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Umwelt: Wuppertaler sorgen sich um ihre Bienen

Umwelt : Wuppertaler sorgen sich um ihre Bienen

In einem Wülfrather Bienenstock wurden Sporen der Amerikanischen Faulbrut gefunden. Auch in Wuppertal wurden Proben genommen.

Wuppertal. Das Bergische Veterinäramt hat am Montag wegen des Sporen-Fundes von Amerikanischer Faulbrut in einem Wülfrather Bienenstock eine Allgemeinverfügung erlassen, die auch ein Untersuchungsgebiet auf Wuppertaler Grund vorsieht: Im Umkreis von einem Kilometer um den Fundort mussten den Bienenstöcken Proben entnommen werden. Das betraf einen Imker in Wuppertal. Sollte dort ebenfalls Amerikanische Faulbrut nachgewiesen werden, müssen weitere Imker um ihre Schützlinge fürchten.

Noch am Montag hat Karl Bechem die Proben aus dem Bienenstock des Wuppertaler Imkers entnommen. Er ist nicht nur der Vorsitzende des Imkervereins Vohwinkel und Umgebung, sondern auch Honig- und Bienensachverständiger. Deshalb wurde er vom Veterinäramt beauftragt, die Probe aus dem Futterkranz um die Larven herum zu entnehmen.

„Auf den ersten Blick waren Brutnest und Verhalten der Bienen unauffällig“, sagt Bechem. „Wir müssen jetzt aber noch etwa eine Woche abwarten, bis die Ergebnisse des Futterkranzes aus dem Labor vorliegen.“ Faulbrut entsteht durch ein Bakterium — erstmals in Amerika entdeckt — das die Larven in den ersten fünf Tagen ihres Lebens töten kann. Für ältere Bienen oder Menschen ist es ungefährlich. „In Europa ist der Einsatz von Antibiotika verboten, in anderen Ländern nicht“, erklärt Bechem. Das Bakterium gelange über importierten Honig nach Europa, wenn die ungeschützten Bienen dann in Wuppertal auf einem Honigbrötchen landeten, würden sie das Bakterium mit in den Bienenstock tragen — und damit die Larven gefährden.

Das Veterinäramt betont, dass auch in Wülfrath bislang kein Ausbruch nachgewiesen wurde, sondern nur die Sporen. Das seien Formen des Bakteriums, die lange überleben könnten. Und durchaus auch zu einem Ausbruch führen könnten.

Sollte die Amerikanische Faulbrut beim Wuppertaler Imker nachgewiesen werden, gibt es zwei Behandlungsmöglichkeiten: Entweder das Volk wird abgeschwefelt, wodurch es stirbt. Die Bienenkisten werden beflammt oder in Natronlauge ausgewaschen. Oder — und das ist die bevorzugte, wenngleich schwierigere Variante — es wird ein Kunstschwarmverfahren durchgeführt. Dabei werden die Bienen von ihrem Stock und ihren Nachkommen getrennt und in eine Kiste gebracht. Nach drei Tagen haben sie die infizierte Nahrung verdaut und können in ein neues Zuhause umgesiedelt werden. Die Larven müssen verbrannt werden.

Nicht nur die Faulbrut macht den Bienen zu schaffen, vor allem die Varroa-Milbe, Pestizide aus der Landwirtschaft und riesige Monokulturen auf den Äckern sorgen dafür, dass Bienen weltweit sterben. Die Zahlen sind beunruhigend, allein in Deutschland gibt es seit 1990 etwa 40 Prozent weniger Bienenvölker.

Aber Karl Bechem hat Hoffnung: Seit etwa zehn Jahren gebe es wieder mehr Bienenvölker. Was auch daran liege, dass die Zahl der Mitglieder in den Imkervereinen steige. In Vohwinkel sind es derzeit etwa 30 Mitglieder, die sich um 200 Bienenvölker kümmern, beim Cronenberger Verein gebe es über 100 Mitglieder. „Das Thema Bienensterben wurde in den vergangenen Jahren stark öffentlich gemacht und gut aufgenommen. In unseren Städten geht es den Bienen zunehmend besser.“