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Wuppertaler Sinfonieorchester malt traumhaft schöne Bilder aus Tönen

Konzert : Traumhaft schöne Bilder aus Tönen

Das Sinfonieorchester spielte Werke von Strauss, Puccini, Respighi und Prokofjew. Wiederholung am Montagabend.

„Musik für das innere Auge“ lautete passend die Überschrift der Presseerklärung zum zweiten städtischen Sinfoniekonzert. Denn man kann auch mit Tönen traumhaft schöne Bilder kreieren. Und werden sie dazu makellos gespielt, leiten diese die Trommelfelle gerne zur Weiterverarbeitung weiter, auf dass die Emotionen glückliche Momente erleben dürfen. Solches geschah auf der Matinee im Großen Saal der Stadthalle.

Tonmalereien beherrschten Richard Strauss, Sergei Prokofjew und Ottorino Respighi par excellence. Sie erzählten sogar musikalisch Geschichten. Die Tondichtung „Don Juan“ ist zwar auch ein Protest gegen das Spießertum der bürgerlichen Gesellschaft. Doch Strauss zeichnet zudem plastisch einen kühn-verwegenen „Helden“ mit all seinen Gefühlen hin zu schönen, bezaubernden Frauen nach. Prokofjew gibt sich als ganz großer Satiriker, wenn er in seiner Suite aus der Filmmusik zu „Leutnant Kishe“ die Militärbürokratie des zaristischen Petersburg Anfang des 19. Jahrhunderts so richtig aufs Korn nimmt.

Orchesterwerk aus der
Studentenzeit von Puccini

Wer beim Anhören dieser fünf Sätze nicht schmunzelt, ist es selbst schuld. Und Respighi kleisterte virtuell riesige Leinwände voll, um nur ja in „Pini di Roma“ die mannigfaltigen Idyllen dort, wo die Pinie wächst, verständlich darzustellen.

Vorgestellt wurde außerdem ein Orchesterwerk aus der Studentenzeit von Giacomo Puccini: „Preludio sinfonico“. Hier deutet sich bereits der große Opernkomponist an, gerade was die originellen Melodien betrifft. Doch an einem individuellen Personalstil hapert es noch, wenn er sich etwa zu sehr an den Stilen eines Richard Wagner oder Amilcare Ponchielli ausprobiert.

Eigentlich sollte man dieses Programm als Zumutung für die Blechbläserabteilung bezeichnen. Bei der Solotrompete hört man ganz genau hin, wenn es um den fiktiven Soldaten Kishe oder die Pinien geht. Aber auch die anderen Kollegen dieser Gruppe kommen während des gesamten Konzerts nicht zur Ruhe, müssen auf ganz hohem Niveau ihre nicht leichten Stellen spielen. Vor diesen Musikern des Sinfonieorchesters Wuppertal konnte man an diesem Vormittag nur den Hut ziehen, als sie das Programm strahlend klar, homogen und differenziert vor, hinter und oberhalb der Bühne zum Erklingen brachten.

Großartige
Klanggemälde

Aber auch die anderen Sinfoniker sorgten für eine kurzweilige Veranstaltung, spielten schwungvoll auf. So gelangen dem städtischen Orchester großartige Klanggemälde. Unter dem umsichtigen Dirigat von Johannes Pell, 1. Kapellmeister der Wuppertaler Bühnen, waren es gerade die klangliche Ausgewogenheit, ausbalancierten Dynamiken und feinen Phrasierungen, die für eine ausgezeichnete Aufführung dieser vier Werke zuständig waren. Stehende Ovationen zum Schluss blieben demzufolge nicht aus.

Das Konzert wird am Montag, 28. Oktober, um 20 Uhr wiederholt. Eine Stunde vorher gibt es eine Einführung mit Lutz-Werner Hesse.