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Wuppertaler Polizist berichtet von seinen Erfahrungen auf Streife

Gastbeitrag : Einmal im Pyjama die Nachbarschaft erkunden

Polizist Max Bieringer berichtet von seinen Erfahrungen auf Streife in Wuppertal.

In einem der vergangenen Nachtdienste stießen mein Streifenpartner und ich in den frühen Morgenstunden auf eine augenscheinlich frische Unfallstelle. Auf der Fahrbahn verteilt konnten wir diverse Verkehrszeichen und eine Querungshilfe für Fußgänger erkennen, die stark beschädigt waren. Nach Rücksprache mit unserer Leitstelle stellte sich heraus, dass Anwohner bereits die Polizei gerufen und Kollegen soeben das Auto des Beschuldigten wenige hundert Meter weiter gefunden hatten. Weil der Beschuldigte Widerstand leistete, brachen wir die Unfallaufnahme vor Ort zunächst ab und unterstützten die Kollegen.

Der Beschuldigte war augenscheinlich stark alkoholisiert. Wir brachten ihn für eine Blutprobe und um weitere Maßnahmen zu prüfen zur Wache. Mein Kollege und ich nahmen den Unfall vor Ort auf. Es regnete in Strömen und war sehr dunkel, so dass sich die Aufnahme an der etwa 90 Meter langen Unfallstelle zunächst schwierig gestaltete. Die beschädigten Verkehrszeichen ließen sich jedoch schlussendlich provisorisch sichern oder so aufrichten und kennzeichnen, dass sie keine Gefahr für den Berufsverkehr darstellen würden.

Im Frühdienst meldeten dann Passanten, dass sie einen kleinen Jungen beobachten würden, der scheinbar ohne seine Eltern, nur im Pyjama bekleidet, durch die Straßen läuft. Er trage keine Schuhe, lasse sich nicht von Fremden ansprechen und laufe immer davon. Man mache sich Sorgen um den Kleinen. Die Passanten lotsten uns telefonisch zu dem Jungen, indem sie sich in einiger Entfernung hinter ihm her bewegten, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Doch auch auf uns reagierte der Junge nicht. Er schien sich weiter zu Fuß in dem Wohngebiet umschauen zu wollen. Nachdem er Gefallen an dem Inneren unseres Streifenwagens, besonders an den Knöpfen und dem Blaulicht gefunden hatte, beruhigte er sich und war ganz fasziniert.

Über Umwege konnten wir eine Telefonnummer der Eltern ermitteln, welche selbstständig schon nach dem Kleinen suchten. Schließlich konnten wir den Jungen in die Obhut seiner Eltern übergeben. Scheinbar hatte er wenige Straßen weiter unbemerkt die Tür des Hauses geöffnet, um die Nachbarschaft zu erkunden.

Im weiteren Verlauf der Schicht erreichte uns schließlich der Anruf einer aufgelösten älteren Dame. Sie sei vor einer Stunde durch sogenannte Enkeltrickbetrüger betrogen worden. Nachdem wir die Frau beruhigen konnten, gab sie an, sie habe über den Tag verteilt diverse Anrufe erhalten. Eine Frau habe sie dazu überredet, das Bargeld, das sie Zuhause gelagert hatte, einem ihr fremden Mann vor ihrer Wohnungstür zu geben. Das Geld, so habe man ihr gesagt, werde dazu benötigt, um ihre Enkelin aus einer Notlage zu erlösen. Erst im Nachhinein habe sie realisiert, dass es sich um einen Betrug handeln könnte. Sie habe dann ihre Enkelin angerufen und herausgefunden, dass es ihr gut gehe. Nun wurde Strafanzeige erstattet und die Kriminalpolizei ermittelt.