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Wuppertaler steigt ausgerechnet in Mexiko ins Chili-Geschäft ein

Wuppertaler weltweit : Wenn ein Wuppertaler in Mexiko ins Chili-Geschäft einsteigt

Sebastian Schulz vertreibt in seiner Wahlheimat „Chile Cabron“.

Ein Deutscher, der ausgerechnet in Mexiko an Mexikaner Chili vertickt. Und das auch noch erfolgreich. Klingt wie die Anekdote von jenem Verkäufer, der sogar Kühlschränke an Eskimos los wird. Nur: Die Chili-Story ist wahr. Sebastian Schulz muss selbst ein wenig schmunzeln. Denn demnächst legt er noch einen drauf und will in seiner Wahlheimat eigenen Tequila anbieten, also im Prinzip Mexikos Nationalgetränk.

An die Blicke, als er, der Gringo vor ein paar Jahren mit seiner Chili-Idee um die Ecke kam, kann sich der gebürtige Wuppertaler noch gut erinnern. „Ich wurde schon belächelt“, erinnert er sich beim Heimatbesuch in Wuppertal. Ein bisschen sei es schon ein Kampf gewesen. Zumal es auch in Mexiko hohe Auflagen bei der Produktion und beim Vertrieb von Lebensmitteln gibt.

Doch längst ist „Chile Cabron“, seine Marke mit dem markanten Knochenmann im Logo, ein Erfolgsrezept. Kein Big Business, eher eine gut laufende Manufaktur. Sein Hauptjob sei die Produktion von Notizheften- und Blöcken, ebenfalls mit Knochenmann, erzählt Schulz. Ins Chili-Geschäft stieg er eher zufällig ein. „Eine Schnapsidee.“ Wobei, was ist dann erst der Tequila-Plan? Sein Chili kommt jedenfalls aus Yahualica, wo dem Vernehmen nach Mexikos berühmtester Chili auf traditionelle Weise angebaut wird. Kennzeichen: Fruchtig scharf. „Ich bin bei Bauern in die Lehre gegangen, habe mir alles zeigen lassen.“ Die vielen unterschiedlichen Sorten zu unterscheiden, vor allem die Qualität, sei kein Problem mehr.

 Sebastian Schulz ist gerne mit dem Bulli unterwegs.
Sebastian Schulz ist gerne mit dem Bulli unterwegs. Foto: Schulz

Um die 1500 Gläschen füllt er monatlich ab. Anfangs noch in Heimarbeit, unterstützt von Tochter Sofia (22) – „sie hält den Laden am Laufen, wenn ich nicht da bin“ - seit kurzem mit Hilfe von zwei Mitarbeitern. Musste er anfangs noch von Laden zu Laden tingeln, um Abnehmer zu finden, exportiert er mittlerweile seine Flocken auch schon in die USA.

Und demnächst auch nach Deutschland? Seinen jüngsten Trip an die Wupper nutzte der 51-Jährige natürlich um seine Eltern – mit Bürgermeisterin Ursula Schulz und Autor Hermann Schulz übrigens zwei sehr bekannte Wuppertaler – zu besuchen. Ein bisschen sei es aber auch ein Geschäftstrip, erzählt er lachend beim Treffen mit der WZ im Café Milia’s und präsentiert ein Gläschen seines „Chile Cabron“ — mit deutschem Etikett. „Ein Muster“, erklärt Schulz, der auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen will. Ein Kennzeichen, mit dem Schulz in Deutschland punkten will neben dem Geschmack: „Mein Chili ist bio.“

Nicht schlecht für einen, der selbst von sich sagt, früher eigentlich gar keinen Plan gehabt zu haben. „Und das dachten wahrscheinlich auch meine Eltern von mir.“ Spult man ein paar Jahre zurück, war da nämlich der junge Sebastian, Anfang 20, der als Afrikanistik-Student gerade von einem Ein-Jahres-Aufenthalt in Tansania nach Wuppertal zurückkam – und eigentlich nur schnell wieder weg wollte. „Nach Spanien, um Spanisch zu lernen.“ Letzteres klappte, wenn auch in Mexiko.

„Eine Bekannte schlug mir das als Alternative vor.“ Schnell noch einen Langenscheidt am Flughafen gekauft und los ging’s. Natürlich, wie so viele Auswanderer im Nachhinein erzählen, „für ein Jahr“. Schulz grinst. Ein Plan, der nicht so ganz aufging. Er fasste richtig Fuß dort, lernte auf einer Buchmesse – Literatur spielte in seinem Leben dann doch eine große Rolle — seine spätere Frau, mittlerweile Ex-Frau kennen, zu deren Familie er aber immer noch einen guten Draht hat. Und jetzt macht Schulz eben unter anderem „in Chili“.

Zwischenzeitlich war er zwar mehrere Male wieder in fest in Wuppertal, teilweise auch einige Jahre lang. Tochter Sofia wurde zum Beispiel hier geboren, hat beide Staatsbürgerschaften, weshalb über sie auch das Geschäft in Mexiko läuft. „Das macht es einfacher.“ Richtig gehalten hat es Schulz aber nicht mehr im Tal. Auch seine Verwandtschaft in Mexiko lockte ihn zurück. Längst bleibt es bei Kurzvisiten in Wuppertal, seine Heimat ist Guadalajara.

Auch sein bislang letzter Besuch hier dauerte ihm fast schon zu lang. „Es ist ja auch das Wetter“, sagt er beim Blick auf den verregneten Kirchplatz, räumt aber auch gleich ein, dass der Februar nicht unbedingt der beste Monat für einen Europa-Trip ist, wenn man sonst die mexikanische Sonne gewohnt ist. Wobei es nicht nur das Klima sei. „Mexiko ist für mich das tollste Land der Welt“, sagt er im Brustton der Überzeugung und findet es schade, dass in Deutschland Gewalt- und Drogengeschichten, die es in die Medien schaffen, das Bild seines Landes ausmachen.

Vielleicht gibt es ja bald auch die Story vom erfolgreichen Tequila-Händler. Beim nächsten Gastspiel in Wuppertal hat er dann sicher ein Fläschchen im Gepäck.