Wuppertaler Sinfoniker bedienen die großen Gefühle

Konzert : Sinfoniker bedienen die großen Gefühle

Exzellentes Spiel beim Benefizkonzert zum Tag der Deutschen Einheit in der Stadthalle.

Regelmäßig am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, spricht der Oberbürgermeister die Bürger Wuppertals in der Stadthalle direkt an. Auch in diesem Jahr war es im voll besetzten Großen Saal nicht anders. Den diesjährigen Leitsatz „Mut verbindet“ aufgreifend, stellte er fest, dass vor 30 Jahren zwar die Mauer gefallen, aber die „innere Einheit“ noch nicht vollendet ist: „Ausgrenzung, Abgrenzung spaltet unser Land“. Man solle den Mut haben, sich „respektvoll mit der Meinung des Anderen auseinanderzusetzen“. Er appellierte an Nächstenliebe und Toleranz gerade denen gegenüber, die „schwächer sind, egal welcher Herkunft“.

Nach den sich anschließenden Schecküberreichungen über je rund 9300 Euro an die AIDS-Hilfe Wuppertal und den Wuppertaler Ortsverein des Deutschen Kinderschutzbunds ging es auf der Benefizveranstaltung erst einmal musikalisch tragisch weiter, nämlich mit der gleichnamigen Ouvertüre in d-Moll (op. 81) von Johannes Brahms. Doch war das Spiel des Sinfonieorchesters Wuppertal keineswegs als schlimm zu bezeichnen. Vielmehr brachte es die unerbittliche Stimmung der „Tragischen“ mustergültig voll zur Geltung.

Dann machten die städtischen Sinfoniker Werbung in eigener Sache. Die ist dann legitim, sogar vorteilhaft, wenn sie glaubhaft seriös ist. Und so war es auf dieser Matinee. Florian Glocker saß nämlich nicht, wie seit vier Jahren üblich, am ersten Pult der Bratschen, sondern stand neben dem Dirigenten. Mit der Suite für Viola und Orchester aus dem Jahr 1934 von Ralph Vaughan Williams begeisterte der Solobratscher das Publikum. Selbst die heikelsten Stellen gelangen ihm spielerisch leicht. Darüber hinaus entlockte er seinem Instrument derart beseelte Töne, dass man in ein Wechselbad der Gefühle eintauchen konnte.

Musiker präsentieren sich dynamisch und harmonisch

Schließlich gab es musikalisch und klanglich Grund zur Freude. Die Noten von Antonín Dvořáks 8. Sinfonie in G-Dur (op. 88) lagen auf den Pulten. Dieses Werk strahlt ausschließlich positive Emotionen, ungebrochene Lebensfreude aus. Diesen ihm innewohnenden Optimismus vermittelten die Musiker eindringlich kultiviert schwungvoll.

Hier wie auch bei Brahms und Vaughan Williams sorgte Gastdirigent Henrik Schaefer für einen exzellenten Orchesterklang. Dynamisch fein aufeinander abgestimmt präsentierten sich die Orchestergruppen. Selbst die sehr lauten Passagen kamen stets ausgewogen und durchhörbar von der Bühne. Bei der Suite konnte sich Glocker dank seiner großen Sensibilität stets bei ihm aufgehoben fühlen, zumal das Orchester gerade auch im Pianissimo und Fortissimo klanglich nie in den Vordergrund rückte. Außerdem verstand er es ausgezeichnet, große Spannungsbögen zu ziehen. So wurden diese drei Werke höchst packend aufgeführt.

So war es nur folgerichtig, dass die berechtigten langanhaltenden stehenden Ovationen am Schluss erst verebbten, als die Musiker das Podium verließen.