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Wuppertalerin warnt vor falschen Testergebnissen

Zu kalt im Testzentrum? : Wuppertalerin warnt vor falschen Testergebnissen

Wie verlässlich ist das Ergebnis eines Schnelltests? Eine Wuppertalerin sieht Mängel bei den Testzentren.

Yvonne Kling (46) ist mit dem Coronavirus infiziert und hat eine Mission: Sie warnt vor falscher Sicherheit bei Schnelltests und schlechten Bedingungen in Testzentren. Denn sie hat ein negatives Testergebnis erhalten, obwohl sie positiv ist. Sie führt das auf die Kälte im Testzentrum zurück und warnt: „Wenn wir nicht schnell etwas dagegen tun, nützt 2G+ überhaupt nichts.“

Als zweifach Geimpfte hielt sie Erkältungssymptome erst für harmlos, machte aber doch vorsorglich einen Selbsttest. Der war positiv. Ein zweiter zur Kontrolle ebenfalls. Einen PCR-Test zu machen, gelang ihr an diesem Sonntag nicht: Bei der Bereitschaftsnummer der Ärzte 116 117 habe es geheißen, man sei nicht zuständig. Die Corona-Hotline der Stadt habe sie zum Testzentrum am Schauspielhaus geschickt, das zu war. Weil sie Klarheit wollte, fragte sie in einem Testzentrum nach, man machte einen Schnelltest – und der war negativ.

„Es war so kalt wie draußen“

„Das kam mir nicht richtig vor“, sagt Yvonne Kling. Am Montag ließ sie bei einem Arzt einen PCR-Test machen. Ergebnis: positiv. Seither ist Yvonne Kling in Quarantäne. Und will aufklären. Sie kritisiert das Testzentrum: „Fenster und Türen waren auf, es war so kalt wie draußen.“

Sie hat seither recherchiert und viele Hinweise gefunden, dass zu hohe oder zu niedrige Temperaturen Testergebnisse verfälschen können. „Es steht auch auf den Packungen, dass die Tests bei 5 bis 30 Grad gelagert werden müssen, bei der Anwendung sollte es 15 bis 30 Grad warm sein“, erklärt sie.

Sie vermutet, dass viele Testzentren diese Anforderungen nicht erfüllen, wenn sie etwa nur in Zelten oder Containern untergebracht sind oder als Drive-Ins arbeiten. Dass aber Kontrollen fehlen. Ihre Versuche, Verantwortliche anzusprechen, hatten keinen Erfolg. Unter diesen Bedingungen „nützt 2G+ überhaupt nichts“, sagt sie. Menschen fühlten sich bei 2G+-Veranstaltungen „trügerischerweise sicher“ – und dann gebe es doch Infektionen. Mit der Facebook-Gruppe „Wir alle gegen Corona“ will sie auf das Thema aufmerksam machen.

Betreiber für Einhaltung der Anforderung verantwortlich

Das NRW-Gesundheitsministerium erklärt auf WZ-Nachfrage, dass sich Testzentren an die Corona-Teststrukturverordnung halten müssen, zu dem die „Anlage 1“ über die „Mindeststandards für Teststellen“ gehört. Darin heißt es: „Die Durchführung und Auswertung erfolgt entsprechend der Herstellerangaben des Test-Kits ... Insbesondere sind zu beachten ... Bedingungen zur Lagerung, Temperatur der Tests bei Anwendung (Raumtemperatur!)“. Zuständig für Kontrollen seien die Gesundheitsämter, heißt es aus dem Ministerium: „Wie sie die Kontrollen durchführen, steht in ihrem Ermessen.“

Stadtsprecherin Martina Eckermann erklärt für Wuppertal: „Kontrollen der Schnelltestzentren werden nach dem Antrag zur Zulassung vorgenommen.“ Danach würden sie – wie alle anderen Dienstleister auch – nur stichprobenartig und bei konkreten Beschwerden durchgeführt. Sie betont: „Die Betreiber übernehmen grundsätzlich die Verantwortung für die Einhaltung der Anforderungen der Testdurchführung.“

Der Betreiber des Testzentrums, in dem Yvonne Klang das falsch-negative Testergebnis erhielt, weist die Vorwürfe zurück: „Die Tests werden in Thermoboxen gelagert.“ Sie würden höchstens wenige Minuten vor Einsatz herausgenommen. Lüftung müsse sein, aber sie nutzten Heizstrahler. Nachts lägen die Tests in einem beheizten Lager. „Wir führen selbst Qualitätskontrollen durch“, sagt er. Auch das Gesundheitsamt komme ab und zu vorbei.

Er betont: „100 Prozent aller Positiven zu finden, ist nicht möglich.“ Die von seinen Testzentren genutzten Tests erreichten eine Sensitivität von 98,5 Prozent und gehörten damit zu den sensitivsten auf dem Markt. Es gehe darum, so viele Infektionen wie möglich zu entdecken.