Wuppertaler rettet in 40 Jahren sieben Fachwerkhäuser vor dem Abriss

Wuppertaler rettet in 40 Jahren sieben Fachwerkhäuser vor dem Abriss

Der Wuppertaler Rolf Löckmann begann 1977 mit seinen Rettungsaktionen.

Wuppertal. Zehn Jahre Bauzeit für ein Haus — viele Menschen fänden das unzumutbar lang. Das sieht Rolf Löckmann aus Wuppertal anders. Er lebt in einem Fachwerkhaus, das er mit dem Kauf vor dem Abriss gerettet hat. 1981 hat er es abgebaut, weil es an einer Kreuzung stand, die untertunnelt werden sollte. Am Spessartweg in Wuppertal baute Löckmann es wieder auf — einziehen konnte er mit seiner Familie 1989, da war aber erst eine Etage bewohnbar. Fertig wurde es 1991.

Sein persönlicher Rekord sind die 16 Handwerke, die er für den stilechten Wiederaufbau des Fachwerkhauses erlernen musste. Der Elektro-Ingenieur hat 95 Prozent der Arbeiten selbst erledigt. Löckmann bezeichnet die Arbeit als seinen „kunsthandwerklichen Zehnkampf“. „So wurde ich durch den Wiederaufbau zum Steinmetz, Zimmermann, Schieferer, Schlosser, Drechsler, Schreiner, aber auch zum Statiker und Architekten, um nur einige zu nennen“, sagt der 69-Jährige.

Bis heute hat er sieben Fachwerkhäuser instand gesetzt. Begonnen hat Löckmann mit der Rettung der Fachwerkhäuser 1977. Die meisten der Häuser waren verfallen und sollten abgerissen werden. „Meine Zuneigung galt immer den bescheidenen Fachwerkhäusern, die mir von der Kindheit an so vertraut waren. Ich wollte die Bausubstanz unserer Väter erhalten“, beschreibt Löckmann seine Motivation. Deshalb entschied er sich, die ersten zwei zu kaufen und sie eigenhändig und authentisch wieder instandzusetzen. Das war der Startschuss, danach kamen immer wieder Menschen auf ihn zu, die von einem Fachwerkhaus wussten, das gerettet werden musste.

Neben einer Menge Zeit musste er für die sieben Häuser auch viel Geld investieren. Nachdem er die Arbeit als Elektro-Ingenieur an den Nagel gehängt hatte, weil er kein „Rädchen“ im Getriebe mehr sein wollte, arbeitete er nur noch an den Häusern. „Ich hatte nie das Ziel, mir davon den Lebensunterhalt zu finanzieren, aber durch die Darlehen konnten wir leben und danach wurden die Häuser vermietet oder verkauft“, sagt der dreifache Familienvater.

Das Baudenkmal am Spessartweg betrachtet er als sein Meisterwerk, an dem er auch immer weiter feilt. Mit viel Liebe zum Detail baute er die abbruchreifen Häuser wieder auf. Die Haustür seines Wohnhauses ist handgeschnitzt, die Holznägel, mit denen die Balken im Haus verbunden sind, hat er selbst angefertigt. „Ich liebe das lebendige Material. Das Holz lebt und die unterschiedlichen Maserungen sind überall zu sehen.“

Nur bei der Wärmedämmung musste er von der traditionellen Bauweise abweichen. Die gab es früher nicht. „Ich habe ein doppeltes Mauerwerk gebaut, um eine gute Wärmedämmung zu erreichen“, sagt Löckmann.

Viele Teile des ursprünglichen Hauses hat er erhalten. Zudem ist er mit seinem 22 Jahre alten Bus durch Wuppertal gefahren und hat alte Türen und Holz eingesammelt, die er im Haus verarbeitet hat. Im Wohnzimmer hat er Holz einer Kirche verbaut, das bei einer Restaurierung übrig blieb. Ein Großteil der Decken im Haus besteht aus zurechtgeschnittenen Holztüren anderer Häuser.

Momentan arbeitet er mit seinem Sohn an einem Haus, das sein letztes Projekt werden soll. Denn Löckmann leidet verstärkt unter Schmerzen an der Wirbelsäule, vor allem, seit er vor anderthalb Jahren vom Dach eines Hauses sechs Meter tief gefallen ist. Aufhören will er aber trotzdem nicht, „das machen wir noch fertig“, sagt er.

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