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Wuppertaler Rat entscheidet über Unterstützung für Arbeitslosenzentrum

Programm läuft aus : Unterstützung für Arbeitslosenzentrum

Weil ein entsprechendes Förderprogramm ausläuft, fehlen 5000 Euro im Etat. Die Stadtverordneten könnten mit einem positivem Votum helfen.

Hilfe bei Anträgen für Hartz IV, Vorbereitung einer Schuldnerberatung, Hilfe bei Bewerbungsschreiben und die Möglichkeit, andere Betroffene zu treffen – das bietet das Arbeitslosenzentrum an der Chlodwigstraße in Elberfeld. Weil die Förderung des Landes ausläuft, stand die Einrichtung vor dem Aus. Doch mit Sparmaßnahmen und einem Umzug könnte sie erhalten bleiben – wenn die Stadt eine Finanzlücke von 5000 Euro schließt. Über einen entsprechenden Antrag muss der Rat am Montag entscheiden.

Gerade jetzt wird die Anlaufstelle gebraucht. Leiterin Tanja Wallraff hat schon „wahnsinnig viele Anrufe“ von Menschen, die in Kurzarbeit sind, vom Gehalt nicht mehr leben können und deshalb „aufstocken“ müssen. Oder die ihren Zusatzjob als 450-Euro-Kraft verloren haben. Tanja Wallraff kennt die rechtlichen Bedingungen, kann beim Ausfüllen der Anträge helfen, später den Bescheid prüfen und gegebenenfalls beim Jobcenter nachhaken.

Ein weiteres wichtiges Angebot ist die vorbereitende Schuldnerberatung, mit der die oft monatelange Wartezeit bis zum Termin bei der anerkannten Schuldnerberatung überbrückt wird. Tanja Wallraff und ihre Kollegin Claudia Nagel sortieren dann schon mal mit den Hilfesuchenden die Unterlagen, um einen Überblick über die Schulden zu bekommen, schicken erste Briefe an die Gläubiger. „Wir haben viele überschuldete Menschen“; betont sie. Seit Jahren besetzt Wuppertal in den Statistiken zu überschuldeten Einwohnern Spitzenplätze – gut 18 Prozent der Wuppertaler sind zahlungsunfähig.

Und dann gibt es noch das Frühstück dienstags 11 bis 13 Uhr für kleines Geld. Hier treffen sich ein paar Stammgäste, aber auch immer wieder neue Teilnehmer. „Das ist ein Angebot gegen die Vereinsamung“; sagt Tanja Wallraff. Viele Hilfesuchende hätten keine Familie und durch die Arbeitslosigkeit ihre Freunde verloren.

Suche nach Einsparpotential
mit spitzem Bleistift

Das Angebt ist aus einem VHS-Kurs in den 80er Jahren entstanden, 1983 gründete sich der Verein Arbeitslosenhilfe Wuppertal e.V. als Träger des Arbeitslosenzentrums. Zuletzt erhielt der Verein 15 600 Euro vom Land und 34 000 Euro von der Stadt, um die Kosten von rund 50 000 Euro pro Jahr für Miete, Personal und Material zu decken.

Doch Ende des Jahres läuft die noch von der letzten Landesregierung beschlossene Förderung aus. Und die beiden Frauen rechneten mit spitzem Bleistift, wo sie noch sparen können – „im Grunde wie bei einer Schuldnerberatung“, stellt Tanja Wallraff fest. Sie reduzierten ihre Arbeitsstunden und damit Öffnungszeiten, bestellten Fachzeitschriften ab und werden in ein kleines Ladenlokal an der Hochstraße 40 ziehen und damit die Mietkosten senken. Damit sind gut 10 000 Euro eingespart – was aber noch nicht reicht.

Das ließ Ilona Schäfer, Stadtverordnete der Grünen, nicht ruhen: „Es wäre überaus schade, wenn diese nützliche und sinnvolle Einrichtung geschlossen würde“, fand sie. Und suchte nach Möglichkeiten, das Zentrum zu unterstützen.

Die fand sich schließlich in dem Plan, im städtischen Haushalt zusätzliche 100 000 Euro pro Jahr für Suchtberatung, Schuldnerberatung und Wohnungslosenhilfe zu verwenden. Davon könnte ein kleiner Teil an die vorbereitende Schuldnerberatung des Arbeitslosenzentrums gehen, so ihre Idee: „Das ist sinnvoll angelegtes Geld.“ Grüne und CDU haben daher jetzt den Antrag gestellt, die Verwendung der 100 000 Euro entsprechend zu verändern und das Arbeitslosenzentrum im Jahr 2021 mit 5000 Euro zu unterstützen.