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Wuppertaler Nautilus-Galerie zeigt wieder fantastische Kunst

Wiederaufnahme des Betriebs : Nautilus-Galerie zeigt fantastische Kunst

Am Wochenende gab es das etwas verspätete Fest zum einjährigen Bestehen des Studios im Luisenviertel.

Ihren ersten Geburtstag feierte die Galerie Nautilus mit kühlen Getränken und Live-Musik. Wichtig ist Inhaberin Yvette Endrijautzki aber vor allem, dass sie nach Ende des Lockdowns wieder ausstellen kann. Mit Michelle Anderst und Kaska Niemiro zeigt sie Werke von Vertreterinnen einer bildgewaltigen Fantastik – einer Richtung, der sich auch die Künstlerin Endrijautzki verpflichtet fühlt.

Klar, dass die Geburtstagsfeier, die ursprünglich im Mai sein sollte, unter Corona-Vorzeichen stand. Dabei musste die Galerieinhaberin nicht viel zum Hygienekonzept sagen, als sie am Samstag ihre Gäste begrüßte. Unaufgefordert setzten diese ihre Masken auf, bevor sie das Ladenlokal im Luisenviertel betraten. Drinnen lagen Desinfektionsmittel und eine Eintragsliste bereit.

Die Amerikanerin Michelle Anderst kennt Endrijautzki noch aus der Zeit, als sie in Seattle ihre erste Nautilus-Galerie hatte. Die kam mit Bullaugen und Kajüten dem U-Boot „Nautilus“ aus Jules Vernes Roman ziemlich nahe.

Dass Anderst als wissenschaftliche Illustratorin arbeitet, sieht man auch ihren Ölbildern und Drucken an. Auf ihnen verbindet sie geometrische Formen mit detailfein gestalteten Insekten und Pflanzen. Deren Schönheit, die im wirklichen Leben gern übersehen wird, rückt sie so ins rechte Licht.

Nach den Ferien soll es
auch wieder Lesungen geben

Mit Postern für Metal-Bands hat sich die Berlinerin Kaska Niemiro einen Namen gemacht. Sie ist in der Nautilus-Galerie mit ikonenhaften Drucken und mit rein ornamentaler, folkloristisch anmutender Kunst vertreten. Eine Serie kreisrunder Bilder überführt jahrhundertelang tradierte Strickmuster in Malerei.

Endrijautzki selbst ist während des Lockdowns kreativ geblieben – und dabei auf die Heilige Corona gestoßen, die im 2. Jahrhundert lebte und ausgerechnet Schutzpatronin gegen Seuchen ist. Diese christliche Märtyrerin dient als Inspiration für die Skulptur, die im Zimmer hinter dem Ausstellungsraum aufgestellt ist. In ihr Corona-Modell hat die Künstlerin verschiedene Tierfiguren eingearbeitet. Als Anspielung darauf, dass der Virus wohl zuerst vom Tier auf den Menschen übertragen wurde. Der Heiligengestalt fehle aber noch die goldene Patina, erklärte Endrijautzki. „Ich hoffe, dass ich sie bis zum 7. November fertig habe.“ Dann nämlich beteiligt sich die Galerie mit einer Ausstellung an der WOGA. Der Titel steht schon fest: „Die sieben Plagen“.

Dass die Nautilus-Galerie die Corona-Zwangspause hinter sich hat, freut auch Oliver Buchta. Der Autor nutzt die 80 Quadratmeter gern „als Büro und Schreibtisch“. Unter dem Motto „Libronauten“ will er das Galerie-Programm wieder mit Lesungen und Workshops bereichern. „Wir fangen jetzt wieder an, dafür zu werben“, sagt Buchta. „Nach den Sommerferien geht es weiter.“

Kreative Partner sind Endrijautzki und Buchta natürlich willkommen. So wie der Cellist Ralf Werner, der bei der nachgeholten Geburtstagsfeier Pop-Songs mit Computer-Loops mischte.

Die Bilder von Michelle Anderst und Kaska Niemiro sind übrigens noch bis Anfang September in der Nautilus-Galerie, Osterfelder Straße 6, zu sehen.