Arbeitsmarkt Warum sich der Wuppertaler Pascal Ludorff für eine Elektriker-Lehre entschieden hat

Der 23-Jährige berichtet von seinem Einstieg ins Handwerk

 Pascal Ludorff ist Elektriker im Bereich Energie- und Gebäudetechnik.

Pascal Ludorff ist Elektriker im Bereich Energie- und Gebäudetechnik.

Foto: Matthi Rosenkranz

Von den 4000 Handwerksbetrieben in Wuppertal werden in den nächsten fünf bis sechs Jahren rund 30 Prozent wegfallen, weil Inhaber und Mitarbeiter in Rente gehen. „Die fehlen dann“, berichtet Arnd Krüger, Kreishandwerksmeister für Wuppertal und Solingen. Besonders mit Blick auf die Energiewende und damit auf Themen wie Wärmedämmung, Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen sei das ein großes Problem. Zum Fachkräftemangel komme dann auch noch eine politisch kurz gesetzte Zeitachse hinzu, nach der Wuppertal bis 2035 klimaneutral werden will.

„Die Menschen merken das natürlich auch in ihrem Alltag“, sagt er. „Wenn zum Beispiel Reparatur- oder Sanierungsarbeiten anstehen und sie mit extrem hohen Wartezeiten konfrontiert sind.“ Krüger fordert eine Debatte darüber, was getan werden muss, um die jungen Leute in die Duale Ausbildung zu bekommen. Und dass dieser Schritt nicht einhergeht mit einem Statusverlust. „Uns muss klar sein: Ohne Handwerker wird das Szenario, von dem viele träumen, nicht umsetzbar sein“, sagt er.

Pascal Ludorff (23) hat dieses Jahr als Jahrgangsbester seine Ausbildung als Elektriker im Bereich Energie- und Gebäudetechnik in Wuppertal abgeschlossen und erzählt im Gespräch mit der WZ von seiner Motivation, ins Handwerk einzusteigen.

Was hat Sie zu der Ausbildung motiviert?

Pascal Ludorff: Mein Vater arbeitet selber im Handwerk und hat mich auch früher schon mitgenommen. Zur Elektrotechnik bin ich gekommen, weil ich den Bereich faszinierend und vor allem überhaupt nicht monoton finde, wie viele ihn vielleicht einschätzen.

Nehmen Sie uns mal mit. Was gehört zu dem Bereich denn alles dazu?

Ludorff: Das ist total vielfältig. Wir planen und entwerfen zum Beispiel Gebäudesanierungen oder auch Installationen von Photovoltaik-Anlagen und führen diese durch. Außerdem kümmern wir uns noch um Reparatur und Wartung. Dabei gibt es natürlich auch immer mal Sonderfälle, man muss genau überlegen, was für eine Leitung wie verlegt werden muss. Da muss man den Kopf einschalten.

Überall wird gerade vom Fachkräftemangel gesprochen. Wie bekommen Sie diesen zu spüren?

Ludorff: Ich merke das vor allem an den Überstunden, die ich mache. Wenn wir es nicht schaffen, ein Projekt in acht Stunden fertigzustellen, dann hängt man da schon mal was an Stunden dran. Wir wollen den Kunden zum Beispiel nicht zumuten, den Strom für die gesamte zusätzliche Zeit abgestellt zu lassen. Da wäre es schon sehr hilfreich, wenn wir mehr Fachkräfte zur Verfügung hätten, die einen dann ablösen können, oder auch in einem Krankheitsfall einspringen könnten.

Was bräuchte es aus Ihrer Sicht, damit wieder mehr junge Menschen ins Handwerk kommen?

Ludorff: Ich denke, man kann auf der einen Seite mehr mit dem Gehalt locken. Viele denken ja, dass sie mehr verdienen werden, wenn sie studieren. Ich habe aber selber Kollegen, die studiert haben, und die verdienen nicht mehr als ich. Auf der anderen Seite haben einige, vor allem Akademiker-Eltern, ein veraltetes Bild vom Handwerk und raten ihren Kindern eher zum Studium.

Können Sie genauer erläutern, was an dem Bild veraltet ist?

Ludorff: Wir sind mit der Technik und den verschiedenen Hilfsmitteln im Handwerk zum Beispiel soweit oder werden in den nächsten Jahrzehnten soweit sein, dass man mit 50 nicht unbedingt auf der Leiter stehen oder zu schweres Material tragen muss.

Was wünschen Sie sich von den Menschen aus Ihrer Generation?

Ludorff: Dass sie, bevor sie einfach irgendwas studieren, weil sie noch nicht wissen, was sie werden wollen, das Handwerk ernsthaft in Betracht ziehen. Da lernt man nämlich, was einen im Alltag und im Leben weiterbringt. Außerdem macht man etwas Sinnvolles und danach kann man theoretisch immer noch studieren. Ich mache selbst neben der Arbeit als staatlich geprüfter Techniker den Bachelor of Professional. Mit diesem Abschluss hat man in der Wirtschaft nochmal wesentlich bessere Perspektiven.

Haben Sie Tipps oder Empfehlungen für Menschen, die sich für das Handwerk interessieren, sich aber noch unsicher sind?

Ludorff: Man sollte vor allem Motivation mitbringen. Alles andere lernt man. Am besten geht man einfach mal auf einen Betrieb zu und fragt nach einem Praktikum. Da wird, denke ich, niemand nein sagen, die Betriebe freuen sich über das Interesse und man kann schon mal ein Gefühl für den Beruf entwickeln.

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