Wuppertaler Schwebebahn soll am 1. August wieder in Betrieb gehen

Nach dem Unfall : Wuppertaler Schwebebahn soll am 1. August wieder in Betrieb gehen

Ein Unfall zwingt die Wuppertaler Schwebebahn seit Mitte November zum Stillstand. Die Stadtwerke rechnen damit, bis zum 1. August alle technischen Probleme im Griff zu haben.

Die Wuppertaler Stadtwerke gehen davon aus, dass der Betrieb der Schwebebahn am 1. August in den Sommerferien wieder aufgenommen werden kann. Die schriftliche Auswertung des Gutachtens der Staatsanwaltschaft zum Unfall am 18. November soll bis Ende Februar vorliegen. Vorab hat die Staatsanwaltschaft erklärt, dass die Ursache ein technischer Defekt ist, der eine Kettenreaktion ausgelöst hat. Die Stadtwerke beziffern die voraussichtlichen Kosten des Unfalls und die Folgekosten des Ausfalls der Schwebebahn auf rund 2,3 Millionen Euro. Diese Summe beinhaltet Einnahmeausfälle beim Kartenverkauf, Kosten für Sicherungsmaßnahmen und für den Ersatzverkehr mit Bussen.

In den kommenden Monaten sollen Reparaturen an der Unfallstelle vorgenommen werden. Außerdem werden auf der kompletten Strecke in beiden Richtungen zwei zusätzliche Sicherungen eingebaut, damit die Stromschiene nicht mehr herunterfallen kann. 18 000 Klemmbacken und 2500 zusätzliche Absicherungen müssen auf einer Länge von 26 Kilometern montiert werden. In den Schwebebahnen der neuen Modellreihe soll ein Warnsystem eingebaut werden, das die Schwebebahnfahrer bei Problemen mit der Stromschiene warnt. Diese könnten so früher erkannt und an die Leitstelle gemeldet werden.

Ulrich Jaeger, Geschäftsführer WSW mobil, zog einen Vergleich mit dem Unfall im Jahr 2013, als in Höhe des Schauspielhauses ebenfalls eine Stromschiene abgerissen war. „Damals war es menschliches Versagen, diesmal ist die Ursache ein technischer Defekt, der nicht vorhersehbar gewesen ist. Die Ursachen sind unterschiedlich, aber sie haben eine Konsequenz: Wir müssen für die Zukunft sicherstellen, dass die Stromschiene nicht herunterfallen kann“, sagt Ulrich Jaeger. Alle Veränderungen an den Schwebebahnen und am Gerüst müssten in Abstimmung mit der Technischen Aufsichtsbehörde geschehen. Das Verfahren sei aufwendig, aber Alternativen gebe es nicht. „Wir haben zweimal Glück gehabt, dass niemand erschlagen worden ist. Beim ersten Mal wurde das Auto vorne getroffen, beim zweiten Mal hinten. Niemand kann riskieren, dass die Schiene beim nächsten Mal in der Mitte einschlägt.“

Eine 2001 eingebaute Schiene war nicht vorgebogen

Die Kettenreaktion wurde durch zwei defekte Klemmbacken in der Nähe der Schwebebahnstation Zoo bei der Durchfahrt der ersten Schwebebahn ausgelöst. Michael Krietemeyer, technischer Leiter der Schwebebahn, berichtet, dass der Unfall in einer Rechts-Linkskurve geschah. Wegen des engen Radius sei die gelöste Stromschiene nicht im Lot nach unten gefallen, sondern zur Seite gedreht worden. Der Fahrer der folgenden Schwebebahn habe nicht mehr rechtzeitig bremsen können, das zeigten Kratzer durch die Schiene am Fahrzeugdach. Bei dieser Durchfahrt seien weitere sechs Klemmbacken kaputtgegangen, eine Stunde später sei die Stromschiene abgestürzt und habe die benachbarte Schiene mitgerissen.

Zum Unfall habe beigetragen, dass eine 2001 beim Neubau des Gerätes eingebaute Stromschienen im Kurvenbereich einen gravierenden Mangel aufweist. „Die Schiene war nicht vorgebogen“, sagt Krietemeyer. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass beim Lösen der Schiene zusätzlicher Druck entstand, bewerten dies aber nicht als alleinige Unfallursache. Regressansprüche ließen sich ohnehin nicht geltend machen, sagt Jaeger. Die am Umbau der Schwebebahn beteiligten Firmen existierten größtenteils nicht mehr.

Bis zum 1. August wollen die WSW den Austausch der Schwebebahngenerationen abgeschlossen haben. 31 Schwebebahnen der neuen Modellreihe sollen wie auch das neue Betriebssystem dann zum Einsatz kommen. Der Abschied von der Wagenreihe aus den 1970er Jahre sollte eigentlich gebührend gefeiert werden. Jetzt sieht es ganz danach aus, als würde diese Ära in der Geschichte der Schwebebahn sang- und klanglos enden. Zumindest haben die WSW angekündigt, einen der orange-blauen Wagen einzulagern, um sich die Option offen zu halten, ihn nach ein paar Jahren auf das neue Betriebssystem umzurüsten.

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