Wuppertaler Schulmuseum soll nur noch für Grundschulklassen öffnen

Einschnitte : Sorge um Zukunft des Wuppertaler Schulmuseums

Teile der Sammlung werden ausgelagert. Bürgerführungen sind bald nicht mehr möglich.

Deutliche Einschnitte kommen auf die schulhistorische Sammlung der Stadt Wuppertal an der Rottscheidter Straße zu. Ein erheblicher Teil der Ausstellungsstücke soll eingelagert werden. Grund ist der erweiterte Platzbedarf der gegenüberliegenden Ulle-Hees-Schule. Ein großer Raum des Museums wird künftig für den Unterricht benötigt. Der langjährige Leiter der Sammlung Rolf Platte nimmt das zum Anlass, sich aus der Arbeit zurückzuziehen.

„Mir wurde zwar von der Stadt ein Ersatzraum angeboten, aber ich schaffe es in meinem Alter einfach nicht, alles noch einmal neu aufzubauen“, erklärt der 75-Jährige. Bis Mai will er weitermachen, danach wird der Besuch der beliebten Einrichtung nur noch für Grundschulklassen möglich sein.

Rolf Platte ist eng mit dem Schulmuseum verbunden. Als Schulrat hatte er angefangen zu sammeln, als die Volksschulen zugunsten der neu gebildeten Schulzentren aufgelöst wurden. Die alte Ausstattung wurde damals nicht mehr benötigt. 1987 wurde die Sammlung durch das Schulverwaltungsamt offiziell eingerichtet. Sie ist nach mehreren Umzügen seit 1998 in Vohwinkel für die Öffentlichkeit zugänglich. Im originalgetreu eingerichteten Klassenzimmer von 1900 lernen Schüler- und Erwachsenengruppen die Pädagogik von anno dazumal kennen. Stilecht mit Gehrock und Vatermörder-Stehkragen spielt Rolf Platte seit 32 Jahren die Rolle des Paukers der alten Generation.

„Der Kontakt zu den Menschen wird mir fehlen“, sagt der Museumsleiter. Er zeigt sich traurig über die Entscheidung der Stadt. Gleichwohl räumt Platte ein, dass er aus Altersgründen ohnehin im Laufe des Jahres die Leitung abgegeben hätte. Er hatte allerdings auf einen Nachfolger und den Erhalt der Sammlung am gewohnten Standort gehofft.

Jetzt ist seine Sorge um die rund 3000 Exponate umfassende Sammlung groß. Dazu gehören alte Möbel, Schulbücher, Fotos, Schulchroniken, Urkunden, Tierpräparate, Sportgeräte, Schulranzen, Fibeln und Karten aus der Schulgeschichte der Stadt und der Region. „Das ist ein Teil der Wuppertaler Historie“, betont Platte. Er verweist auf die Bedeutung der wertvollen Schulchroniken und das Alter der Exponate, die zum Teil auf den Anfang des 16. Jahrhunderts zurückgehen.

Die Stadt sieht das ähnlich. „Es ist völlig unstrittig, dass viele Exponate wichtige Teile der Wuppertaler Schulgeschichte sind“, sagt Sprecherin Martina Eckermann. Es werde „nichts abhanden kommen“. Derzeit würden zwei Varianten bezüglich der demnächst ausgelagerten Stücke geprüft. Laut Verwaltung sollen sie entweder im Stadt- oder Universitätsarchiv eine neue Heimat finden. Die Verwaltung betont außerdem, dass das alte Klassenzimmer an der Rottscheidter Straße erhalten bleibe. „Es wäre schön, wenn sich ein Nachfolger für die Führungen finden würde“, sagt Martina Eckermann.

Bürgerverein fiel bei der
Nachricht aus allen Wolken

Für den Bürgerverein Vohwinkel, der bereits viele Besuche im Schulmuseum organisiert hat, ist die Entwicklung eine schlechte Nachricht. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, sagt Uli Kopka vom Vorstand. Er kritisiert, dass die Nachricht der Umstrukturierung erst relativ spät von der Stadt kommuniziert worden sei. Der Bürgerverein hat jetzt einen Antrag zum Schulmuseum für das neue Bürgerbudget gestellt. „Damit soll erreicht werden, dass die Sammlung nicht das gleiche Schicksal erfährt, wie die des aufgelösten Fuhlrott-Museums 2008, die nach kurzer Einlagerung in alle Winde verstreut wurde“, sagt Kopka. Wichtig ist für den Vorstand eine fachgerechte Dokumentation und ein langfristiges Präsentationskonzept.

Mehr von Westdeutsche Zeitung