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Wuppertaler Polizistin berichtet von ihren Erlebnissen auf Streife

Polizei-Tagebuch : Lärm und abgetretene Spiegel

Polizistin Nele Ernst berichtet von ihren Erlebnissen auf Streife.

In der vergangenen Woche gab es an der Kaiserstraße in Vohwinkel Sachbeschädigungen an mehreren geparkten Autos. Von drei Personen waren Seitenspiegel abgetreten worden. Der Zeuge, der die Jugendlichen beobachtet hatte, telefonierte noch immer mit der Leitstelle, wodurch uns fortlaufend mitgeteilt werden konnte, wo sich die Täter gerade aufhalten. Dank einer Personenbeschreibung stellten wir kurze Zeit später zwei Jugendliche fest – es musste ganz schnell gehen, damit die beiden nicht erneut flüchteten. Doch noch bevor wir aus dem Streifenwagen stiegen, rannte einer der beiden Jugendlichen in die andere Richtung weg. Da zu diesem Zeitpunkt bereits ein Foto vorlag, konnten meine Kollegin und ich den Jugendlichen, den wir festhielten, als einen der Täter identifizieren. Dieser versuchte sich natürlich aus der ganzen Sache herauszureden. Da er noch minderjährig war, wurde er von unseren Kollegen zur Wache Elberfeld gebracht, um dort von seinen Erziehungsberechtigten abgeholt zu werden. In dieser Zeit machten sich meine Kollegin und ich an die Sachverhaltsaufnahme; Befragung der Geschädigten, Fotos der Beschädigungen aufnehmen und nach Spuren an den Fahrzeugen suchen.

Währenddessen wurden wir erneut von der Leitstelle angesprochen. Ein Zeuge habe angerufen: Ein verängstigter Jugendlicher sitze in seinem Garten und berichte, dass er angegriffen wurde. Im Garten angekommen, saß der Junge verschwitzt, mit zerrissener Kleidung und Schmutz am ganzen Körper auf einer Bank. Er gab an, dass er angegriffen wurde und daraufhin geflüchtet ist. Was er nicht wusste: Auch er war auf den Fotos des Zeugen zu erkennen und somit als einer der Täter zu identifizieren. Da auch er minderjährig war, nahmen wir ihn mit zur Wache, um ihn in die Obhut seiner Erziehungsberechtigten zu übergeben. Auf der Wache angekommen, schien er zu realisieren, dass er großen Ärger verursacht hat und fing an, uns zu beleidigen. Auch als seine Mutter auf die Wache kam, hörten die Beleidigungen nicht auf.

In dieser Nacht rief ein desorientierter älterer Herr den Notruf an und gab an, nach draußen gegangen zu sein und jetzt nicht mehr zu wissen, wo er sich befinde. Er lebe zur Zeit in einer Klinik in Elberfeld, zu welcher er den Weg nicht mehr wusste. Mit einem Streifenwagen fuhren wir zunächst zur Klinik, in der der Mann angab zu wohnen, um weitere Informationen und bestenfalls auch ein Foto von ihm zu bekommen. Als wir Pflegekräften den Sachverhalt schilderten und den Namen des Herrn gaben, wussten sie sofort, was los war. Es handelte sich um einen Demenzpatienten, der schon häufiger den Notruf gewählt und angegeben hat, dass er nicht wisse, wo er ist. Glückliches Ende des Einsatzes: Er befand sich die ganze Zeit über unversehrt in seinem Bett in der Klinik.

Weiterhin kam es in den vergangenen Nächten wieder zu einigen Ruhestörungen in verschiedenen Wohnungen. Hier sollte man nicht nur auf die Nachbarn Rücksicht nehmen, sondern die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus immer im Blick haben und Kontakte auch in den eigenen vier Wänden sehr bewusst, mit Augenmaß und unter Beachtung der bekannten Verhaltensregeln pflegen.