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Wuppertaler Malerin Annette Marks arbeitet intensiv in Corona-Krise

Kunstszene : Chance, einen anderen Kurs aufzunehmen

Annette Marks sieht in der Krise trotz fehlender Einkünfte auch positive Aspekte.

Sie gehört zu den Wuppertaler Malerinnen, die seit einigen Jahren ausschließlich von der Kunst leben und sie sieht in Zeiten der aktuellen Pandemie einen Ansatz, dass die Gesellschaft die Chance nutzt, die Reißleine zu ziehen und umzudenken.

Annette Marks setzte sich in ihren einerseits lebensnahen, andererseits fremdartig anmutenden, großformatigen Ölbildern bereits bildnerisch mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander: „Ich komme ja vom Narrativen, und momentan arbeitet die aktuell dominierende Situation noch in mir. Es steckt so viel Potenzial darin, dass die Menschen einen anderen Kurs aufnehmen. Denn die ganze Welt ist betroffen, und uns allen passiert das Gleiche“, sieht die Künstlerin durchaus positive Aspekte in der aktuellen Krise. Sie hoffe, dass intellektuelle Achtsamkeit dazu führe, umzudenken.

In ihren Arbeiten versuche sie das einzubauen, was wir alle gerade erleben, etwas Existenzielles, male derzeit den ganzen Tag und habe seit einigen Jahren ihren Lebensstil, um frei zu sein, extrem heruntergefahren. „Ich habe einen Garten mit verschiedenen Kohlarten und Bärlauch. Man kommt dort immer zu einer sinnstiftenden Tätigkeit, ist unabhängig, es ist einfach großartig“, so Marks begeistert. Schon in den vergangenen Jahren habe sie gelernt, sich zu reduzieren und sei seltener zum Einkaufen gegangen: „Häufig lebt man von einem auf den anderen Tag, aber es ist auch toll, dass man jetzt als Künstlerin nicht im Stich gelassen wird“, kommentiert sie die Hilfspakete der Regierung.

Das Hineinwachsen in das veränderte Leben sei anstrengend, daher vermeide sie es gelegentlich, Radio zu hören, um einfach mal runterzukommen. Es sei geplant gewesen, mit einem Kollegen nach Berlin zu fahren und Galerien „abzuklappern“. Und auch das „Nachtatelier“ Ende März finde nun nicht statt, wobei sie sich dort ein Ausfallhonorar erhoffe: „Aus Bildverkäufen in der jüngeren Vergangenheit habe ich ein bisschen zurücklegen können, aber sonst habe ich aktuell gar keine Einkünfte“, sagt die Künstlerin.

In Begegnungen mit anderen Menschen agiere sie positiv, überdenke und überprüfe, wie die Lage zu beurteilen sei. „Wie kann eine Veränderung stattfinden? Eine gewisse Ruhe und gute Stimmung finde ich jetzt sehr wichtig. Und eigentlich bin ich froh, dass Vieles mal zum Halten gekommen ist.“ Auf ihre Adventskrippe im Zelt am Laurentiusplatz, die im vergangenen Jahr bereits dort stand, freue sie sich: „Da versuche ich die unglaubliche Geschichte, die wir gerade erleben, künstlerisch einzubauen.“