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Wuppertaler Stadthalle: „Einige Formate werden komplett verschwinden“

Interview : Wuppertaler Stadthalle: „Einige Formate werden komplett verschwinden“

Die Geschäftsführerin der Wuppertaler Stadthalle, Silke Asbeck, blickte im Interview auf die Zukunft der Veranstaltungs-Branche.

Wegen der Corona-Krise finden in der Historischen Stadthalle seit März keine Veranstaltungen mehr statt. Die WZ unterhielt sich mit Geschäftsführerin Silke Asbeck über die aktuelle Situation.

Frau Asbeck, im März musste die Historische Stadthalle Wuppertal wegen der Corona-Pandemie ihren Betrieb einstellen. Was passiert derzeit noch in Ihrem Haus, können Sie die „freie Zeit“ irgendwie sinnvoll nutzen?

Silke Asbeck: Direkt nach der Schließung waren alle Mitarbeiter sehr damit beschäftigt, aktuelle Veranstaltungen zu verlegen oder zu stornieren. Mittlerweile sind wir schon in der zweiten „Verlegungswelle“, so dass insbesondere die Projektleiter ständig beschäftigt sind. Darüber hinaus nutzen wir die Zeit, um Reparaturen im Haus vorzunehmen, die bei laufendem Betrieb immer nur schwer zu terminieren sind.

Wie waren Ihre Mitarbeiter betroffen? Gab es Kurzarbeit, Homeoffice oder Entlassungen?

Asbeck: Die meisten Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice und sind nur ab und zu im Büro in der Stadthalle. Allerdings war das für das Team keine große Umstellung, da wir alle schon vor Ausbruch der Pandemie die Möglichkeiten des Homeoffice genutzt haben. Seit diesem Monat sind wir in Kurzarbeit.

Wie ist die aktuelle Situation in Sachen Veranstaltungen? Planen Sie bis zur Sommerpause noch Termine?

Asbeck: Aktuell finden keine Veranstaltungen in unserem Haus statt. In der letzten Woche hat der Krisenstab positiv über ein Konzept zur Zeugnisvergabe anstelle der Abiturbälle entschieden. Da müssen wir nun abwarten, ob ein solches Konzept ohne Festcharakter von den Schulleitungen und Schülern angenommen wird. Dieses Angebot richtet sich an alle Schulformen. Ansonsten werden wir bis zur Sommerpause noch eine Ratssitzung sowie die eine oder andere Veranstaltung politischer Parteien haben.

Wie sehen die Planungen für das kommende Veranstaltungsjahr aus, können Sie dazu überhaupt schon etwas planen?

Asbeck: Das Veranstaltungsjahr ist aufgrund der ganzen Verlegungen aus diesem Jahr bis jetzt noch prall gefüllt. Inwieweit diese Veranstaltungen stattfinden, wird von den künftigen Entwicklungen abhängen.

Was denken Sie: Wann wird ein Regelbetrieb in der Stadthalle wieder möglich sein?

Asbeck: Wenn ich das zum jetzigen Zeitpunkt sagen könnte, wäre ich ganz weit vorne. Ich glaube, dass wir 2021 noch keinen normalen Veranstaltungsbetrieb haben werden. Insbesondere im Businessbereich werden wir einige Veränderungen erleben. Ich denke, dass einige Veranstaltungsformate komplett verschwinden werden, dafür aber andere neu entstehen. Dieser Veränderungsprozess wird im Kulturbereich nicht so stattfinden. Dort wird es wichtig sein, wieder verlässlich planen zu können.

Wie wird sich der Arbeitsalltag für Sie und Ihr Team aufgrund der Pandemie verändern

Asbeck: Der Arbeitsalltag wird sich bei uns nicht grundsätzlich ändern. Allerdings sind wir alle noch digitaler geworden. Viele Meetings werden durch Videokonferenzen ersetzt. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch in Zukunft so beibehalten wird. Daraus werden wir unsere Erfahrungen sammeln, um dann unsere Arbeit und auch die Arbeitsplätze effizienter zu gestalten.

Der Ausfall der Veranstaltungen dürfte ein großes Loch in Ihre Jahresbilanz reißen. Wie groß wird das Umsatzminus nach Ihrer Einschätzung ausfallen

Asbeck: Das Defizit wird davon abhängen, wie die zweite Jahreshälfte verläuft. Das warten wir mal ab, um dann später Genaueres sagen zu können.

Gibt es finanzielle Unterstützung oder Hilfsprogramme von Bund oder Land, die Sie nutzen könnten?

Asbeck: Der Veranstaltungsmarkt ist ja auch durch den Lockdown besonders betroffen, allerdings richten sich die aktuellen Hilfsprogramme zunächst an die Künstler und an die Akteure im Veranstaltungsmarkt. Die Häuser stehen da bisher nicht im Fokus möglicher Hilfsprogramme. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Petitionen, um auf Bundesebene die Situation der Veranstaltungshäuser bewusst zu machen. Ob und wie es eine finanzielle Unterstützung geben wird, bleibt abzuwarten.