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Wuppertaler Sinfonieorchester freut sich auf erstes Konzert nach Corona

Konzert Uptown Classics digital im Livestream : Orchester spielt wieder

Am Samstag feiert die neue Reihe „Uptown Classics digital“ ihre Premiere. Tickets für den Livestream aus dem Immanuelszentrum sind jetzt online zu kaufen.

Es hatte ein Höhepunkt im Veranstaltungskanon des Sinfonieorchesters Wuppertal werden sollen. Ein Jahr lang hatte sich Yusuke Hayashi darauf vorbereitet. Der Violinist und erste Konzertmeister des Klangkörpers wollte als Solist beim siebten Sinfoniekonzert glänzen, das sich dem Komponistenjubilar 2020, Ludwig van Beethoven, widmen sollte. Doch zwei Tage vor der Hauptprobe im März kam das coronabedingte Aus. Gute zwei Monate später trifft der Musiker erstmals wieder Kollegen zum Konzert: Am kommenden Samstag bei „Uptown Classics digital“ im Kulturzentrum Immanuel, das als Livestream erlebt werden kann.

Die Akustik der ehemaligen Kirche an der Sternstraße hat einen guten Ruf und ist auf Stand. Erst 2019 wurde eine neue Tonanlage in Betrieb genommen. Viele Konzerte gingen hier über die Bühne, exzellente Musikproduktionen wurden hier aufgenommen. Durch die Coronakrise wurde beides auf Null gefahren. Die Situation sei nicht einfach, sagt Geschäftsführerin Janine Pagel, die Mitarbeiter seien in Kurzarbeit im Homeoffice oder bauen Überstunden ab. Vereinbarte Termine konnten zum Glück verschoben werden. Die vielen digitalen Kulturangebote, die seither im Netz kostenlos auftauchen, brachten Janine Pagel auf die Idee, selbst aktiv zu werden. In Wupper Video fand sie einen technischen, im Sinfonieorchester einen künstlerischen Partner, den sie aus Uptown Classics-Auftritten kennt.

Musiker des Orchesters eröffnen nun eine neue Veranstaltungsreihe. Aber nicht kostenlos, „weil so der Glanz, der Wert verloren geht“, findet Pagel. Es gehe auch um die Wertschätzung, den Wert, der durch Professionalität entstehe, sagt auch die Leiterin von Marketing und Öffentlichkeitsarbeit des Sinfonieorchesters, Esther Klose. Weshalb „Besucher“ des gemeinsamen Livestreamkonzerts am 23. Mai im Kulturzentrum Tickets (neun Euro) erwerben müssen. Sie erhalten etwa eine bis zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung einen Link, der ihnen ermöglicht, das etwa einstündige Konzert ab 18.30 Uhr digital zu verfolgen. Wie bei einem analogen Livekonzert, nur eben nicht vor Ort, sondern zuhause. Nach Konzertende wird der Link deaktiviert. Weitere Livestream-Termine mit anderen Protagonisten sollen im Kulturzentrum folgen.

Am Mittwoch wird das erste Mal seit Langem geprobt

Vor etwa zwei Wochen begann die neue Kooperation, die dem Orchester die Chance bietet, präsent zu sein, die Musiker zusammenzubringen. Bei einem Partner, der auch das technische Equipment vorhält. Das sei wie ein Sechser im Lotto, sagt Klose. Und Hayashi, der seit seinem Aus vor allem für seine Familie mit den kleinen Kindern da war, sich durch ausgiebiges Jogging fit hielt und nur für sich musizierte, freut sich auf die Rückkehr zum ungewohnt gewordenen gemeinsamen Tun. „Auf Dauer möchte man schon mit den anderen zusammenspielen.“ Der Konzertmeister ist erprobt, ein Konzert zu leiten und gleichzeitig als Solist mitzuspielen, bringt auch Livestreamerfahrung mit. Auch dass er in Kürze ein Programm mit Mozart, Pärt, Vivaldi, Elgar und Rossini (siehe Kasten) einstudieren muss, schreckt ihn nicht.

Neu dagegen sind die aktuellen Bedingungen. Das Orchester wurde auf 13 Musiker geschrumpft (sechs Violinen, zwei Bratschen, zwei Celli, ein Kontrabass, ein Cemballo und eine Harfe). Sonst treten bei Uptown Classics-Konzerten etwa 25 bis 30 Musiker auf. Jeder hat sein eigenes Notenpult, das in deutlichem Abstand aufgestellt wird. Am Mittwoch (20. Mai) trifft Hayashi erstmals wieder auf seine Kollegen im Probenraum an der Burgunderstraße. „Das erste Wiedersehen mit dem Orchester in etwas größerer Formation“, so Klose, signalisiere, dass wir langsam wieder zusammenkommen. Und die Bereitschaft, sich mit neuen Kommunikationswegen auseinanderzusetzen, direkte Reaktionen der Zuhörer – Live-Kommentierung samt -Beantwortung – eingeschlossen. Das Kulturzentrumsteam verwandelt unterdessen seinen 360 Quadratmeter Konzertsaal in ein großes Aufnahmestudio, wofür nicht nur Technik auf-, sondern auch Stühle abgebaut werden.

„Wir sind alle sehr motiviert, und gespannt darauf, wie es klingt“, sagt Hayashi und ergänzt: „Vielleicht müssen wir ja auch im Herbst noch so spielen.“