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Wuppertaler OB-Kandidat Marcel Hafke ist mit neuester Technik unterwegs

Kommunalwahl : Wuppertaler OB-Kandidat Marcel Hafke ist mit neuester Technik unterwegs

Der Politiker fährt elektrisch und nutzt die Sozialen Medien. Ihm ist wichtig, mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

Gärtner – das wäre der richtige Beruf für ihn, war einst der Ratschlag für den jungen Marcel Hafke im Berufsinformationszentrum. Denn der hatte als Wunsch geäußert: „Draußen sein und mit Menschen zu tun haben“. Er folgte dem Rat nicht, sondern wurde Versicherungskaufmann. Und ging in die Politik. Jetzt will der 38-jährige Vater von zwei Kindern Wuppertals Oberbürgermeister werden.

Die Geschichte vom BIZ erzählt er bei einem Glas Tee in einer Kaffee-Rösterei an der Friedrich-Ebert-Straße. Hier sitze er gern mal, wenn er in der Nähe einen Termin habe, erzählt Marcel Hafke. Weil er kein Kaffeetrinker ist, wählt er Cascara-Tee aus den getrockneten Kaffeekirschenschalen. Und erzählt über sich.

Das Berufsfeld Versicherungen hat er bei seinen Eltern kennengelernt, die gemeinsam – zunächst auch von zu Hause aus – eine Agentur betrieben. Er durfte als Kind manchmal seinen Vater bei Kundenbesuchen begleiten. Dabei hat er erlebt, dass es bei Versicherungen um Menschen und ihre persönliche Lebenssituation geht.

Er machte eine Ausbildung, studierte an der Fachhochschule in Köln, übernahm die Versicherungsagentur seiner Eltern, weil sein Vater starb. Besucht seither selbst Kunden, während seine Mutter weiter den Innendienst übernimmt. Hafke hat dabei viele Menschen und Lebenssituationen kennengelernt – vom Millionär bis zu prekären Verhältnissen. Und findet, er hat es genau richtig gemacht: Er ist unterwegs und hat mit Menschen zu tun.

Beides bringt ihm auch die Politik. Die spielt in seinem Leben eine größere Rolle, seit er 18 Jahre alt und stolzer Autobesitzer war. Als die Ökosteuer eingeführt wurde, sah er sich in seiner Fahrfreiheit eingeschränkt, wollte etwas ändern. „Heute sehe ich das natürlich anders“, betont er. Damals habe er verschiedene Parteien besucht. Bei den Jungliberalen (Julis) fühlte er sich am wohlsten und blieb. Bis heute seien aus dieser Zeit Freundschaften geblieben.

Mit Themen konfrontiert zu werden, mit denen er sich sonst nicht beschäftigt hätte, fand er „hochspannend“ an der Politik. Er übernahm Ämter, wurde Landesvorsitzender der Julis. 2010 fragte ihn der damalige Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart, ob er für den Landtag kandidieren wolle. Er sagte ja und zog in den Landtag. Und kommt seither noch mehr herum. Er habe kleine Dörfer und Großstädte gesehen, viele engagierte Menschen getroffen und „viele tolle Ideen“ kennengelernt. Vieles lasse sich übernehmen, man müsse das Rad nicht neu erfinden.

Politik mit Telefon-
und Videokonferenzen

Das Herumkommen findet meist im Auto statt, inzwischen in einem Elektroauto, das sei „total angenehm“ zu fahren, betont er. Im Auto seien seine vielen Termine leichter zu koordinieren, für lange Strecken steigt er aber auch in einen ICE. Und in der Freizeit auch gern aufs Fahrrad, auch das mit Elektroantrieb. Und oft mit Tochter Sophia (3) im Kindersitz.

Kontakt zu den Menschen sucht er auch im Internet, ist auf Facebook, Instagram und Twitter unterwegs. Zum einen fasziniere ihn die Technik, sagt er, ob im Auto, im Computer oder beim Telefonieren. „Ich glaube, dass sie die Welt komfortabler und lebenswerter macht.“ 

Zum anderen werde er als Politiker „nahbarer“: „Wer mir folgt, kann sehen, dass ich auch ein ganz normaler Mensch bin, mal ein Eis esse.“ Er erhalte auch viele Informationen: „Die Hemmschwelle ist viel niedriger, als mich auf einer Veranstaltung anzusprechen.“ Er wolle nicht nur Visionen aufzuzeigen, sondern auch bei kleinen Problemen reagieren.

Seine Kinder Sophia (3) und Maja (1) haben sein Leben verändert: „Ich hätte nie gedacht, was für eine Bereicherung Kinder sein können.“ Zudem habe sich sein Blick auf Themen wie Lebensbedingungen, Energie, Mobilität und Bildungschancen nochmal verändert. Und auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Ich will nicht nur sonntags von 13 bis 18 Uhr Vater sein.“ Aber wenn er und seine Frau Martina, eine Hauptschullehrerin, ihre Berufe anständig ausüben wollten, werde die Zeit knapp. Dass ihm seine Frau den Rücken freihält, dafür dankte er ihr bei seiner Nominierung öffentlich.

Die Coronazeit hat er wie viele andere vor allem zu Hause erlebt. Als sie Anfang März im Landtag über die mögliche Entwicklung der Pandemie informiert wurden, darüber, wie viele Menschen sterben könnten, da hat er sich schon Sorgen gemacht. Zum Glück sei es nicht so weit gekommen.

Die politische Arbeit ging nach wenigen Tagen weiter – in Telefon- und Videokonferenzen. An vielen Gesetzen und Verordnungen seither wie etwa dem Pandemie-Gesetz oder dem Kitabetretungsverbot hat er mitgewirkt. „Von morgens bis abends am Laptop, das war anstrengend.“ Aber auch er war zwischendurch unterwegs auf der Suche etwa nach Babywindeln. Die Zeit zu Hause sei schön gewesen, „aber irgendwann knirscht es auch“. Seit Anfang Mai läuft der Sitzungsbetrieb wieder. Und jetzt auch der Wahlkampf. Doch nach dem Café-Termin ist erst einmal Sophia dran. Ihr hat er eine Radtour versprochen.