Wuppertaler Unternehmen baute an der Navigation der Mondfähre mit

Unternehmen : Mit Wuppertaler Präzision zum Mond

Thielenhaus arbeitete am Navigationssystem der Landefähre „Eagle“ mit.

Von Andreas Boller
Mit der Einreise in die Vereinigten Staaten haben es die Amerikaner schon immer sehr genau genommen. Und so dürfte die von den drei Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins nach der Mondlandung unterzeichnete Einreiseurkunde weniger ein Gag als eine bürokratische Notwendigkeit gewesen sein. Darin bestätigt die Apollo Crew, dass sie mit dem Ziel „Moon“ das Land in Cape Kennedy verlassen hat und am 24. Juli 1969 in Honolulu wieder eingereist ist.

„Als zu deklarierende Ladung der Einreise-Urkunde wurde übrigens lakonisch angegeben: ‚Moon Rock, Moon Dust, Samples‘. Tatsächlich sind damals zum ersten Mal Gesteinsproben von einem anderen Himmelskörper zur Erde gebracht worden“, sagt Dietrich W. Thielenhaus, Beiratsvorsitzender des Familienunternehmens. Zu verzollen hatten die Astronauten nichts - außer dem Haufen Steine und Staub vom Mond. Eine Kopie der Einreise-Urkunde der Apollo-Crew mit deren Original-Unterschriften wurde dem Wuppertaler Traditionsunternehmen als Dank für die Beteiligung an der erfolgreichen Apollo-Mission später überreicht.

Thielenhaus zählt bis heute zu den Weltmarktführern im Bereich des Microfinishing und war auf diesem Gebiet schon damals mit einer Niederlassung in der Nähe der Autostadt Detroit ein begehrter Partner der Autoindustrie. Beim Micro- oder Superfinishing geht es um die Bearbeitung von Werkstücken im Bereich von Zehntausendstel-Millimetern. Bekanntlich verfügte der Bordcomputer der Apollo 11  im Vergleich zu heute über lächerliche Rechenleistungen, daher kam es umso mehr auf die Präzision der mechanischen Bauteile an. Durch gleichzeitige Erhöhung der Tragfähigkeit konnten Abmessungen und Gewicht des Gesamtsystems deutlich gesenkt und die für die Mission überlebenswichtige Betriebssicherheit erreicht werden. Insbesondere auf das Navigationssystem der Landefähre kam es an. Im Auftrag der Nasa behandelte Thielenhaus die Trägheitsnavigationsanlage der Mondfähre Eagle, die mit extrem präzisen Miniaturlagern ausgestattet war, die zuvor auf der Microfinish-Maschine des Typs KM 26 aus Wuppertal bearbeitet worden waren.

„The Eagle has landed“ (der Adler ist gelandet) hieß es am 21. Juli 1969 und das Aufatmen im Raumzentrum und vermutlich auch in Wuppertal dürfte riesengroß gewesen sein, denn die Navigation zu einer geeigneten Landestelle war wegen der Gefahr einer Bruchlandung eine der heikelsten Phasen der Mission. „Leider gibt es über die Arbeit an der Navigationsanlage keine Firmenunterlagen, denn alle Aktivitäten der Nasa in Bezug auf die Apollo-Mission unterlagen der strengsten Geheimhaltung“, sagt Wolfgang D. Riedel von Thielenhaus & Partner, Agentur für Marketing GmbH.

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