium auf den Südhöhen einige Organisation vonnöten. „Die Prüfungen sollten für alle Beteiligten sicher verlaufen, daher fiel der Blick auf die Turnhallen“, berichtet Schulleiter Reinold Mertens. Das Sportzentrum auf dem Küllenhahn, das sonst von Vereinen und für den Sportunterricht genutzt wird, bietet mit seinen zwei dreigliedrigen Hallen reichlich Platz für vorschriftsmäßige Klausuren. Sonst hätten die Abschlussprüfungen mit je wenigen Personen in 16 verschiedenen Klassenräumen stattfinden müssen. Nicht nur Mertens zeigt sich also froh über diese „einmalige Möglichkeit“, auch Oberstufenkoordinator Stephan Israel betont die Vorteile, die sich aus dem „Standortvorteil“ Sportzentrum für die Schüler ergeben.

„Es hat einen psychologischen Effekt, als Kurs zusammenbleiben zu können“. Zu trostlos, hat er festgestellt, sei die Turnhalle nicht; das Dach und die Türen können geöffnet werden und bei Herunterlassen der Trennwände entstehe ein Raum ohne erschlagende Größe. Ein weiterer Vorteil: Außerhalb des Schulgebäudes waren die Prüflinge weniger Lärm ausgesetzt. Dass hier überhaupt Abitur gemacht werden kann, liegt daran, dass trotz der eingeschränkten Wiederaufnahme des Unterrichts noch kein Sport auf dem Stundenplan steht.

Stadt und Feuerwehr waren bei Sicherheitsprüfung involviert

Mertens ist mit Blick auf die Durchführung zum einen den angehenden Abiturienten dankbar, sie zeigten „Bereitschaft, sich auf die neue Situation einzustellen“. Zum anderen waren die Stadt, die sich „offen für die Idee“ zeigte, und die Feuerwehr an der Sicherheits-Überprüfung beteiligt.

Um die Hygienestandards gewährleisten zu können, wurde ein Farbkonzept entwickelt, dass beispielsweise in „Halle gelb“ führte. Schüler, für die das Virus ein besonderes gesundheitliches Risiko birgt, machten vom Gymnastikraum Gebrauch. Auch war auf jedem einzelnen Tisch Desinfektionsspray verfügbar, und jeden Mittag wurden die Hallen erneut gereinigt. An acht Terminen haben die mehr als 180 Jugendlichen hier ihre Prüfungen abgelegt, hinzu kommen 25 externe Schüler, etwa von Privatschulen.

Für sie war die Klausurvorbereitung eine ungewisse Zeit, besonders, da der Prüfungszeitpunkt nicht immer feststand. Deshalb hat das CFG auch zur Corona-Zeit Lernangebote geschaffen. „In der Einstimmung auf die letzte Phase wollten wir die Möglichkeit geben, nochmal in die Schule zu kommen“, so Stephan Israel. Herausforderungen für den Abi-Jahrgang gab es dennoch. Zwölftklässler Ben Hoffmann erzählt: „Man war verunsichert, weil man in der Luft hing“. Die Umstellung hin zur Turnhalle war für ihn aber kein Problem. „Es hat sich angefühlt wie eine normale Klausur“. Auch für Julia Ackermann gab es keine große Veränderung: „Ich glaube nicht, dass wir dadurch einen Nachteil hatten“.

Für Schulleiter Mertens verläuft derweil noch immer „kein Tag routinemäßig“. Im Umgang mit der Krise müssen neue Lösungen her. „Es gibt jeden Tag interessante Herausforderungen und einen großen organisatorischen Aufwand. Wir drehen jeden Stein dreimal um“, berichtet er. Dazu gehört auch der feierliche Teil des Abiturs. Einen planmäßigen Ball kann es nicht geben, auch die berüchtigte Mottowoche fiel bereits der Pandemie zum Opfer. „Das ist für alle sehr schade, dass das nicht im üblichen Rahmen stattfinden kann“, meint Schülerin Milena Schmitz. Doch Reinold Mertens kann versprechen: „Es wird eine festliche, geschmackvolle Zeugnisvergabe gewährleistet“.