1. NRW
  2. Wuppertal

Wuppertaler Talturnier verbindet Integration mit Sport- und Jobtraining

Maßnahmenpaket : Das Talturnier verbindet Integration mit Sport- und Jobtraining

Beim Talturnier gab es ein spannendes Fußball-Kräftemessen und gute Integrationsarbeit abseits des Platzes.

Fußball und Integration passten auch bei der fünften Auflage des Talturniers gut zusammen. An der Sportanlage Oberbergische Straße standen acht Wuppertaler Betriebsmannschaften auf dem Platz – gemeinsam mit dem Team der Gesa-Stiftung und dem Team Talturnier, bei dem unter Anleitung des früheren WSV-Trainers Thomas Richter junge Geflüchtete zusammenspielen. Zu den prominenten Zuschauern gehörten Sportdezernent Matthias Nocke (CDU) und der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD). Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) eröffnete das erste Spiel.

Sport ist nur eine Seite des Integrationsprojekts

Die Turniermannschaften, die jeweils aus einem Torwart und fünf Feldspielern bestanden, traten auf zwei Kleinfeldern gegeneinander an. Jedes Spiel dauerte zehn Minuten. Ansonsten war aber alles wie bei Profi-Fußballturnieren – komplett mit Vorrunde, Halbfinale und Finalpartien um die ersten drei Plätze.

Neben dem Sportereignis ist das Talturnier aber auch Höhepunkt des von der Gesa-Stiftung betreuten Integrationsprojekts. Für Gesa-Geschäftsführer Ulrich Gensch ist Sport eine ideale Möglichkeit, Migranten den Weg in den Alltag und das Berufsleben zu ebnen. „Anfängliche Sprachbarrieren lassen sich im gemeinsamen Spiel wunderbar mit Händen und Füßen überbrücken.“ Im Rahmen des Talturniers können die jungen Geflüchteten, die auf der Suche nach einem Job sind, den anwesenden Firmenvertretern ihre Fähigkeiten und Stärken präsentieren. „Im Vorhinein haben wir geschaut, was Betriebe anbieten können“, erklärt Projektleiter Frank Leonhardt. Auch nach dem Turnier lassen sich Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern herstellen.

Leonhardt sieht die 16 Spieler vom Team Talturnier auf einem guten Weg. „Viele sind gut organisiert. Sie machen Sprachkurse oder bereits eine Ausbildung. Einige sind an der Universität.“ Großen Anteil an dieser Entwicklung hat das doppelte Training für die Teammitglieder. Während Thomas Richter seine Mannschaft einmal pro Woche im Bayer Sportpark trainiert, kümmert sich ein Jobcoach um die beruflichen Perspektiven der Spieler, die zwischen 17 und 35 Jahren alt sind und mehrheitlich aus Syrien und dem Irak stammen. In Einzelgesprächen berät der Jobcoach die Spieler und hilft bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen.

Für seine Mannschaft trat Mohamad Zaher Ahladab als Verteidiger an. Am Talturnier-Projekt nimmt er seit rund einem Jahr teil. Ein Freund hatte dem 24-Jährigen davon erzählt und ihn überredet, mit zum Training zu kommen. Ahladab knüpft damit an die Zeit an, als er in Syrien in einer Fußballmannschaft spielte. 2015 flüchtete er aus seiner Heimat, um nicht als Soldat im syrischen Bürgerkrieg kämpfen zu müssen. Was das Ankommen in Deutschland angeht, hat er schon ein gutes Stück Strecke hinter sich gebracht. Zurzeit besucht er einen Sprachkurs an der Uni und will im Oktober ein Studium beginnen. „Der Jobcoach hat mir zu Elektrotechnik geraten. Er hat mir da wirklich weitergeholfen.“

Auf dem Platz leistete auch die Gesa-Mannschaft einen praktischen Beitrag zur Integration. Auf der Verteidigerposition spielten abwechselnd Mariyam (17) und Safa (20) – ein irakisches Schwesternpaar, das beim Projekt „Talente Soccer Girls“ mitmacht. Den ersten Einsatz mit einer Herrenmannschaft fanden beide gut. „Alles an Fußball gefällt uns“, sagte Mariyam. Mit ihrer Begeisterung fallen sie allerdings auf. Gesa-Mitarbeiter Moritz Rosenthal berichtete, dass das Training der „Soccer Girls“ zurzeit nur mäßiges Interesse findet. „Die Mädchen bleiben eher mal weg.“