Wuppertaler Video-Suite bringt Flüchtlingsschicksale näher

Kultur : Video-Suite bringt Flüchtlingsschicksale näher

Uraufführung von „Die Schutzbefohlenen“ findet am 7. November im Opernhaus statt.

Was empfinden Menschen auf der Flucht? Welche Hoffnungen und Ängste tragen sie in sich? Sich einzufühlen in Geflüchtete, kann ein Weg zu einem tragfähigen Umgang mit ihnen sein. Menschen im Exil lässt die Video-Suite „Die Schutzbefohlenen“ zu Wort kommen: Die aus Deutschland vertriebenen Dichterinnen Else Lasker-Schüler und Mascha Kaléko.

Aber auch junge Menschen aus Afghanistan und Syrien, die in den vergangenen Jahren auf abenteuerliche Weise nach Deutschland gekommen sind. Die Uraufführung der „Schutzbefohlenen“ findet am 7. November in der Wuppertaler Oper statt – im Rahmen der Jubiläumsreihe „Meinwärts. 150 Jahre Else Lasker-Schüler“.

Schauspiel, Tanz und Musik werden zusammengeführt

„Es ist ein Herzensprojekt“, sagt Heiner Bontrup. Nicht nur in den jüngsten Wahlerfolgen der AfD sieht der Leiter des Theaters Anderwelten eine politische Situation, in der Geflüchtete einen schweren Stand haben. „Ich habe auch das Gefühl, dass die Empathiefähigkeit gelitten hat.“ Diesem Status Quo setzt Bontrup die Video-Suite entgegen, die Schauspiel und Tanz, Musik auf Videokunst zusammenführt.

Mit den „Schutzbefohlenen“ will Bontrup mehr als nur eine künstlerische Antwort geben. Deshalb hat er den Caritasverband Wuppertal/ Solingen und die Wuppertaler Bühnen mit ins Boot geholt.

Mit Caritasdirektor Dr. Christoph Humburg ist er sich einig, dass die Wuppertaler Zivilgesellschaft gegen Rechts enger zusammenrücken muss. Natürlich stelle sich die Frage, so Bontrup, welche Reichweite seine Inszenierung haben wird. Lässt sich so ein Publikum erreichen, das Flüchtlingen skeptisch bis feindselig gegenübersteht? „Das ist aber kein Grund, nichts darüber zu machen.“

Podiumsdiskussion
vor der Premiere

Zur Diskussion anregen will auch eine Podiumsveranstaltung, die der Premiere vorausgeht. Unter dem Titel „Flucht und Vertreibung: ein Menschheitsthema?“ lädt Birte Fritsch, Projektleiterin von „Meinwärts“, die Autorin und Immigrantin Safeta Obhodjas sowie Vertreter aus Kultur und Politik zum Gespräch ein.

Ähnlich vielstimmig ist das Multimedia-Stück. Zu den Sprechern gehören Julia Wolff, Bernd Kuschmann und Schauspielintendant Thomas Braus. Außerdem junge Autoren des Poetry Project Berlin, die ihre persönlichen Erfahrungen einbringen. Gedichte der aus Syrien geflohenen Rojin Namer werden in einen Dialog mit Lasker-Schüler-Versen treten. Bibelstellen verbinden sich mit „Wir Flüchtlinge“, einem Text der Philosophin Hannah Arendt.

Mit von der Partie ist die ehemalige Pina-Bausch-Tänzerin Chrystel Guillebeaud. Sie bewegt sich zu Text-Klang-Collagen von Charles Petersohn und wird auch selbst zur Geige greifen. Für einen durchgehenden Soundtrack aber sorgt Mathias Haus, Komponist und Vibraphonspieler. Seine Partitur, die die Rezitation umspielt, wird von der Kammerphilharmonie Wuppertal unter Leitung von Werner Dickel interpretiert.

Das „Jazz-Element“ der Improvisation, sagt Haus, bringt Gregor Eisenmann ein. Das Bühnengeschehen wird der Medienkünstler mit Videobildern begleiten, die einmalig, weil unwiederholbar sind. Hinzu kommen vorproduzierte Bilder, die Kunst von „Else“ und ihren Zeitgenossen mit Wuppertalimpressionen mischen. „So will ich Identifikationsräume für unser Publikum schaffen“, erklärt Eisenmann.