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Wuppertaler Unternehmen hoffen auf die Wirkung des Preisdeckels​

Podcast „Wuppertaler Wendepunkte“ : Wuppertaler Unternehmen hoffen auf die Wirkung des Preisdeckels

Noch spüren nicht alle Unternehmen, wie stark sich die Energiepreise erhöhen, sagt Markus Hilkenbach, Vorstandsvorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke. „Es gibt Unternehmen, die haben Zwei- oder Dreijahresverträge abgeschlossen, im letzten oder vorletzten Jahr.

Die kriegen von der Krise im Moment gar nichts mit, weil sie noch in einem alten Preissystem sind.“ Andere treffe die Krise sehr hart. Die WSW kündigen als lokaler Energieversorger keine Verträge – auf dem freien Markt komme das vor.

Die Stadtwerke setzen den Vertrieb aber zeitweise aus. Markus Hilkenbach nennt ein Beispiel: Wenn ein Stromvertrag vorher einen Wert von 30 000 Euro hatte, hätte man bei einer neuen Unterschrift vor einigen Wochen 600 000 Euro gezahlt. „Zu so einem Zeitpunkt ist das Risiko für beide Seiten viel zu groß.“ Wenn ein Kunde ein Angebot haben möchte, prüfen die Stadtwerke, wie viel der Strom sie am Markt kostet. „In den letzten Monaten konnte es sein, dass sich die Preise innerhalb von zehn Minuten oder einer halben Stunde komplett verändert haben.“ Ein Drittel der Industrie- und Gewerbekunden hätte derzeit noch keinen Strom- oder Gasliefervertrag für das nächste Jahr unterzeichnet. Das sei ungewöhnlich. „Manche sagen, dass sie das nicht unterschreiben können, weil der Preis viel zu hoch ist. Dann würden sie auch gleich einen Insolvenzantrag unterschreiben.“

Wie sich die Energiekrise auf die Unternehmen im Bergischen Land auswirkt, hänge jetzt auch davon ab, wie der Gaspreisdeckel wirkt, den die Bundesregierung plant, sagt Markus Hilkenbach. „Die Erleichterung war erst mal groß, dass überhaupt etwas gekommen ist. Das war ein wichtiges Signal“, sagt Ralph Oermann von der Bergischen Industrie- und Handelskammer. Ähnliche Regeln wie für das Gas müssten nun auch für den Strommarkt kommen, um den Unternehmen eine gewisse Planungssicherheit zu geben. Kreishandwerksmeister Arnd Krüger wirbt zwar für Zuversicht, um gut durch die Krise zu kommen, ist beim Gaspreisdeckel aber noch skeptisch: „Die Umsetzung dieser Gesetze erschließt sich einem oft nicht direkt.“ In der Vergangenheit habe es Fehler gegeben, wenn schnell reagiert werden sollte. Es bleibe abzuwarten, ob die Umsetzung gut funktioniert. „Das betrifft die kleinen und mittleren Betriebe unmittelbar, sie haben nicht so große Puffer wie große Industrie- oder Handelsunternehmen.“

Die Energieversorger seien über den Verband in die Lösungsfindung eingebunden, sagt Markus Hilkenbach. Die Regelungen würden umsetzbar sein, aber zusätzliche Arbeit machen. „Unsere Administration und unser Abrechnungssystem sind darauf ausgelegt, Standards zu verarbeiten und jeden Monat das Gleiche zu tun. Jetzt kommen plötzlich alle paar Wochen oder Monate neue Themen dazu.“

Noch seien viele Detailfragen offen. Das zweistufige Modell mit einmaliger Reduktion im Dezember und einer Folgeregelung begrüßt er, so werde Zeit gewonnen, um die Fragen zu beantworten. „Es ist eine Preisgarantie vorgesehen, bei Privat- und Geschäftskunden sind das zwölf Cent. Es wird allerdings ein Einsparziel gesetzt, es liegt bei 20 Prozent. Bis zu diesem Wert wird subventioniert, die Kilowattstunden darüber hinaus werden zum Echtpreis abgerechnet.“ Für die Industriekunden gebe es die Idee einer 70-prozentigen Deckelung ab 1,5 Millionen Kilowattstunden bei sieben Cent. Zusätzliche Einsparungen können wieder an den Markt verkauft werden, das lohne sich für Großkunden im Terrawatt-Bereich. „Das ist noch mal eine zusätzliche Motivation, mehr einzusparen.“