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Wuppertaler Schüler wünschen sich Alternativen zum Lüften in den Klassen

Unliebsame Corona-Regel : Lüften in der Klasse „nicht arbeitskonform“

Der Lockdown und die Weihnachtsferien sorgen zunächst für eine Verschiebung des Problems. Doch im nächsten Jahr könnte es in den Wuppertaler Klassenzimmern erneut kalt werden, wenn es keine anderen Lösungen gibt.

Wie vom Bund jüngst beschlossen, werden auch in Wuppertal die Schulen ab Freitag aufgrund der anhaltend hohen Corona-Zahlen geschlossen bleiben. Doch das Infektionsrisiko in den Klassenräumen war schon zuvor ein anhaltender Streitpunkt, der im Verlauf des Jahres unterschiedliche Handhabungen hervorbrachte. Der letzte Stand vor dem Lockdown war das geregelte Lüften der Zimmer in Verbindung mit Mund-Nasen-Schutz. Diese Maßnahme hat sich auch in den vergangenen Tagen keiner großen Beliebtheit erfreut. Dabei sind sich diejenigen, die von dieser Regel direkt betroffen sind, ihrer Notwendigkeit durchaus bewusst: „Wir alle wissen, wie gefährlich das Virus ist, deshalb akzeptieren wir das“, sagt Jan Göttig, Sprecher der Jahrgangsstufe 12 am Carl-Fuhlrott-Gymnasium. Viele seiner Altersgenossen, so berichtet er, sorgten aktiv für das Lüften im Klassenraum. Dennoch hätte er sich bereits früher Alternativen gewünscht: „Die meisten von uns sind für Wechselunterricht.“ Das würde bedeuten, an zwei bis drei Tagen in der Woche vor Ort zu sein und sonst auf Distanzunterricht auszuweichen. So könnten Kurse aufgeteilt und durch größeren Abstand geschützt werden.

Aus ökologischer Sicht ist das Lüften ebenfalls nicht sinnvoll

Gerade in der gymnasialen Oberstufe, wo nicht im Klassenverband, sondern mit wöchentlich bis zu 200 Mitschülern in verschiedenen Kursen gelernt wird, wäre das laut der Schülerschaft von großem Wert gewesen.

An den Schulen besteht, der Wissenschaft folgend, übergreifend ein Konsens über die Wichtigkeit des Lüftens. Auch Petra Riesenberg, Schulleiterin an der Gemeinschaftsgrundschule Friedhofsstraße, sagt: „Auch wenn es frisch ist, halte ich das für absolut notwendig.“ Ihre Lösungsansätze sind aber andere; als Grundschulleiterin musste sie sich bisher mit der Situation arrangieren. „Luftfilteranlagen wären die Alternative“, meint sie, muss diese aber gleich wieder ausschließen: „Das kann sich kaum eine Schule leisten.“

Harsche Kritik am Lüftungsprinzip kommt derweil von ihrer Amtskollegin Britta Jesinghaus-Eickelbaum, Leiterin des Gymnasiums Bayreuther Straße. „Es wäre sehr viel günstiger gewesen, die Klassen zu teilen, dann hätte nicht in der Intensität gelüftet werden müssen.“ Dies sei zwar effektiv, aber „nicht praktikabel“, stellt die Schulleiterin klar. „Die Temperatur ist nicht arbeitskonform.“ Auch ökologisch betrachtet sei das Lernen bei offenem Fenster und angeschalteter Heizung katastrophal.

Jetzt hat sich daran nur etwas durch die Bundes-Entscheidung geändert. Stufensprecher Jan Göttig sieht darum zu geringen Handlungsspielraum vor Ort. Man habe in der Lüftungs-Problematik kaum agieren können. „Die Schulleitung kennt die Probleme auch, sie steckt aber nicht dahinter“, erklärt Göttig.