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Wuppertalerin Bärbel Hüsselmann hat zu jedem Kunstwerk eine Geschichte

Porträt : Bärbel Hüsselmann hat zu jedem Kunstwerk eine Geschichte

Die Elberfelderin findet ihre Inspiration auf Reisen durch ganz Europa. Am Wochenende öffnet sie anlässlich der Woga ihr Atelier.

Der Stein rollt zwei Meter geradeaus, dann macht er plötzlich eine Kurve und rollt wieder zum Ausgangspunkt zurück. In seinem Inneren hat er offenbar unregelmäßige Hohlräume. Daneben liegt ein Stein, der rasselt, weil sich darin ein zweiter Stein befindet. Bärbel Hüsselmanns Haus ist nicht nur voller Kunstwerke, sondern auch voller Kuriositäten. Die 80-Jährige läuft mit offenen Augen durch die Welt und entdeckt Dinge und Bilder, die anderen verborgen bleiben. Für die Woga öffnet sie am Wochenende ihre Türen.

Vor allem von ihren Reisen hat sie vieles mitgebracht. „Seit 2001 bin ich jedes Jahr drei Wochen lang gewandert und habe dabei Deutschland umrundet“, erzählt sie. Anfangs lief sie alleine, später gesellte sich ihr Mann dazu. Jede Nacht übernachteten sie in einem anderen Hotel und lernten dabei die unterschiedlichen Landschaften und Leute in den verschiedenen Bundesländern kennen. Daraus entstanden 18 Wanderbücher. Bärbel Hüsselmann hat sie selbst gebunden. Auf großen Seiten zeigt sie Landschaftsfotos, Aquarelle, Sinnsprüche und Texte mit Reiseerlebnissen. In einem anderen Buch hat sie nur die Texte über die Deutschlandwanderung zusammengefasst.

Die kälteren Länder
haben es dem Paar angetan

Doch auch sonst haben sie und ihr Mann viele europäische Länder durchwandert, bevorzugt die nordischen. „Wir lieben mehr die Kälte“, erklärt die Künstlerin. Auf einer Karte hat das seit 55 Jahren verheiratete Ehepaar alle Strecken eingetragen: Irland ist dick markiert, Norwegen bis hoch zu den Lofoten, Schottland, aber auch Spanien. „Dort haben wir gute Freunde.“ Italien und Griechenland hingegen sind unberührt. Vor Ort macht Bärbel Hüsselmann Fotos, die Aquarelle entstehen anschließend zu Hause. „Den Fotoapparat habe ich immer um den Hals hängen, selbst wenn ich nur hier vor die Türe gehe.“ Dann fotografiert sie auch kleine, witzige Szenen aus dem Alltag oder faszinierende Geheimnisse der Natur.

Ihr Atelier befindet sich im Dachgeschoss ihres Hauses an der Nützenberger Straße, „mein Himmelreich“. Dorthin zieht sie sich zurück, um zu malen. Auf der einen Seite steht der Tisch mit den Farben, auf der anderen Klangschalen, dazwischen viele Bilder. „Bei mir wird‘s immer eine Landschaft“, stellt Bärbel Hüsselmann fest. Selbst in eher abstrakten Gemälden taucht eine Küstenlinie oder ein Gebüsch auf.

Angefangen hatte die Künstlerin mit Webbildern. „Damals habe ich draußen Farben auf der Feuerstelle gekocht“, erzählt sie. Schön sei der Geruch nicht gewesen. In der Gartenlaube habe sie die selbst gefärbte Wolle dann gesponnen und auf dem Nagelrahmen zu zwei mal zwei Meter großen Gemälden verwebt. Zu dieser Zeit liefen auch noch die Hühner dort herum. In den 1970er Jahren bewarb sie sich bei der Gedok, der Gemeinschaft der Künstlerinnen. „Aber die haben mich zweimal abgelehnt, weil gewebte Sachen keine Kunst, sondern Handwerk seien.“

Für Bärbel Hüsselmann spielt das keine Rolle. Sie probiert einfach alles aus, was sie interessiert. Aus Lehm hat sie kleine Elefanten geformt, aus Eisen einen Schutzengel geschmiedet. Vom Marmeladekochen erzählt sie ebenso begeistert wie vom Fertigen ihrer großformatigen Bilder. Früher habe sie auch Malkurse besucht – doch die meiste Zeit vertraut sie auf ihren eigenen Instinkt. Für ihr „Meisterwerk“ hat sie ihre schönsten Aquarelle gemeinsam mit Gedichten und kleinen Geschichten auf wunderschönem Papier zu einem riesigen Buch binden lassen. „Haikus dichte ich auch“, lässt sie nebenher einfließen. Im ganzen Haus hängen dicht an dicht Bilder in unterschiedlichen Maltechniken. Zu jedem Bild, zu jedem Stein hat Bärbel Hüsselmann eine Geschichte. Langeweile ist für sie ein Fremdwort.