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Wuppertaler Schülerinnen über ihre erste Kommunalwahl

Kommunalwahl : „Politik spielt für uns nicht so eine große Rolle, wie sie vielleicht sollte“

Die Erstwählerinnen Charlotte Kranenberg, Flora Vorwerg und Lina Leuschen durften zum ersten Mal ihre Stimme abgeben.

Bei dieser Kommunalwahl dürft ihr das erste Mal wählen. Wann habt ihr euch denn entschieden, was oder wen ihr wählt?

Charlotte Kranenberg: Tatsächlich erst kurz bevor ich den Wahlschein angekreuzt habe, da ich Briefwahl gemacht habe.

Flora Vorwerg: Ich habe auch lange Zeit geschwankt, mich dann aber relativ spontan endgültig festgelegt.

Lina Leuschen: Bis zum Schluss war ich mir nicht ganz sicher und habe mich dann relativ spontan entschieden, so aus dem Bauch heraus.

Ihr seid in eurem Alter eher Menschen, die nicht zur Zeitung greifen, trotzdem habt ihr euch sicher irgendwo informiert. Wie, wo und mit welcher Intensität habt ihr das getan?

Kranenberg: Ich habe den Talomat zweimal gemacht, weil ich beim ersten Mal vergessen hatte, Gewichtungen mit reinzunehmen. Und beim WDR habe ich mir die Vorstellungsvideos der einzelnen OB-Kandidaten angeschaut.

Vorwerg: Die Videos habe ich mir auch angeschaut. Zudem hatten wir in der Schule von der Stadt zwei Leute, die uns dazu etwas erklärt haben und die uns die Wahlen sowie die OB-Kandidaten näher gebracht haben. Das war wirklich sehr informativ. Ich habe auch mit meinen Eltern darüber geredet.

Leuschen: In meinem Unterricht waren leider keine Leute, die uns informiert haben. Deshalb war ich mir bis zum Schluss unsicher, weil ich in meinem Alltag nicht so viel mit Politik zu tun habe. Natürlich war das bei uns allen ein Thema, weil wir ja das erste Mal wählen durften. Ich habe eine Woche vor der Wahl im Internet recherchiert und mir Videos angeschaut. Die Podiumsdiskussionen der WZ haben mir auch geholfen, um ein Bild von den Kandidaten zu bekommen.

Jetzt ist Politik ja oft auch ziemlich trocken und trägt nicht unbedingt zum Vergnügen bei. Wenn überhaupt, was interessiert euch an Politik und was nehmt ihr davon im Alltag wahr, wenn nicht gerade Wahl ist?

Leuschen: Von dem amtierenden Oberbürgermeister habe ich zum Beispiel nicht so viel mitbekommen. Was in unserer Generation besonders wichtig ist, sind Themen wie Umweltschutz, zum Beispiel Fridays for Future, da setzen wir uns für ein.

Du hast gesagt, dass du dich mit deinen Eltern darüber unterhalten hast, Flora. Geschieht das im Konsens oder doch eher kontrovers?

Vorwerg: Wir sind da schon oft einer Meinung, aber natürlich gibt es auch ab und zu mal Unterschiede. Ich muss Lina aber leider zustimmen, dass Politik in unserer Generation nicht so eine große Rolle spielt wie sie es vielleicht tun sollte. Ich finde es eigentlich total wichtig, weil wir bei gewissen Dingen mitentscheiden können, auch bei solchen, die uns betreffen. Aber bei vielen – bei mir persönlich auch – spielt sie nicht so eine große Rolle.

Kranenberg: Bei mir ist es auch so, dass ich mich öfter mit meinen Eltern darüber unterhalte, aber weniger auf kommunaler Ebene. Wenn, dann ist es vielleicht mal Kritik an der Mauer am Hauptbahnhof, aber ansonsten hat man nicht so viele Berührungspunkte mit Politik im Alltag.

Ihr wohnt ja alle in Wuppertal und besucht hier auch Clubs, wenn kein Corona ist, nehmt an Freizeitaktivitäten teil und trefft euch in Kneipen. Was ist für euch in einer Stadt wichtig? Wie muss eine Stadt sein, damit sie funktioniert für euch und damit ihr euch wohlfühlt?

Kranenberg: Dadurch, dass wir durch unsere Wahl Einfluss auf beispielsweise Schulen nehmen können, wie diese aufgebaut sind, sollte man schon eine Ahnung davon haben, was politischen Einfluss darauf nimmt. Ansonsten finde ich es wichtig, dass es viele Fahrradwege gibt.

Lina hat gerade angesprochen, dass sie von Andreas Mucke nicht so viel wahrgenommen hat im Alltag. Habt ihr etwas mehr wahrgenommen von Politikern? Wisst ihr überhaupt, was die wollen?

Kranenberg: Der einzige Berührungspunkt, den ich mit Mucke hatte, ist im WSV-Stadion gewesen.

Ihr habt Fridays for Future angesprochen, eine parteiunabhängige, parteiübergreifende, politische Veranstaltung. Ist es für euch denkbar, sich politisch zu engagieren, um euer Lebensumfeld zu beeinflussen?

Vorwerg: Nicht, dass es mich nicht interessiert, aber im Moment traue ich mir das persönlich nicht zu. Auch weil ich mir gerade eher Gedanken um das Abi und meine berufliche Zukunft mache und nicht darüber, mich zusätzlich politisch zu engagieren. Aber ich habe sehr großen Respekt davor, dass die Mitglieder unseres Stadtrates das alles ehrenamtlich machen.

Kranenberg: Bei mir ist es ähnlich wie bei Flora. Es gibt viele Themen, die mich interessieren, aber trotzdem ist es nicht so, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, einer Partei beizutreten. So ist es auch bei meinen Freunden.

Wir haben nächstes Jahr Bundestagswahl und ihr habt euch jetzt schon etwas mehr mit Politik beschäftigt. Geht ihr jetzt anders daran?

Leuschen: Ich habe mir überlegt, dass ich mich mehr mit Politik auseinandersetzen will. Ich habe jetzt bei der Kommunalwahl gemerkt, dass ich zu wenig Ahnung davon habe. Und als ich dann wählen gegangen bin, war das ein gutes Gefühl, dass die eigene Stimme zählt. Ich möchte nicht nur aus einem Bauchgefühl heraus wählen.

(Das Gespräch führte Lothar Leuschen)