Wuppertalerin setzt sich für Kinder in Peru ein

Engagement : Wuppertalerin setzt sich für Kinder in Perus Armenviertel ein

Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Lima kümmert sich Joanna Kaufhold weiter um ihre Schützlinge.

Ein Jahr lang war Joanna Kaufhold vor drei Jahren freiwillige Helferin in der Kinderbetreuung in einem peruanischen Armenviertel. Inzwischen organisiert die 21-Jährige mit anderen ehemaligen Freiwilligen von Deutschland aus weitere Unterstützung für die Einrichtung.

Dass sie nach dem Abitur am St. Anna-Gymnasium ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) macht, stand für Joanna Kaufhold fest. Die Wahl fiel auf das Kinderbetreuungsprojekt einer Schule in der peruanischen Hauptstadt Lima, von dem sie über private Kontakte gehört hatte. Über das Programm „Seitenwechsel“ des Bistums Essen werden dorthin junge Menschen für ein FSJ geschickt.

Obwohl Joanna schon viel Reiseerfahrung hatte, war es für sie ein Sprung ins kalte Wasser. Denn sie konnte kein Wort Spanisch und musste sich in die Verhältnisse des Armenviertels am Rande der Stadt einfinden. „Das war schon ein großes Abenteuer, ich war mit dem Wörterbuch verheiratet.“ Trotzdem habe sie sich schnell zurechtgefunden und nach zwei Monaten auch auf Spanisch verständigen können. Ihre große Gastfamilie habe sie sehr unterstützt, berichtet sie. Und sie schwärmt davon, wie viel ihr das Leben dort auch beigebracht hat: „Man bekommt mehr zurück, als man gibt.“

Hausaufgaben, Freizeitgestaltung, Mahlzeiten

Gemeinsam mit einer zweiten FSJlerin war sie dafür zuständig, rund 25 besonders bedürftigen Kindern zwischen acht und 13 Jahren bei den Hausaufgaben zu helfen und ihnen Freizeitangebote zu machen. Die Kinder kommen aus ärmsten Verhältnissen, leben in Hütten ohne fließendes Wasser. Oft gibt es nur ein Elternteil, einige Kinder sind verwahrlost, bekommen nicht genug zu essen, erleben Gewalt. In der Betreuung erhalten sie eine warme Mahlzeit, bekommen Hilfe bei den Hausaufgaben und die FSJler sind Bezugspersonen für die Kinder, die oft keinen Menschen haben, der ihnen zuhört. Darüber hinaus machen die jungen Freiwilligen Hausbesuche und versuchen, die Familien zu unterstützen, vermitteln den alleinerziehenden Müttern Anwälte.

„Anfangs war ich sehr euphorisch“, erinnert sich Joanna Kaufhold. „Ich dachte, ich kann die Welt verändern. Aber wenn der Alltag kommt, merkt man, dass es die kleinen Dinge sind, die den Kindern Fortschritte bringen.“

Aber dann habe es auch Momente gegeben, in denen sie an ihre Grenzen gekommen ist. Als sie zum Beispiel einen Jungen trösten musste, dessen Mutter an Krebs gestorben ist. Als ihr ein Mädchen erzählte, sie habe den Mann gesehen, der ihre Cousine vergewaltigt und ermordet hat.

Sie hat viel geredet darüber, mit den anderen Menschen des Projekts, unter anderem mit der Schulleiterin Sadit Yalta, einer Schwester des spanischen Ordens „Hermanas del Amor de Dios“, die die Betreuung 2012 ins Leben gerufen hat. Und sie hat einen Internet-Blog geschrieben.

Auf der anderen Seite habe es viele schöne Momente gegeben: „Die Menschen sind extrem lebendig und liebevoll“, sagt sie. Sie lebten in einfachsten Verhältnissen „und strahlen so viel Zufriedenheit aus“. Und dass sie einigen Kindern tatsächlich helfen konnte, manchmal ganz praktisch, manchmal, indem sie für sie da war, „das gibt einem extrem viel zurück“.

Das ist auch der Grund, warum sie sich auch nach dem Jahr in Lima für das Projekt engagiert. Insgesamt fünf ehemalige FSJlerinnen aus Köln, Essen, Bochum und Wuppertal treffen sich regelmäßig, beraten sich in Absprache mit der Schulleiterin, was sie für das Projekt tun können. Sie versuchen, dass eine von ihnen einmal im Jahr nach Lima fliegt. Sie sind Ansprechpartnerinnen für weitere Freiwillige. Und sie werben in Deutschland um Unterstützung für das Projekt, das sich allein aus Spenden finanziert. Sie halten Vorträge, sprechen Unternehmen an. „Wir brauchen 7000 Euro im Jahr“, sagt Joanna Kaufhold. Damit könnten sie zwei bis drei Mahlzeiten am Tag bezahlen, Schulmaterial und Ausflüge mit den Kindern.

Das Jahr in Lima hat auch ihren weiteren Lebensweg beeinflusst: Sie will soziales Engagement, Reisen und Schreiben verbinden. Gerade macht sie ihren Bachelor in Sozialwissenschaften, ihren Master will sie in Friedens- und Konfliktforschung machen. „Am liebsten würde ich in der Entwicklungspolitik arbeiten, organisieren, Konzepte entwickeln – und darüber schreiben“, sagt sie.

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