Wuppertaler Pfarrer Thomas Kroemer nimmt Abschied

Kirche : „Ich habe das Gefühl, dass es gut ist“

Pfarrer Thomas Kroemer geht in den Ruhestand. Er war mehr als 37 Jahre in der Kirchengemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck im Einsatz.

Wenn Pfarrer Thomas Kroemer am Sonntag,  27. Oktober, mit einem Festgottesdienst verabschiedet wird, dann hat er sich „ein Jahr Pause“ von seinen theologischen Aufgaben auferlegt. „Ich habe das Gefühl, dass es jetzt gut ist“, sagt der 65-Jährige selbstbewusst, Angst vor dem Ruhestand legt er bei einem Besuch in seiner Wohnung gleich neben der Wichlinghauser Kirche nicht an den Tag. Nach mehr als 37 Jahren Dienst imder Gemeinde - zunächst Wichlinghausen, später Wichlinghausen-Nächstebreck - möchte Kroemer eine Art „Sabbatical“ einlegen. Wobei der Begriff nicht ganz korrekt ist, weiß der Pfarrer doch selbst noch nicht, ob er nach Ablauf dieser Zeit wieder pastorale Aufgaben in der Gemeinde übernehmen wird.

Der Abstand zu seiner bisherigen Tätigkeit dürfte nicht ganz leicht sein, lebt Kroemer doch mit seiner Familie weiterhin im Pfarrhaus, wird er seine Gemeindemitglieder auch künftig beim Weg zum Einkauf oder anderen Alltagsangelegenheiten treffen.

Doch nach fast vier Jahrzehnten im Dienst möchte er offenbar etwas Abstand gewinnen - einen Abstand, den er auch seiner Gemeinde zubilligt. Auch die Gemeinde müsse sich eben „daran gewöhnen“, dass er nun nicht mehr im Amt sei. Sein Ehrenamt als Vorsitzender der Veranstaltergemeinschaft Radio Wuppertal will er aber auf jeden Fall fortführen. „Das macht mir Spaß.“

Dass Thomas Kroemer etwas abrückt, ist um so erstaunlicher oder vielleicht auch verständlicher, wenn man bedenkt, dass die Pfarrstelle in Wichlinghausen seine erste und einzige in seinem Berufsleben war. Zuvor, 1973,  hatte er sein Abitur am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium Vohwinkel (Religion „gut“) abgelegt.

Wichlinghausen war damals
ein unbeschriebenes Blatt

Es folgte von 1973 bis 1980 ein Studium der Evangelischen Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal sowie den Universitäten in Heidelberg, Göttingen und Bochum. In der Ruhrgebietsstadt besuchte Kroemer auch die Kirchliche Hochschule. Im März 1980 legte er sein 1. Theologisches Examen ab, im März 1982 folgte das  2.. Dazwischen übernahm er ein zweijähriges Vikariat in der Kirchengemeinde Unterbarmen-Ost (Pfarrbezirk Rott).

Über seinen Vikariats-Mentor Arnold Falkenroth sei dann der Kontakt zur Wichlinghauser Gemeinde zustande gekommen, erinnert sich Kroemer. „Damals wurden Pfarrer ja noch dringend gesucht.“ Als gebürtiger Elberfelder sei ein östlicher Stadtteil wie Wichlinghausen damals ein „unbeschriebenes Blatt“ für ihn gewesen, gesteht der Pfarrer. Vor allem die Prognose eines Freundes verhieß damals nichts Gutes: Da wohnten nur die „Brunköppe“ (heute würde man wohl „Prolls“ dazu sagen), erklärte der Kumpel. Doch der damals 28-jährige Theologe ließ sich von solchen Unkenrufen nicht abschrecken: Er wurde im April 1982 Pastor im Hilfsdienst in der Gemeinde, gut zwei Jahre später folgte die Berufung zum Pfarrer.

Die damalige negative Einschätzung fand Kroemer in der Praxis zum Glück nicht bestätigt. In den Gottesdiensten und Einrichtungen der Gemeinde sei er „mit offenen Armen“ empfangen worden und habe viel Unterstützung erfahren. Das habe seine Arbeit sehr erleichtert und ihm Auftrieb gegeben. „Ich habe mich nicht einen Tag gelangweilt!“, sagt Kroemer.

Dabei war die Tätigkeit als Pfarrer nicht immer leicht, musste er neben den pastoralen Aufgaben doch auch einen innerkirchlichen Strukturprozess moderieren und gestalten, der angesichts der sinkenden Zahl bei den Gemeindemitgliedern und der finanziellen Engpässe oft auf das Prinzip der Kosteneinsparung ausgerichtet ist und war. Das zeigt sich unter anderem in der Entwicklung bei den Pfarrstellen: „1995 hatten wir noch sieben Pfarrer, jetzt sind es zweieinhalb“, bedauert er.

Nach der Verabschiedung von Kroemer wird auch seine Stelle nicht wieder voll besetzt, stattdessen wird die Stelle von Pfarrer Dirk Bangert von derzeit Halb- auf Ganztagsbasis umgestellt. Die Zahl der Pfarrstellen wird mit anderen Worten auf zwei reduziert, jeder der beiden Pfarrer ist dann für mehr als jeweils 3000 Gemeindemitglieder zuständig. Immerhin: Hinzu kommt mit Ulrich Severitt ein neuer Diakon, der am 1. November seinen Dienst antritt.

Kroemer bleibt trotz der sinkenden Zahlen in vielen Bereichen zuversichtlich, was das Gemeindeleben in den kommenden Jahrzehnten angeht. „Ich habe keine Sorge, dass es unsere Kirche in 30 Jahren noch gibt“, sagt er. Das Gemeindeleben verändere sich weiter,  die Kirche als solche bleibe bestehen.