Wuppertaler Auslese Literaturübersetzungen aus Wuppertal: Die Faszination begann mit Abba-Kassetten

Wuppertal · Stefanie Jacobs ist Literaturübersetzerin und spricht im Podcast darüber, wie wichtig es ist, den Autoren eine deutsche Stimme zu geben, wie sie Übersetzerin geworden ist und was KI und Übersetzungstools für ihre Tätigkeit bedeuten.

Stefanie Jacobs ist freie Übersetzerin für die Sprachen Englisch und Französisch.

Stefanie Jacobs ist freie Übersetzerin für die Sprachen Englisch und Französisch.

Foto: Caroline Schreer

Wer kennt es nicht: Man klappt ein Buch auf und betritt eine neue Welt, taucht ab in die Geschichte, die sich mit jedem Wort, jedem Satz entfaltet. Man schmunzelt über einen Wortwitz – doch manch ein Leser mag sich wundern, wie dieser Wortwitz im Original gelautet hat, denn man liest ein übersetztes Buch. Wuppertalerin Stefanie Jacobs ist Literaturübersetzerin. Am 28. September ist „Die weite Wildnis“ von Lauren Groff in der deutschen Fassung erschienen – übersetzt von Stefanie Jacobs.

Sie übersetzt englische und französische Werke ins Deutsche. Besonders wichtig ist, den Autoren eine deutsche Stimme zu geben, dabei fließt aber in jeder Übersetzung auch viel der übersetzenden Person ein.

„Also in so einem Buch steckt unweigerlich ziemlich viel von mir drin“, erzählt sie. „Letztlich geht es beim Übersetzen darum, Entscheidungen zu treffen und ich kann diese Entscheidung ja nur als ich treffen.“ Ebenso haben Autoren ihre eigene Stimme, fließen ihre Persönlichkeiten in die Geschichten mit ein. „Das Allermeiste, was man wissen muss, sagt einem der Text und dafür entwickelt man ein Gespür. Darüber hinaus hilft es zu wissen, was der Autor für eine Persönlichkeit hat.“ Der Inhalt des Textes sei dabei gar nicht so sehr das Problem, vielmehr die spezifischen Eigenheiten der Sprache zu übertragen. „Das Schlimmste, was man machen kann, ist einen Text zu schreiben der übersetzt klingt“, erzählt Jacobs. „Im Endeffekt soll es klingen, als wäre es ursprünglich auf Deutsch geschrieben worden.“

Die geborene Thüringerin hat zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Nach der Lehre zog es sie für den Diplomstudiengang „Literaturübersetzen‘“ an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Das Interesse am Übersetzen und an der Arbeit mit Texten entwickelte sich allerdings schon viel früher. „Ich bin immer schon ein großer Musikfan gewesen. Nur ist es schwierig, wenn man englische Lieder hört und man nicht weiß, was die singen“, sagt sie. „Ich wollte es aber unbedingt wissen. Mit elf Jahren, da haben mich Abba-Kassetten wahnsinnig fasziniert, aber ich habe nicht richtig verstanden, was sie singen oder nur Bruchstücke davon. Das war eigentlich das erste, was mein Interesse geweckt hat.“ So hat sie für sich selbst und ihre Mutter versucht, die Abba-Lieder zu übersetzen. Hat ein Heftchen gebastelt, die Kassette laufen lassen und den Text rausgehört. „Mit meinen damaligen Kenntnissen habe ich versucht, es so gut es ging zu übersetzen. Das war sozusagen mein erstes Frühwerk.“

In der Regel erscheint ein übersetztes Buch rund ein Jahr nach dem Erscheinen des Originals. Oftmals bekommt Stefanie Jacobs das Werk bereits, wenn es noch nicht einmal im Original erschienen ist. Dann liest sie zunächst das Originalwerk, bevor es ans Übersetzen geht. Pro Monat übersetzt man rund 100 Seiten. Je nach Länge des Romans kann es drei, vier oder auch mehr Monate dauern. Dann erstellt sie zunächst eine Rohfassung, diese wird überarbeitet, bis ein glatter Text entsteht. „Das ganze Geheimnis ist vor allen Dingen das Überarbeiten“, sagt sie. „Wenn ein Buch an den Verlag rausgeht, habe ich jeden Satz bestimmt viermal in der Hand gehabt.“

Übersetzungstools und Künstliche Intelligenz (KI) seien durchaus ein Thema, aber Stefanie Jacobs bereiten diese kein Kopfzerbrechen. „KI kann nicht um die Ecke denken, sie versteht keinen Humor, sie versteht keine Ironie, insofern mach ich mir eigentlich keine Gedanken.“ Aktuell hat sie die Übersetzung eines Kinderbuchs abgeschlossen, das im kommenden Jahr erscheint.

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