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Wuppertaler Pflegedienste: „Aktuell werden alle Kräfte mobilisiert“

Senioren : „Aktuell werden alle Kräfte mobilisiert“

Die Mitarbeiter der ambulanten Pflege müssen jetzt besondere Herausforderungen meistern.

Senioren sollen derzeit besonders geschützt werden und Kontakte meiden. Wie gehen ambulante Pflegedienste damit um? Die WZ hat das Alexander Scheyer gefragt, Geschäftsführer des Pflegedienstes Scheyer & Partner sowie Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft freie ambulante Krankenpflege Wuppertal.

Wie können Ihre Mitarbeiter sich und Ihre Patienten gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus schützen?

Alexander Scheyer: Unsere Pflegekräfte sind geschult, auch Patienten mit infektiösen Krankheiten oder Keimen zu pflegen und zu versorgen. In allen Pflegeeinrichtungen gibt es Hygienepläne, die klare Verfahrensanweisungen vorgeben. In der aktuellen Pandemie richten wir uns streng an die Vorgaben des Gesundheitsamtes und des RKI. Neben der sogenannten Basishygiene (Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt, sowie das Tragen von Einweghandschuhen bei allen pflegerischen Verrichtungen) ist aktuell das Tragen eines Mundschutzes als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme notwendig. Dies dient vor allem dem Schutz der Patienten. Zugleich versuchen wir, unsere Patienten und deren Angehörige über das Thema zu informieren und zu sensibilisieren.

Wie gut sind Sie ausgerüstet?

Scheyer: Handschuhe, Atemschutzmasken (einfach), Schutzkittel und Desinfektionsmittel sind Teil der Basishygiene. Spezielle Atemschutzmasken (FFP2 oder FFP3), Infektionsschutzanzüge, sowie Gesichtsschutz und Schutzbrillen sind in kaum einem Pflegedienst vorhanden. Eine Pflege und Versorgung von Patienten mit Covid-19 wäre im ambulanten Bereich somit aktuell nicht möglich. Im Durchschnitt haben unsere Pflegedienste einen Vorrat an Basishygieneausrüstung von aktuell noch drei bis vier Wochen. Handschuhe und Desinfektionsmittel sind in kleinen Mengen noch zu bekommen. Atemschutzmasken, auch die einfachen, sind nicht mehr verfügbar.

Was passiert, wenn Patienten oder Mitarbeiter Erkältungssymptome haben?

Scheyer: Sollten Patienten oder auch die mit im Haushalt lebenden Angehörigen Erkältungssymptome zeigen, werden diese gebeten, Rücksprache mit ihrem Hausarzt zuhalten. Bei der Versorgung werden wie oben beschrieben Handschuhe und Mundschutz getragen (bei engem Patientenkontakt z.B. im Rahmen einer grundpflegerischen Versorgung, wird ein Schutzkittel getragen). Sollten Mitarbeiter Erkältungssymptome zeigen, müssen diese umgehend Rücksprache mit ihrem Hausarzt halten, der über das weitere Vorgehen entscheidet.

Wie könnten Sie Ausfälle kompensieren?

Scheyer: Genau wie in Krankenhäusern und Pflegeheimen so ist auch in der ambulanten Pflege die Personalsituation schon lange sehr angespannt. Sollten in einem Pflegedienst eine größere Anzahl von Pflegekräften ausfallen, würde das ein enormes Versorgungsproblem bedeuten. Die Mitglieder unserer Arbeitsgemeinschaft „Die freien Wuppertal“, der aktuell 16 ambulante Pflegedienste angehören und täglich ca. 1300 Menschen in Wuppertal pflegen, betreuen und versorgen, haben sich für einen solchen Fall schnelle gegenseitige Hilfe zugesagt. Wir planen, dass Pflegebedürftige dann von einem anderen Pflegedienst versorgt werden. Auch die WTG Behörde der Stadt Wuppertal hat ihre Unterstützung für einen solchen Fall zugesichert. Sollten Pflegebedürftige nicht durch Angehörige oder einen anderen Pflegedienst ambulant versorgt werden können, soll versucht werden, diese kurzzeitig in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen.

Was liegt Ihnen im Moment besonders am Herzen?

Scheyer: Das dringlichste Problem ist die schnelle Versorgung der Pflegedienste mit ausreichend Schutzausrüstung, um einen breiten Ausfall von Pflegekräften zu verhindern und die Gefahr für die Patienten zu reduzieren. Nur so bleiben wir handlungsfähig. Die Stadt Wuppertal hat auch hier bereits ihre Hilfe und Unterstützung bei der Beschaffung angeboten. Wir dürfen es nicht zulassen, dass noch mehr Patienten ins Krankenhaus müssen. Auch unsere Pflegekräfte haben Angst zu erkranken oder ihre Familien anzustecken. Im Moment gibt es trotzdem einen enormen Willen zum Durchhalten und zum Überwinden der Krise. Zum Bewältigen dieser Pandemie werden aktuell alle Kräfte mobilisiert.