Campus Wuppertal: Wuppertalerin hilft in Südostasien

Campus Wuppertal: Wuppertalerin hilft in Südostasien

Die Studentin Lea Sander schreibt über ihre Erfahrungen in Malaysia. Dort entwickelte sie ein Projekt gegen Umweltverschmutzung.

Wuppertal. Der Kultur-Campus Wuppertal, ein Seminar der Bergischen Universität, hat das Ziel, Studenten bei ihren kulturellen Projekten zu unterstützen. Die Teilnehmer entwickeln innerhalb des Seminars ihr eigenes Projekt und setzen es anschließend um. Ich, Lea Sander, habe dabei das „Environmental Musicproject“ ins Leben gerufen — ein ökologisches Musikprojekt, fern der Heimat in Südostasien. Die Idee dazu kam mir auf einer Reise nach Malaysia — im Rahmen des Kultur-Campus Wuppertal.

Der Hintergrund: Auf der malaysischen Insel Pulau Mabul vor der Küste von Borneo wirkt die Non-Profit Organisation „Project T.R.Y.“ („Transforming Rural Youth“). Sie hat auf der 500 Meter breiten und 800 Meter langen Insel vor zwei Jahren eine Schule gebaut, die allen Kindern und Jugendlichen der Insel kostenlos Bildung ermöglichen möchte.

Foto: Lea Isabelle Sander

Die Menschen auf Mabul sind Seenomaden und haben einen Flüchtlingsstatus, weil sie in den 50er und 60er Jahren vor dem Bürgerkrieg von den Philippinen geflohen sind. Der Status verhindert das Recht auf Bildung und den Anspruch auf das Gesundheitssystem, wodurch die Menschen auf Mabul in Armut leben und die Kindersterblichkeit hoch ist.

Das „Project T.R.Y.“ hat es sich zum Ziel gemacht, den Kindern und Jugendlichen Grundkenntnisse in Englisch, Mandarin und den in der Tourismusindustrie benötigten Fertigkeiten zu vermitteln. Mabul und die umliegenden Inseln sind ein beliebtes Ziel für Tauchtourismus, der jedoch durch die Verschmutzung des Ozeans und insbesondere durch die hohen Mengen an Plastikmüll im Meer bedroht ist. Die Schüler werden unter anderem über die Konsequenzen der Meeresverschmutzung aufgeklärt und regelmäßige „Island Clean-Ups“ — also Inselsäuberungen — schaffen langsam Bewusstsein und Sensibilität für den Umgang mit Plastikmüll.

Im „Environmental Musicproject“ schrieben die Schüler in Kleingruppen Lieder über den sichtbaren und spürbaren Effekt des Plastikmülls im Meer, zum Beispiel das erhöhte Sterben von Schildkröten und das trüber werdende Wasser. Am Ende entstand eine Show, die im Dorf aufgeführt wurde.

Der Unterricht fand abends statt, da viele der Schüler tagsüber arbeiten, um die Familie finanziell unterstützen zu können. Tagsüber bot ich unter anderem Aktivitäten wie „Island Clean-Ups“ und „Bottlefarming“ an, wobei Plastikflaschen als Pflanzgefäß genutzt werden.

Anfängliche Probleme der Rollenfindung waren schnell beseitigt und ich gewann das Vertrauen und den Respekt der Dorfbewohner, obwohl ich eine Frau und Lehrerin bin. Lehrer sind in der malaysischen Gesellschaft sehr hoch angesehen, während Weiße in abgelegenen Gebieten wie auf Pulau Mabul eher mit Misstrauen betrachtet werden. Frauen ordnen sich in der Regel unter.

Ziel von „Project T.R.Y.“ ist es, die Kinder und Jugendlichen auszubilden, damit sie irgendwann selber unterrichten können. Bis dahin ist die Organisation jedoch auf ehrenamtliche Helfer angewiesen, um den Unterricht überhaupt anbieten zu können. Ich werde zum Ende des Jahres noch einmal für drei Monate auf die Insel zurückkehren und den Fokus auf die Bildung und Aufklärung der Mädchen und jungen Frauen legen.

“ Lea Isabelle Sander ist Studentin an der Bergischen Universität und hat das „Environmental Music Project“ im Rahmen des Kultur-Programms Wuppertal entwickelt.

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