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Wuppertaler Musical-Darsteller Stanke: „Dieses Jahr werde ich kein Geld verdienen“

Kulturschaffende : Musical-Darsteller Patrick Stanke: „Dieses Jahr werde ich kein Geld verdienen“

Den Wuppertaler Künstler hat die Corona-Krise kalt erwischt - wie viele seiner freiberuflichen Kollegen.

Das neue Haus des Wuppertaler Musical-Sängers Patrick Stanke ist noch eine halbe Baustelle. Ein paar Monate vor der Corona-Krise hat er in Langerfeld zugeschlagen und seine Rücklagen in ein Eigenheim gesteckt. Da wusste der 40-Jährige noch nicht, dass ihm mit einem Schlag alle Gagen einbrechen würden. „Ich lebe im Moment eigentlich nur noch von Spenden“, sagt Stanke.

Dem freien Künstler geht es so wie vielen seiner Berufskollegen: das Geschäft mit den Gagen ist komplett zum Erliegen gekommen – und die Aussichten auf eine baldige Besserung sind schlecht. Stanke sagt: „Wir waren die Ersten, die rausgeflogen sind und werden die Letzten sein, die wieder arbeiten dürfen.“

Für Stanke gibt es keine Kurzarbeit und kein „to go“-Geschäft. Im Musical-Business sind, wie der Schauspieler und Regisseur berichtet, zwar befristete Festanstellungen durchaus üblich, aber gezahlt wird erst nach einem absolvierten Auftritt. Stanke fasst es so zusammen: „Wir haben alle Pflichten, aber keine Rechte.“

Den Wuppertaler Musical-Darsteller hat es jetzt doppelt getroffen. Bereits im Dezember war das Musical „Wallace“ in Duisburg wegen finanzieller Probleme eingestellt worden, Stanke hätte die Hauptrolle gespielt. Für das Theater Magdeburg spielte Stanke bis zuletzt das Musical „3 Musketiere“. Nach der Hälfte der Auftritte unterbrach die Pandemie das Engagement. Allein in den jüngsten Monaten haben die Ausfälle den Künstler rund 150 000 Euro gekostet, die er fest eingeplant hatte. Der Terminkalender für das Jahr 2020 war prall gefüllt. Es hätten noch unter anderem gefolgt: „Das Phantom des Musicals“ in Pulheim, „Abenteuerland“ in Dortmund und „Rebecca“ Open-Air in Magdeburg. Alles abgesagt. Ernüchtert folgert Stanke: „Dieses Jahr werde ich kein Geld verdienen.“

Die staatlichen Hilfen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Zumindest nicht auf dem herkömmlichen Weg. Es gibt online allerdings viele Menschen, die ihn unterstützen. Auf der Spendenplattform Betterplace.me ist es möglich, Geld zu sammeln. Dort wurden bereits 2300 Euro für den Künstler gespendet. Auch auf der Plattform „Patreon“ nimmt Stanke inzwischen monatlich mehr als 1000 Euro ein. Dafür gibt es unter anderem einmal in der Woche einen Livestream mit Livemusik. Auch ein Dankeschön-Konzert ist geplant. Und am 1. Mai streamt Stanke ein Konzert, für das er Eintrittskarten verkauft (siehe Kasten).

Viele Künstler werden in diesen Tagen ähnlich kreativ wie Patrick Stanke. Uta Atzpodien vom Freien Netz Werk Kultur berichtet: „Es gibt viele Betroffene hier in der Kunst- und Kulturszene. Als spontane Antwort hat sich ein Kreis von Kulturschaffenden zusammengetan und den Solidarfonds gegründet.“ Die staatlichen Nothilfen seien nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ gewesen, sagt Atzpodien. Der „Topf für alle“ ist für freie Künstler gedacht, die Corona in Geldnöte gebracht hat. Das Kulturbüro übernimmt die Verwaltung der Gelder, eine stetig wechselnde Jury entscheidet über die Ausschüttung. Für Atzpodien ist es aber auch wichtig, dass sich die Verantwortlichen nun auch Gedanken darüber machen, wie der Kulturbetrieb unter Wahrung aller Einschränkungen weitergehen kann. „Darüber wird noch zu wenig geredet.“

Das sieht auch Patrick Stanke so. Er empfindet es als „Schlag ins Gesicht“, dass im Moment seiner Meinung nach niemand an die Künstler denkt. „Wir sind jetzt verzichtbar, weil wir nicht systemrelevant sind“, sagt er. „Aber es gibt so viele von uns.“ Und über Jahre haben seine Kollegen und er den Menschen eine Flucht aus dem Alltag angeboten. Unvergessliche Abende mit Musik und Tanz. „Jetzt werden wir fallengelassen.“

Seiner kreativen Ader tut die Zwangspause aber offenbar gut. Stanke sagt: „Ich nehme täglich Songs auf. Vielleicht schreibe ich ja einen Welthit.“ Seit kurzem gibt der gelernte Chemielaborant auch wieder Gesangsunterricht. Trotz aller Unsicherheit, die mit seinem Beruf einhergeht, sagt Stanke: „Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.“