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Wuppertaler Pfarrer bauen übers Netz Nähe zu den Menschen auf

Kirche in Zeiten von Corona : Pfarrer bauen Nähe übers Netz auf

Die Kirchen sind während der Corona-Krise besonders gefragt. Doch auch sie stehen vor der Herausforderung des Kontaktverbots.

Kreativität ist derzeit gefragt, auch bei den Pfarrern. Die üblichen Formen des Gemeindelebens mit Gottesdiensten, Gesprächskreisen und Besuchen sind momentan nicht möglich. „Letzte Woche haben wir noch ganz viel organisiert und mussten verschiedene Beschlüsse fassen“, erzählt Katharina Pött, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Langerfeld. Inzwischen sei vieles geklärt und jeder mache sich an die Arbeit.

So bietet die Pfarrerin jetzt einen Gottesdienst für zu Hause an. „Dafür habe ich einen Ablauf geschrieben.“ Dort finden die Gläubigen einen Psalm, Hinweis auf einen Bibeltext und ein Gebet. Auf der Homepage hat Katharina Pött noch die Predigt als Podcast zum Hören eingestellt. Doch vielen älteren Menschen, die regelmäßig in den Gottesdienst kommen, hat sie gemeinsam mit ihrem Team den Text direkt in den Briefkasten gesteckt. „Eine wichtige Zielgruppe ist über das Internet ja nicht zu erreichen.“ Diese Woche wird auch der Gemeindebrief verteilt, dort wird über diese Möglichkeit ebenfalls informiert. „Wir bekommen dafür sehr positive Rück-
meldungen, per Telefon, per SMS...“, freut sich die Pfarrerin.

Viele Gemeindemitglieder
rufen dieser Tage an

Da sie derzeit viel zu Hause ist, kann sie auch viele Anrufe ihrer Gemeindeglieder entgegennehmen. Manche rufen aus organisatorischen Gründen an, doch für viele ist so ein Telefonat auch eine wichtige Hilfe gegen die Einsamkeit. „Viele haben Sorge um ihre Gesundheit, aber auch diffuse Sorgen oder fühlen sich einfach einsam“, sagt Katharina Pött. Hier ist es ihr wichtig, Mut zuzusprechen und die Menschen aufzubauen.

Auch eine Einkaufshilfe für Risikogruppen baut die Kirchengemeinde gerade auf. Die Pfarrer koordinieren das Netzwerk – „damit keine Scharlatane aufspringen“. Gerade ist Katharina Pött dabei, einen Ausweis für die Einkaufshelfer zu entwickeln – auch keine alltägliche Aufgabe für eine Pfarrerin. Viele Menschen haben sich jedoch bei ihr gemeldet, die gerne helfen wollen in diesen schwierigen Zeiten. Mit ihrer Jugendleiterin steht sie ebenfalls in engem Austausch; diese verschickt jede Woche an alle Kinder aus dem Kindergottesdienst einen Rundbrief mit biblischen Geschichten und kleinen Aufgaben, etwa sollten die Kinder vergangene Woche Engel malen, die jetzt auf der Homepage zu sehen sind. Für die Konfirmanden entwickelt die Jugendleiterin Quizfragen.

Schwieriger gestaltet sich der letzte Weg. Gerade erst musste Katharina Pött die Beerdigung eines aktiven Gemeindeglieds begleiten. Schon das Vorgespräch musste sie über Skype statt bei einem Besuch führen. „Das ging aber besser, als ich gedacht habe. Allerdings kannte ich die Familie gut.“ Obwohl nur zehn Menschen bei der Beerdigung zugelassen waren, gelang ein schöner und würdiger Rahmen. „Mir ist aber schwer gefallen, dass es gar keinen Körperkontakt geben durfte“, gibt die Pfarrerin zu. Der Handschlag, das aufmunternde Halten am Arm seien wichtige und gewohnte Gesten.

Als nächstes hat die Pfarrerin Ostern im Blick: Normalerweise besuchen sich da die Familien, feiern gemeinsam. Dieses Jahr werden wohl viele alleine zu Hause sitzen. „Wir überlegen, ob wir da einen Gottesdienst per Video übertragen können“, erzählt Katharina Pött. Denn schon der Gottesdienst per Brief habe vielen Gemeindegliedern sehr gut getan.