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Wuppertaler Professorin forscht für ein nachhaltigeres Leben

Campus Wuppertal : „Wuppertal ist ein superinteressantes Pflaster“

Professor Karoline Augensten will helfen, dass die Gesellschaft nachhaltiger lebt. In Bezug darauf sagt sie, die Stadt Wuppertal sei ein „superinteressantes Pflaster“.

Was ist Nachhaltigkeit? Das Portal der Geschäftsstelle „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der Deutschen Unesco-Kommission nennt es die wichtigste Regel, damit alle Menschen auf der Welt heute und in Zukunft gut leben können. Und wenn diese Regel heute eingehalten wird, profitieren zukünftige Generationen davon. Prof. Dr. Karoline Augenstein vom Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (TransZent), dem gemeinsamen Forschungszentrum der Bergischen Universität und des Wuppertal Instituts, weiß das. „Es ist bei mir wie bei vielen vermutlich, dass man oft an seinen Ansprüchen scheitert. Ich bemühe mich. Ich pendele zur Arbeit mit der Bahn, bin viel zu Fuß unterwegs, achte natürlich auf mein Konsumverhalten und all diese Dinge, die natürlich ganz viele machen“, sagt sie, sieht den Lösungsansatz allerdings woanders. „Ich finde es wichtig, dass man das nicht grundsätzlich auf den Einzelnen abschiebt. Dass man weder ökonomisch sagt, die Menschen sind in erster Linie Konsumenten, die durch Kaufverhalten entscheiden, noch, dass die Politik sagt, jeder einzelne muss seinen Beitrag leisten. Die Aufgabe ist eigentlich, dass man strukturelle Bedingungen schafft, die es den Menschen leichter machen, sich nachhaltiger zu verhalten.“ Augenstein will dabei helfen.

In Wuppertal leitet die Juniorprofessorin die Nachwuchsgruppe „UrbanUp — Upscaling-Strategien für eine Urban Sharing Society“. Dieses auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt hat das Ziel, Sharing-Praktiken innerhalb unterschiedlicher Nutzergruppen zu analysieren sowie nachhaltigkeitsorientierte Geschäftsmodelle und Governance-Ansätze für „Sharing Cities“ zu entwickeln.

Und was ist eine Urban Sharing Society? „Danach suchen wir in diesem Forschungsprojekt“, erklärt sie lachend, „das ist das Leitkonzept, welches verschiedene Fragestellungen und Disziplinen integriert.“ Es geht zu Anfang noch darum zu hinterfragen, ob die Idee des Teilens überhaupt ein Leitprinzip zur nachhaltigen Stadtentwicklung sein könne, erklärt sie, „Teilen im Sinne von Ressourcen teilen und diese effizienter nutzen. Also wie kann man eigentlich in der Stadt dazu beitragen, dass es so eine Art Wertewandel gibt?“

Im nächsten Schritt werden dann die Urban Player zusammengedacht. „Wie ist das Zusammenspiel von städtischer Politik und Verwaltung, lokalen Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Bürgerinnen und Bürgern, die sich natürlich auch vielfältig mit einbringen?“, fragt die Wissenschaftlerin. In ihrem Team werden Konzepte der möglichen Kooperationsformen ausgearbeitet und immer wieder die Frage gestellt: Was macht ein gutes Leben in einer Stadt aus? Eindeutige Vorgaben kann und will die versierte Forscherin nicht geben und sagt bestimmt: „Klare Leitbilder im Nachhaltigkeitsthema zu formulieren sind immer schwierig, weil jede Stadt ihren eigenen Weg finden muss. Das ist in der Forschung klar: Es kann nicht die eine Blaupause dafür geben wie eine nachhaltige Stadt aussieht.“ Stattdessen wird nach Strategien gesucht, werden  Aushandlungsprozesse analysiert und die Rolle einzelner Akteure beleuchtet, um zu einer Form der nachhaltigen Entwicklung zu kommen.

Über die Politikwissenschaft kam die gebürtige Heidelbergerin zum Thema Nachhaltigkeit. „Ich habe mich mit europäischer Umweltpolitik und der Nachhaltigkeitsstrategie der EU beschäftigt“, erzählt sie, „wie kann man eigentlich das Thema Nachhaltigkeit auch in verschiedenen Politikfeldern integrieren? Das  Interesse an diesem Thema ist auch interdisziplinär gewachsen. Was heißt Nachhaltigkeit im Bereich der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft?“.

Wuppertal als nachhaltige Stadt sei sehr realistisch

Augenstein kann sich Wuppertal durchaus als nachhaltige Stadt der Zukunft vorstellen, denn „Wuppertal ist ein superinteressantes Pflaster“, sagt sie spontan, „einmal allein schon durch die Forschungslandschaft und insbesondere das Trans Zent!“ Hier kommen viele unterschiedliche Forschungsbereiche zusammen, denn was die Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung insbesondere brauche, seien interdisziplinäre Perspektiven. „Und das haben wir am Trans Zent vorbildlich gelöst, in dem Vertreter aus verschiedenen Disziplinen der Uni dort sitzen.“

Daneben gibt es das Wuppertal Institut, „eine Institution für sich“, wie Augenstein sagt, mit dem sie kooperiert. „Dann arbeiten wir auch mit dem Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP), das ebenfalls in Wuppertal ansässig ist, zusammen. Die beschäftigen sich mit nachhaltigem Konsum und Produktion.“

Auch die zivilgesellschaftlichen Initiativen erwähnt sie, ob „Utopiastadt“, „Aufbruch am Arrenberg“ oder der „BOB Campus“, mit denen ein reger Austausch bestehe, tragen zur Nachhaltigkeit einer Stadt entschieden bei wie auch lokale Unternehmen, die sich mit Ideenreichtum einbringen. „Die Bedingungen sind hier sehr günstig, weil es viele gute Netzwerke und Kooperationen von Wissenschaft und Praxis gibt“ ergänzt sie. Die Zusammenarbeit mit den zivilgesellschaftlichen Stadtentwicklern gestalte sich sehr fruchtbar. Es sei niemals Konkurrenz, sondern immer produktive Zusammenarbeit, betont Augenstein.