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Wuppertaler Pendler-Kritik an WSW wird lauter

ÖPNV : Pendler-Kritik an WSW wird lauter

Das Fahrplanbuch wird nicht mehr gedruckt. Fahrgäste können sich nur noch anhand von Stadtteilfahrplänen orientieren oder müssen ins Netz schauen.

Wie komme ich mit dem Bus von A nach B? Welche Linie fährt von Beyenburg nach Vohwinkel und vor allem wann? Das alles konnten die Fahrgäste der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) bislang im großen Fahrplanbuch nachschlagen. Seit Dezember haben die WSW die gedruckte Form der Fahrpläne in Buchform eingestellt. „In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage stark zurückgegangen“, sagt WSW-Sprecher Holger Stephan. Die ursprüngliche Auflage von 90 000 sei im Laufe der Jahre auf 40 000 geschrumpft. Zudem seien am Ende eines Jahres 5000 bis 10 000 Exemplare übriggeblieben, die entsorgt werden mussten. Angesichts der Digitalisierung hätten sich die WSW dazu entschlossen, das große Fahrplanbuch nicht mehr aufzulegen. Für einzelne Stadtteile gibt es jetzt Stadtteilpläne. „Hier finden Sie alle Linien, die hier ankommen und abfahren“, sagt Stephan.

Mehrere Leser beschwerten
sich bei der WZ über die WSW

Die Nachfrage scheint aber doch größer zu sein als angenommen. Bei der WZ gingen mehrere Leserbriefe zu dem Thema ein. Einer der Leser ist Werner Pfeiffer, der schildert, wie orientierungslos er viele Menschen in dieser Woche im MobiCenter Elberfeld erlebt hat. „In dem Regal mit den neuen Stadtteilfahrplänen war kein Hinweis zu sehen, welche Pläne es gibt und welchen Plan man braucht“, sagt Pfeiffer. „Das war deprimierend zu sehen, dass keiner verstanden hat, welchen Fahrplan er braucht.“ Auch ein Übersichtsplan sei nicht vorhanden gewesen. Die Verwirrung war nach Angaben von Pfeiffer im Mobi-Center unter den meist älteren Kunden der WSW so groß, dass Kommentare fielen wie „De vom WSW sin doch bekloppt.“

Der Fahrgastverband Pro Bahn Bergisches Land hatte bereits Anfang des Monats in einer Pressemitteilung gegen den Wegfall des Fahrplanbuchs protestiert. „Die Informationsqualität des Fahrplanbuches kann durch die verbleibenden Informationsmöglichkeiten nur unzureichend aufgefangen werden“, sagt der 1. Vorsitzende Axel Sindram. Die Stadtteilfahrpläne enthielten nur einige wenige Haltestellen. „Damit sind sie eigentlich nur für Fahrgäste brauchbar, die sich regelmäßig innerhalb eines einzelnen Stadtteils bewegen“, sagt Sindram. Das treffe aber auf die meisten Fahrgäste nicht zu. Gerade für Vielfahrer im gesamten Netz sei das Fahrplanbuch die beste Wahl, so Sindram. „Wenn ich umsteigen muss, wird es schwierig“, sagt er. Zumindest brauche man dann einen weiteren Stadtteilplan.

Dennoch sprechen die Argumente nach Ansicht von Holger Stephan aber für die Abschaffung des großen Fahrplanbuches. „Wir sparen Geld, die übriggebliebenen Exemplare müssen nicht entsorgt werden und es gibt viele digitale Angebote, über die man sich informieren kann“, sagt er.

„Viele ältere Menschen verfügen nicht über eine Internetverbindung“, sagt Karl Joachim Flender, ein Kunde der WSW. „Die WSW ist damit 20 Jahre zu früh dran.“ Er sieht mit der Entscheidung, das WSW-Fahrplanbuch nicht mehr aufzulegen, „das Maß des Erträglichen mehr als überschritten“. Treue Abo-Kunden würden brüskiert und er werde der Möglichkeit beraubt, sich selbst Verbindungen herauszusuchen, so Flender. Die Verbindungen, die im Internet vorschlagen würden, seien „jenseits von Gut und Böse“. Die digitale Fahrplanauskunft zeige die schnellste Verbindung an, aber häufig mit mehreren Umstiegen. Zudem fehle seit dem Umbau am Döppersberg ein Linienplan, um Fahrten zu planen. Karl Joachim Flender möchte das Fahrplanbuch nicht missen, „auch gegen eine noch festzulegende Schutzgebühr“.

Marianne Ackermann, die auch einen Leserbrief verfasst hat, findet es „keinesfalls umweltfreundlich, sich jetzt zusätzlich Pläne aus dem Netz ausdrucken zu müssen“. Das koste Zeit und Geld. Zudem trage die Abschaffung des großen Fahrplanbuches nicht dazu bei, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen.