Wuppertaler Polizei simuliert Unfallrisiken für junge Autofahrer

Verkehr : Polizei simuliert Unfallrisiken für junge Autofahrer

Zuschauen und Ausprobieren beim Aktionstag soll Fahrunfällen vorbeugen.

Warum bauen Autofahrer Unfälle? Meistens weil sie die erlaubte Geschwindigkeit überschreiten. Das gilt gerade für Fahranfänger, die ihren Wagen testen und gern mal alles „rausholen“ wollen. Um Unfällen vorzubeugen, organisiert die Polizei Wuppertal einmal im Jahr den Aktionstag „Junge Fahrer“. Zum 19. Mal kamen am Mittwoch 200 Auszubildende der Firma Axalta, des Berufskollegs Werther Brücke und des Berufskollegs Am Haspel. Auf dem Garagenhof der Liegenschaft Müngstener Straße konnten sie an acht Stationen Probleme im Straßenverkehr erleben – durch eigenes Ausprobieren, Zuschauen und Zuhören.

Für Holger Brunner ist Präventionsarbeit wichtiger denn je. Zwar gebe es seit 2009 im Bergischen Land einen Rückgang der Unfälle, an denen 18- bis 24-jährige beteiligt sind. „Letztes Jahr hatten wir da einen absoluten Tiefstand“, sagte der Polizeihauptkommissar. Bedenklich findet er, dass junge Erwachsene überproportional oft unter den Verunglückten sind – zu 15 Prozent. Dabei beträgt ihr Bevölkerungsanteil ungefähr die Hälfte (8 Prozent).

Zum Aktionstag kamen die Azubis nicht unvorbereitet. In Betrieb und Berufsschule hatten Brunner und seine Kollegen von der Verkehrsunfall-Prävention (VUP) mit ihnen „Alles im Griff“ durchgearbeitet – ein Unterrichtsprogramm des Deutschen Verkehrssicherheitsrates. Ihr Wissen konnten die Teilnehmer an einer Station beweisen. Durch Ausfüllen eines Fragebogens waren sie bei einem Preisausschreiben dabei. Verlost wurden zwei Sicherheitstrainings mit dem Auto.

Auch ein Auffahrunfall
wurde simuliert

Die Station Verkehrskontrolle sorgte für viel Gelächter. Immer zwei Azubis schlüpften in Polizeiuniformen, während ein Polizist sich als Autofahrer in Rage redete. „Ihr habt mir gerade noch gefehlt“, schimpfte er. Auch die Versuchspolizisten spielten ihre Rolle ziemlich gut. Dennoch: „Es war sehr schwer, ruhig zu bleiben“, meinte ein 22-Jähriger, nachdem er in den Polizei-Alltag hinein geschnuppert hatte.

Unübersehbar war der Gurtschlitten der Verkehrswacht Dortmund. Er erinnert an ein Mini-Fahrgeschäft und simuliert den Aufprall gegen ein feststehendes Hindernis. Wer den selber erleben wollte, setzte sich auf den Autositz, der auf der flach abfallenden Metallschiene thront. Anschnallen war natürlich Pflicht. Doch der Gurt federte kaum etwas ab, wenn man mit dem Sitz die Metallschiene herunterfuhr.

„Das sind lächerliche zehn Stundenkilometer“, erklärte Michael Bartsch, Leiter der VUP. Unten angekommen, rummste es gewaltig. Die Wucht des Aufpralls verteilte sich auf Brust, Bauch und Schultern und war noch einige Zeit zu spüren.

Wie fährt man unter Einfluss von Alkohol und Drogen? Ulrich Naumann führte es auf einer mit Flatterband abgesperrten Teststrecke vor. Bevor er sich hinters Steuer klemmte, setzte er sich eine „Torkelbrille“ auf. Sie schränkt das räumliche Sehen erheblich ein. Da wird schon das Parken in einer Wagenreihe zur Herausforderung. Im echten Leben hätte Naumann einen Auffahrunfall verursacht. „Beim Ausparken bin ich schon angetickt“, stellte er fest.