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Wuppertaler Pfarrerin Dagmar Hörnchen-Schmitt: Von der Backstube zur Kanzel

Personalie : Dagmar Hörnchen-Schmitt: Von der Backstube zur Kanzel

Die Geistliche ist neue Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Schellenbeck-Einern.

Am dritten Adventssonntag wurde Dagmar Hörnchen-Schmitt als neue Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Schellenbeck-Einern von Superintendentin Ilka Federschmidt feierlich in ihr Amt  eingeführt.

Der Ehefrau des Pfarrers Udo Schmitt und vierfachen Mutter war die Vorfreude auf ihre neue Aufgabe deutlich anzusehen, obwohl ihr der Abschied von ihrer früheren Wirkungsstätte in Wertherbruch (Kreis Wesel) sehr schwer gefallen ist.

Aber es waren höchst problematische Umstände, die mit der letzten Anstellung verbunden waren, denn ihr Mann Udo ist seit 2017 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Düssel bei Wülfrath. „Da bin ich jeden Tag 85 Kilometer hin und 85 zurück gependelt, war also rund drei Stunden täglich auf der Autobahn unterwegs. Zeit, die man nützlicher verbringen kann, vor allem, wenn man eine Familie mit vier Kindern hat“, erklärt die neue Seelsorgerin im Gemeindezentrum am Stahlsberg 84. „Bei aller Wehmut auf beiden Seiten habe ich zum Abschied  viel Verständnis für meinen Schritt erhalten.“

Die fromme Großmutter
war ein Vorbild

Ihr Werdegang ist bemerkenswert: Die Geistliche wurde als Dagmar Hörnchen 1967 in Kall in der Nordeifel geboren, einer Region, in der evangelische Christen fast wie in einer Diaspora leben, umgeben von Katholiken. „Meine Oma war evangelisch und sehr fromm. Die hat mich immer mit zu den evangelischen Gottesdiensten genommen“, berichtet Dagmar Hörnchen-Schmitt, die dann  eine Klosterschule besuchte und da selbstverständlich auch am katholischen Religionsunterricht teilnehmen musste. „Das war vorgeschrieben.“ Ein Religionsunterricht, der offenbar auf fruchtbaren Boden fiel: „Fünf Jungen aus meiner Abiturklasse sind Priester geworden“, erinnert sich die Wahl-Wuppertalerin, die gleichfalls Seelsorgerin werden wollte. Aber, erst wollte ich prüfen, ob meine Beziehung zum evangelischen Christentum auch tragfähig ist. Deshalb habe ich eine Bäckerlehre angetreten, um zumindest einen beruflichen Hintergrund zu haben.“

Es wurde eine harte Lehrzeit für die junge Abiturientin, für die der Tag morgens um 3 Uhr begann. „Außer in der Nacht zum Samstag, dann musste ich schon um 1 Uhr in der Backstube sein, wobei ich als Azubi noch einen Bonus genoss, denn meine Kollegen traten schon Freitagabend um 23 Uhr an“, beschreibt die Seelsorgerin ihre Zeit als Lehrling und den Abschluss zur Bäckergesellin.

Die Prüfung der Tragfähigkeit ihres Glaubens und ihrer Absicht,  Pfarrerin zu werden, fiel nach dem Ausflug ins Handwerk  positiv aus. Sie absolvierte ihr Studium der Theologie in Bonn und Bochum, begann 1996 ein Vikariat in Bad Breisig, heiratete im selben Jahr ihren Kollegen Udo Schmitt und wirkte „zur Anstellung“ in Grevenbroich und Flamersheim und Weilerswist.

Zusammen mit ihrem Ehemann betreute sie die Gemeinde in Wertherbruch und Blumenkamp nahe Wesel ab 2005, bis sich 2017 die beruflichen Wege der Eheleute und vierfachen Eltern trennten. „Vom 1. Februar 2018 bis zum 1. Februar 2019 bin ich rund 100 000 Kilometer gefahren“, denkt Dagmar Hörnchen-Schmitt an die zeit- und kraftraubende Periode ihrer Laufbahn zurück und zeigt ihre Freude auf die neue Aufgabe für die 2400-Seelen-Gemeinde. „Bei der Größe dieser evangelischen Gemeinde  ist nur eine 75-Prozent-Stelle vorgesehen“, erklärt die Geistliche, die im Juni dieses Jahres  vom Presbyterium gewählt wurde und diesem Gremium seit Amtsantritt auch vorsteht.

Zwar sind die Arbeitszeiten als Pfarrerin nicht ganz so schlafraubend wie seinerzeit die in der Backstube, doch ist ihr klar, dass die Sorgen und Anliegen der Menschen in ihrer Gemeinde nicht erst um 8 Uhr morgens beginnen und um 17 Uhr mit Büroschluss enden. „Das weiß man, wenn man sich zu diesem Beruf berufen fühlt, und das ist auch gut so.“