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Wuppertalerin war beim Kauf ihrer ersten Platte im Glenn-Gould-Rausch

Meine erste Platte : „Ich war völlig im Gould-Rausch“

Gunda Gottschalk berichtet in der Serie „Meine erste Platte“ über ihre ganz besondere Beziehung zum Klassikpianisten.

„Meine erste Schallplatte war eine LP des Klassikpianisten Glenn Gould. Ich bin in Leverkusen aufgewachsen und mit meinem Bruder mit dem Fahrrad zu Saturn nach Köln gefahren. Wir haben dort in der Klassikabteilung rumgewühlt und diese Platte mit den zwei- und dreistimmigen Inventionen gesehen.“

Gunda Gottschalk war damals 14 und hatte neben Geige in der Musikschule auch Klavier gelernt. Obwohl sie aus keinem musikalischen Haushalt kam – ihre Eltern waren naturwissenschaftlich orientiert –, hat sie die typische Musikschulkarriere mit Blockflöte, Elementarunterricht, Glockenspiel und dann Geige gemacht. „Geige wollte ich schon immer, aber mein Lehrer meinte, man muss erst den Elementarunterricht machen, damit man überhaupt Geige lernen darf. Auf der Glenn-Gould-Platte waren Stücke, von denen ich schon die Noten zu Hause hatte und die ich perspektivisch spielen konnte. Mich hat total motiviert, dass so ein Superstar, den ich bewundert habe, diese Sachen eingespielt hat, die auch Schüler spielen können“, erzählt Gottschalk. „Ich habe dann diese Artikulation trockener auf dem Klavier nachgeahmt und einen Spleen für Glenn Gould entwickelt. Ich war völlig im ,Gould-Rausch’.“

Zur Musik ist sie dann durch die Musikschule gekommen, die „sehr gut ausgebildet und das auch als Verpflichtung gesehen hat“. Als Schülerin hat sie in einem semiprofessionellen Orchester in Köln gespielt, wo Profis und Hobbymusiker zusammen musiziert haben. „Dort habe ich Heike Haushalter kennengelernt, die Stimmführerin war, die studierte schon und zwar in Wuppertal und hat mir ihren Lehrer empfohlen.“ Aber erst nach einem kleinen Gastspiel bei einer Düsseldorfer Professorin, deren Unterricht ihr aber zu barockorientiert war, ist sie 1990 an der hiesigen Musikhochschule gelandet, wo sie bei Johannes Prelle ihr Violinstudium begann. „Weil ich Kontakt mit Kindern haben wollte, war mir wichtig, eine gute pädagogische Ausbildung zu erhalten. Außerdem habe ich Meisterkurse belegt, um auch anderen Wind zu kriegen.“

Schon während des Studiums hat sie an zwei Musikschulen unterrichtet und bemerkt, dass „die Struktur, die ich für Kinder sehr gut finde, für mich, mit meinen breiten Interessen nicht gepasst hat“. Deshalb habe sie ziemlich schnell wieder aufgehört.

Seit 1991 ist Gottschalk Mitglied im Ensemble Partita Radicale und in ihrem Examensjahr hat sie auch Peter Kowald beim legendären „365 Tage am Ort“-Projekt kennengelernt. Die regelmäßigen Einkünfte durch Privatschüler und Konzerte reichten ihr aus. Auch nach dem völlig überraschenden Tod des Mitbegründers von Partia Radicale, dem Bratschisten Thomas Beimel im Jahr 2016, macht die Gruppe mit etwas veränderter Struktur weiter. „Wir haben Elektronik dazu genommen und ab und zu greife ich auch mal zur Bratsche, um dieses Timbre drin zu haben. Wir haben jetzt unter dem Titel ‚Langzeitstudie‘ ein abendfüllendes Programm mit einer wirklich schönen Klanglichkeit entwickelt. Man merkt natürlich, dass Thomas eine Lücke hinterlassen hat, aber das Klangloch wächst langsam zu.“

Gunda Gottschalk ist eine Teamspielerin und bezieht ihre Inspiration von den Leuten, mit denen sie zusammenarbeitet. Zwar liegen einige Projekte auf Eis, aber mit der kasachisch-türkischen Sängerin und Komponistin Saadet Türköz und zwei koreanischen Frauen bereitet sie ein spannendes Projekt für die Zeit vor, in der wieder Livekonzerte möglich sind. Und auch der Privatunterricht kann in der Musik-Apotheke in der Marienstraße weiterlaufen, da der Raum groß genug ist für zwei Personen.