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Verkehrswende: Wuppertaler Stadtwerke planen Busse auf Bestellung

Verkehrswende : Wuppertaler Stadtwerke planen Busse auf Bestellung

Mit einem On-Demand-Verkehr in Elberfeld wollen die WSW autonom fahrende Dienste vorbereiten.

Die Stadtwerke wollen ab August einen Bestell-Service für Minibusse einführen. Dabei sollen die Fahrzeuge per App angefordert und die Fahrgäste dann auf dem kürzesten Weg ans Ziel gebracht werden. Auch sollen unterwegs weitere Gäste aufgenommen werden können. Der Weg wird dabei computerbasiert angepasst. WSW-Produktmanagerin Sabine Schnake spricht von „einem ganz neuen Produkt“, das Ähnlichkeiten zu Fahrdienstleistern wie Uber habe.

Das Projekt des „On-Demand-Verkehrs“ soll im August in Elberfeld, Elberfeld-West und Uellendahl-Katernberg starten und im Zuge des Projekts „Bergisch Smart: KI als Enabler der Mobilität von Morgen“ erforscht werden. Es geht darum, zukunftsfähige Mobilitätsmodelle zu entwickeln und sie beispielhaft in Modellbereichen zu testen. Das Ganze ist Teil der Förderung des Städtedreiecks als Modellregion für Digitalisierung.

Startschuss für autonomes Fahren bei den WSW

Das Modell dürfte der Startschuss für autonomes Fahren bei den WSW sein. Dietmar Bell (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der WSW, sagt, dass die On-Demand-Angebote Test- und Lernfelder für Algorithmen sind und als Grundlage für autonom fahrende Dienste getestet werden.

Die Fahrgäste sollen per App die Möglichkeit haben, Autos im Stile der Londoner Taxis anzufordern, die bis zu sechs Gäste transportieren können. Schnake sagt, die neuen Autos, von denen erst einmal sechs geleast werden sollen, sollen bewusst eine neue Optik haben und das neue Angebot als solches erkennbar machen.

Die Nutzer sollen laut Vorlage, die in die Bezirksvertretungen und den Verkehrsausschuss gehen sollte, dann direkt an ihr Ziel gebracht werden. Allerdings kann die Route angepasst werden, wenn das Auto unterwegs weitere Anforderungen bekommen hat. „Der Fahrweg wird unter Umständen ‚in Echtzeit’ angepasst, um weitere Fahrgäste aufnehmen zu können. Das sogenannte Pooling von Fahrtwünschen stellt ein wesentliches Element eines On-Demand-Verkehrs dar und unterscheidet ihn unter anderem von einem Taxi-Verkehr“, heißt es.

Da die Fahrten Teil des Liniennetzes sein sollen, ohne an eine Linie gebunden zu sein, werden virtuelle Haltepunkte eingeführt. Die sind in der entsprechenden App kenntlich gemacht, aber nicht per Schild erkennbar. Die App soll auch die einzige Möglichkeit sein, das Angebot zu bezahlen. Der Preis liegt dabei über dem des regulären WSW-Angebots, wobei noch nicht benannt ist, wie hoch er tatsächlich sein wird.

Der Fahrzeitraum „ist zunächst festgelegt auf montags bis donnerstags 6 bis 22 Uhr, freitags und samstags 6 bis 3 Uhr sowie sonntags 8 bis 22 Uhr.“ Damit sollen Zeiten und Orte genutzt werden, die mit dem regulären Linienverkehr nicht oder nicht mehr abgedeckt werden.

Die Maßnahme soll von August 2020 bis Ende 2021 laufen. „Nach Abschluss des Forschungsprojektes werden WSW mobil und Stadt Wuppertal, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse, gemeinsam über eine Fortführung des Projektes entscheiden“ – und über eine Ausweitung auf andere Bereiche der Stadt. Laut Schnake hängt das auch von den Einnahmen ab.

Aktuell laufen die Ausschreibungen für die Fahrzeuge, Fahrleistungen und das Marketingkonzept. Die Taxi-Zentrale Wuppertal will sich laut Geschäftsführer Nico Hoettges auf die Fahrleistungen bewerben. Die Stadtwerke hätten die Taxi-Zentrale von Anfang an informiert und im Boot gehabt, lobt er die WSW. Schade sei aber, dass die Wagen nicht von der Taxi-Zentrale gestellt werden würden – eben um auch optisch erkennbar zu sein. Auch wenn er generell schon eine Konkurrenz zum Taxi fürchtet, sieht Höttges den Bedarf an neuen Angeboten, und er geht davon aus, dass sich die Zielgruppen unterscheiden. Das Klientel der Taxen sei hauptsächlich älter. Ein On-Demand-Verkehr sei eher auf junge Leute mit Bezug zur digitalen Technik ausgelegt. Er hofft trotzdem, bei der Ausschreibung erfolgreich zu sein und an dem Konzept teilhaben zu können. Die Stadtwerke müssen zwar europaweit ausschreiben, wünschen sich laut Schnake aber ebenfalls eine lokale Kooperation.