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Wuppertaler Schwebebahn soll in die moderne Mobilität geführt werden

Nahverkehr : Hilkenbach will Schwebebahn in die moderne Mobilität führen

Der WSW-Vorstandsvorsitzende war zu Gast in der Politischen Runde der VHS.

Er war in der Konzernrevision tätig, arbeitete lange in der Beratung, fast ausschließlich für die Energiewirtschaft: Markus Hilkenbach, seit einem Jahr Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke, nahm an der „Politischen Runde“ der Bergischen Volkshochschule teil.

Der ehemalige Geschäftsführer der Stadtwerke Coesfeld und Borken/Westfalen habe neue Herausforderungen gesucht – diese stellen sich ihm angesichts der Corona-Situation und einer eingeschränkt nutzbaren Schwebebahn. „Schwebebahndebakel“ nannte es Stefan Seitz, der die Veranstaltung moderierte. „Fortschritt in Zeiten des Stillstandes. Die Zukunft der WSW und der Schwebebahn“ war der entsprechende Titel der digitalen Veranstaltung, die Interessierte über die Plattform „Edudip“ verfolgten.

Über den Chat konnten Fragen gestellt werden – auch Kritik wurde deutlich: ÖPNV-Nutzer vermissen am Busbahnhof Döppersberg Netzpläne. Die Außenbezirke seien schlecht mit dem Busverkehr verbunden. „Wer aus Ronsdorf oder Cronenberg nach Vohwinkel möchte, muss erst einmal über Elberfeld oder Barmen, inklusive Umsteigen“, hieß es im Chat. Was fehle, wäre eine Ringlinie, die die Außenbezirke verbinde.

Auch den Wunsch nach Mobilitätsstationen äußerten die Gäste der digitalen Veranstaltung. Gemeint ist eine Kombination von Bike- oder Carsharing-, Lastenräder- und Elektroladesäulen-Angeboten, die in die ÖPNV-Struktur miteinbezogen werden. Darauf ging auch Hilkenbach ein. Eine individuelle Mobilität mit dem Auto werde laut ihm weiterhin bestehen. Insbesondere Corona führe dazu, dass diese enorm zunimmt. Für den Nahverkehrsbedarf müssten einzelne Verkehrsmittel besser aufeinander abgestimmt werden – als  „Vernetzung von Mobilitätsideen“, von Fahrrad, ÖPNV, On-Demand-System und Schwebebahn als Komponenten. Insbesondere Letzterer misst er eine wesentliche Bedeutung in der Mobilitätswende bei. „Sie hat ihre Historie, sie jetzt auch in die moderne Mobilität mitaufzunehmen, ist eine wichtige Aufgabe“, sagte er. Der Hauptverkehr soll bis Sommer 2021 wieder ermöglicht werden.

Neue Antriebe spielten ebenfalls eine Rolle. „Ich glaube, mit der Elektromobilität ist es schwierig, weil die Kraft der Batterie bei unserer Topografie nicht ausreicht, um den ganzen Tag fahren zu können“, gab Hilkenbach zu bedenken und führte fort: „Deshalb ist bei uns das Thema Wasserstoff, ich glaube, auch technisch aus meiner Sicht, die interessantere Variante auf Dauer.“ Die ersten zehn Busse mit Wasserstoffantrieb sind bereits in Betrieb, weitere zehn sind bestellt, die sukzessive dazukommen.

Neben der Energiewende und den Veränderungen der Mobilität im 21. Jahrhundert als Herausforderungen für die Stadtwerke benannte er auch die Digitalisierung. Die Automatisierung von Prozessen auf der einen Seite – vom papierlosen Büro zum Workflow –, auf der anderen Seite externe Prozesse, wie Plattformökonomie oder digitalisierte Kundenansprache: Damit befassen sich die Mitarbeiter der Stadtwerke eingehender seit November/Dezember vergangenen Jahres.

Und es bleiben weiterhin Fragen zu klären. Beispielsweise wie die Distribution von Wasserstoff gelingt, um einen dauerhaften Betrieb einer Gesamtbusflotte zu ermöglichen. Als Anregung für das On-Demand-System nahm er die Idee mit, Prepaid-Karten, auf die ein Guthaben geladen wird, als Bezahlsystem einzubringen.

Das Thema Fußverkehr findet in Mobilitätsangelegenheiten noch wenig Beachtung, obgleich sich das Fahrrad als Alternative etabliert hat. „Wenn Wege per pedes zurückgelegt werden, sinken Lärm und Emissionen, entspannen sich Nutzungskonflikte um begrenzten Raum, werden Städte zu Orten der Begegnung und des sozialen Miteinander“, wie es in der vom Umweltbundesamt herausgegebenen Schrift: „Geht doch! Grundzüge einer bundesweiten Fußverkehrsstrategie“ heißt.