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Wuppertaler Schüler gehen zur Juniorwahl

Bundestagswahl : Wuppertaler Schüler gehen zur Juniorwahl

In diesen Tagen gehen zahlreiche Jugendliche in Deutschland zur Wahl, machen ihr Kreuzchen bei CDU, SPD, FDP, Grünen oder anderen Parteien. Dahinter steckt die Idee eines Vereins.

Das Ergebnis wird am Wahlsonntag um 18 Uhr veröffentlicht und einen Aufschluss darüber geben, von welchen Parteien sich die Jugendlichen am besten vertreten sehen. Die „Juniorwahl“ ist ein bundesweites Schulprojekt, bei dem Schülerinnen und Schüler viel über Demokratie und das deutsche Wahlsystem lernen und in einer simulierten Wahl ihre Stimmen abgeben. Zum Beispiel an der Realschule Vohwinkel.

„Wollen Sie mal gucken, ob ich alles richtig gemacht habe?“, fragt ein Zehntklässler aus der Wahlkabine. Lehrerin Kristina Stazic schüttelt lächelnd den Kopf, verweist darauf, dass die Wahl doch geheim ist. Also wandert der grüne Wahlzettel ohne Kontrolle in die Urne. Die steht in einem kleinen Raum, in dem gerade der Tisch für den Wahlvorstand und zwei Tische mit dreiseitigen Papp-Aufstellern als Wahlkabinen Platz haben.

Der Wahlvorstand, in dieser Stunde Merle Mailin (15), Ben Vir (16) und Oliver (15) aus der 10b, kontrolliert die Wahlbenachrichtigung der jungen Wähler und hakt ihre Namen im Wählerverzeichnis ab. Routiniert reicht Oliver den Wählern den gefalteten Wahlzettel: „So gefaltet bitte nachher in die Urne werfen.“ Die Urne haben Wahlvorstand und Kristina Stazic vor Beginn der Wahl versiegelt: Unversehrte Papierstreifen mit Siegel zwischen Deckel und Gefäß zeugen davon, dass der Deckel nicht mehr geöffnet wurde.

Die Versiegelung war der letzte Akt der Vorbereitungen. Zuvor haben die Schüler die Organisation der Wahl kennengelernt: Sie haben das Wählerverzeichnis geschrieben – an der Realschule enthält es alle Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse – dann Wahlbenachrichtigungen personalisiert und ausgegeben. „Wir sind durch die Klassen gegangen“, berichtet Ben Vir., „haben die Wahlbenachrichtigungen verteilt und über die Juniorwahl informiert.“

„Es ist interessant zu wissen, wie alles abläuft“

Sie haben unterschiedliches Interesse erlebt: „Es gab Leute, die wissen schon Einiges, und andere, die nichts wissen“, berichtet Ben Vir. Merle Mailin sagt: „Manchen ist egal, was kommt, die finden die Wahl nicht wichtig.“ Oliver sagt: „Uns ist wichtig, dass jeder aufgeklärt ist.“

In den Politik- und Sozialwissenschaftsstunden war die Wahl im Unterricht Thema. „Das Interesse war sehr groß“, berichtet Kristina Stazic. Eine Grundidee zu den Parteien hätten die meisten Schüler gehabt. Sie hätten sich intensiver mit den Programmen und den Wuppertaler Kandidaten beschäftigt, etwa Plakate für diese entworfen.

Kompliziert sei es mit Erst- und Zweitstimme gewesen. „Dafür haben wir einen Podcast produziert“, erzählt Kristina Stazic. Schwierig sei für einige gewesen zu begreifen, was Regierung und was Opposition im Bundestag ist. Daran konnte sie die Gewaltenteilung erklären, die Trennung von Gesetzgebung im Bundestag und ausübender Gewalt in der Regierung.

Fabienne (15) ist eine der ersten, die den Wahlzettel einwirft. Sie findet die Juniorwahl „cool“, es sei interessant, „zu wissen, wie das alles abläuft“. Bilal (15) findet die Wahl „sehr aufregend“. Früher habe er gedacht, „man geht in den Saal und sagt, was man wählt“. Bei der Wahl war er unschlüssig: „Ich stand zwischen zwei Parteien“. Sein Klassenkamerad (15), der auch Bilal heißt, wusste dagegen „ganz genau, welche Partei ich wähle“. Er war aber erstaunt, wie viele Parteien es gibt.

„Die haben das richtig ernstgenommen“

Bis Freitag werden an der Realschule rund 200 Jugendliche gewählt haben. Dann werden Wahlvorstand und Kristina Stazic die Stimmen zählen und online weitergeben. Der Verein Kumulus e.V., Träger des Projekts, veröffentlicht die Gesamtauswertung für ganz Deutschland am Sonntag 18 Uhr. Zahlen für die Schule gebe es nicht, sagt Kristina Stazic, die seien zu klein, würden Rückschlüsse auf die Abstimmung einzelner Schüler zulassen. In der folgenden Woche werden sie die Ergebnisse der Juniorwahl mit denen der Bundestagwahl vergleichen und Unterschiede diskutieren.

Auch am Ganztagsgymnasium Johannes Rau wählen die Schülerinnen und Schüler, hier sind es alle Klassen von Stufe 8 bis zur Q2 (Abiturjahrgang), etwa 300 Jugendliche. Lehrer Oskar Brilling erklärt, durch die Juniorwahl werde für die Jugendlichen die Arbeit hinter den Kulissen sichtbar. Als sie über die Wahlbenachrichtigung sprachen, hätten die Schüler entschieden, dass alle Wähler einen Lichtbildausweis mitbringen müssen. „Die sind ganz akribisch“; zeigt er sich erfreut. Den Jugendlichen sei klargeworden, wie wichtig die richtige Identifizierung für eine rechtssichere Wahl ist.

Auch hier war die Wahl Thema im Unterricht. Diskutiert wurden Erst- und Zweitstimme, dass nicht der Kanzler, sondern die Zusammensetzung des Bundestags gewählt wird. Sie haben das Internetangebot Wahl-o-mat ausprobiert und diskutiert, wenn das Ergebnis nicht den Erwartungen entsprach. „Was ich total spannend fand“, sagt Brilling, „die waren richtig nervös, als sie vorm Wahllokal warteten, die haben das richtig ernst genommen.“