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Wuppertaler Stadtwerke haben im ersten Monat 80 000 Neun-Euro-Tickets verkauft​

Fazit : Wuppertaler Stadtwerke haben im ersten Monat 80 000 Neun-Euro-Tickets verkauft

Die Schwebebahn war im Juni voller als vorher – Stadtwerke beteiligen sich an einer deutschlandweiten Studie zur Nutzung.

Der erste von drei Monaten des 9-Euro-Tickets ist vorbei. Für Juni haben die Wuppertaler Stadtwerke 80 000 solcher Tickets verkauft, hinzu kommen die rund 60 000 Abonnenten, deren Kosten ebenfalls auf neun Euro reduziert werden. Die Schwebebahn sei voller gewesen als vor der Einführung des günstigen Tickets, besonders an den Wochenenden.

Bereits am 18. Mai, dem ersten Tag, an dem der Verkauf in der Handy-App freigeschaltet wurde, hätten die WSW 1500 Tickets verkauft, sagt Sprecher Holger Stephan. „10 000 verkaufte Tickets waren es am 23. Mai, dem ersten Verkaufstag im Kundencenter.“ Bis jetzt haben die Stadtwerke 98 000 Stück der 9-Euro-Tickets verkauft, davon 80 000 für den Monat Juni, die restlichen für die beiden verbleibenden Monate Juli und August.

Die Zahl der Fahrgäste in der Schwebebahn habe montags bis freitags um circa 20 Prozent zugenommen, am Wochenende um 35 bis 40 Prozent, sagt Holger Stephan. „Die Fahrzeuge sind voller, aber nicht zu voll. Es gibt keine Überbesetzungen, niemand wird stehen gelassen.“ Das werde sich auch im Juli nicht ändern, „da es traditionell geringere Fahrgastzahlen aufgrund der Sommerferien und Urlauber gibt.“

Verband befürchtet negativen Effekt durch volle Bahnen

Es gebe einige Überfüllungen, sagt hingegen Axel Sindram, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn im Bergischen Land, „insbesondere auf den Linien, die ohnehin schon voll sind“ – zum Beispiel die Schwebebahn, Züge in Richtung Köln oder über die Müngstener Brücke. „Viele nutzen das Ticket für Touristik. Es ist die Frage, ob diese Subvention die richtige Antwort auf den Krieg ist.“ Dass mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen, begrüßt Axel Sindram, bezweifelt aber, ob das ab September so bleibt, wenn es das 9-Euro-Ticket nicht mehr gibt. „Ich fürchte, dass die Zahlen dann wieder zurückgehen.“ Wenn Züge und Busse überfüllt sind, sei das aber auch keine gute Werbung für den öffentlichen Nahverkehr: „Der Chance, neue Fahrgäste zu gewinnen, steht das Risiko gegenüber, dass andere ihr Abo kündigen.“

Am Wuppertaler Hauptbahnhof erzählen Fahrgäste, warum sie das 9-Euro-Ticket gern nutzen. Hella Glover kam erst im vergangenen Monat aus den USA wieder und hat sich das Ticket gekauft. „Super ist einfach, dass man somit City-Hopping machen kann“, also von Stadt zu Stadt fahren kann, sagt Glover. Sie wisse zwar nicht, wie die Verlässlichkeit der Bahn vor dem Angebot war, ihr ist jedoch aufgefallen, dass die Züge nicht immer kommen. „Bei uns sind schon einige Züge ausgefallen“, erzählt Hella Glover. Trotzdem wird sie das vergünstigte Ticket weiterhin nutzen und hat sich auch für Juli schon eins gekauft.

Eine finanzielle Entlastung stellt das 9-Euro-Ticket für Yvonne Ochse dar. Durch ihre Elternzeit bezieht sie momentan Harz IV und besitzt ein Sozialticket. Vor Juni musste sie sich ein Zusatzticket besorgen, wenn sie in andere Städte fahren wollte. „Mit dem 9-Euro-Ticket kann ich einfach fahren, ohne mir Gedanken zu machen, ob ich mir das Zusatzticket leisten kann“, sagt Ochse. Ihr ist aufgefallen, dass die Züge voller geworden seien und es mehr Verspätungen gebe. Mit mehr Planung erreiche man die Ziele dennoch. Sie würde sich freuen, wenn die Aktion verlängert würde. Mit den aktuellen Spritpreisen stelle das Ticket eine gute Alternative dar, um Geld zu sparen.

Die Stadtwerke beteiligten sich an Marktforschung

Um aus den Erfahrungen der Zeit des 9-Euro-Tickets zu lernen, führt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) eine Studie durch. „Die WSW beteiligen sich an der VDV-Marktforschung und haben für Wuppertal die Anzahl der Befragten aufgestockt“, sagt Holger Stephan. „Im Herbst können wir so repräsentative Aussagen erwarten“, auch konkret für Wuppertal.

Erste deutschlandweite Ergebnisse hat der VDV bereits jetzt veröffentlicht: Seit dem Verkaufsstart Ende Mai bis Ende Juni seien rund 21 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft worden, hinzu kämen etwa zehn Millionen Abonnenten. „Damit ist die vorher von der Branche kalkulierte Zahl von 30 Millionen Tickets pro Monat nicht nur erreicht, sondern sogar leicht überschritten worden.“ Das Ergebnis von wöchentlich 6000 Interviews, bei denen mehrere Antworten möglich waren: 53 Prozent der Teilnehmer nutzten das 9-Euro-Ticket für alltägliche Fahrten, 39 Prozent für den Weg zur Arbeit oder Schule, 33 Prozent für Ausflüge und 14 Prozent für die Fahrt in den Urlaub.