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Wuppertaler Lehrerin hadert mit fehlenden Vorgaben - und besorgt Masken

Coronavirus : „Es wird viel nach Gutdünken gemacht“

Seit Donnerstag läuft die Öffnung der Schulen in NRW wieder. Wie der Unterricht genau abläuft, obliegt den einzelnen Schulen.

Seit Donnerstag läuft die Öffnung der Schulen in NRW wieder. Den Anfang machten die Abschlussklassen, also die Abiturienten und Schüler der neunten und zehnten Klassen an Real- und Hauptschulen. Wie der Unterricht genau abläuft, obliegt den einzelnen Schulen. „Es gibt einige Vorgaben aus dem Ministerium, aber wir müssen viel improvisieren, weil vieles unklar ist – und hoffen, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen“, sagt Dorothee Kleinherbers-Boden, Schulleiterin der Gesamtschule Else Lasker-Schüler. Um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten, musste die Schule Vorkehrungen treffen: unter anderem wurden Desinfektionsmittel, Seife und Handtücher bereitgestellt und Tische in den Klassenräumen mindestens 1,50 Meter voneinander entfernt aufgestellt. Außerdem muss die Schule dafür sorgen, dass möglichst wenige Schüler zur gleichen Zeit auf den Gängen unterwegs sind.

Da nicht ganz zu verhindern ist, dass sich die Schüler auf den Gängen begegnen, hat sich Lehrerin Laura Schaarschmidt schon in den Osterferien Gedanken darüber gemacht, wie die Schüler sich gegenseitig schützen können. „Masken helfen, das Ansteckungsrisiko enorm zu verringern“, sagt Schaarschmidt, die aus einer Architektenfamilie stammt. Durch ihre Mutter nahm sie Kontakt zu der Essener Firma Masto auf, die normalerweise Gardinen und Stoffe für Alten- und Pflegeheime herstellt. Die Firma Masto nähte im Auftrag von Laura Schaarschmidt und ihrem Lebensgefährten 300 Masken für die Else. Weitere 100 Stück näht eine Privatperson aus Cronenberg. „Wir wollen allen Schülern, die noch keine haben, eine Community-Maske zur Verfügung stellen“, sagt Schaarschmidt.

Eine Maskenpflicht gibt es an Schulen zwar nicht, das Tragen wird aber dringend empfohlen. „Am Donnerstag kamen einige Schüler mit einer Maske zur Schule, andere fragten dann aber auch nach einer Maske“, sagt die Schulleiterin Kleinherbers-Boden. Derzeit bietet die Else 180 Schülern aus sechs Klassen betreutes Lernen an. So soll allen Schülern ermöglicht werden, den Prüfungsstoff zu lernen. „An unserer Schule gibt es viele Kinder aus sozial schwachen Familien, da scheitert das digitale Lernen an Endgeräten“, sagt Kleinherbers-Boden. Es sei wichtig, dass die Kinder im Lernen drinbleiben.

Pro Klassenraum werden maximal zehn Schüler unterrichtet

Die Woche ist in Fachtage aufgeteilt: Montag und Mittwoch Mathe, Dienstag und Donnerstag Deutsch und Freitag Englisch. Damit soll auch der Kontakt unter den Kollegen minimiert werden. Der Unterricht findet in zwei Blöcken am Vormittag statt. Die eine Hälfte der Schüler fängt um 8.30 Uhr an, die zweite um 9 Uhr. So will die Schule verhindern, dass zu viele Schüler gleichzeitig im Gebäude unterwegs sind. In den Klassen, in denen sonst 30 Jugendliche sitzen, werden jeweils zehn Schüler gemeinsam unterrichtet – mehr passen bei einem Mindestabstand von 1,50 Meter nicht in einen Raum.

„In den Klassenräumen dürfen die Schüler die Masken abnehmen und vorsichtig auf den Tisch legen“, sagt Kleinherbers-Boden. Die Masken müssen sie nur tragen, wenn der Lehrer oder die Lehrerin Arbeitsmaterialien austeilt und der Mindestabstand nicht einzuhalten ist. Das ist aber nicht die einzige Hygienemaßnahme im Klassenzimmer: „Die ersten zehn bis 15 Minuten gehen für das Händewaschen drauf“, sagt Lehrerin Laura Schaarschmidt, die zugibt, dass die Situation überhaupt nicht einfach ist. Sie wünscht sich konkrete Handlungsanweisungen, wie zum Beispiel eine Checkliste nach Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Es wird viel nach Gutdünken gemacht“, beschreibt sie die Situation.

So auch die Anschaffung der Masken für die Schule. Die Masken hat Laura Schaarschmidt zusammen mit ihrem Lebensgefährten aus eigener Tasche, mit Spenden von Freunden und mit Hilfe des Architekturbüros Schaarschmidt finanziert. Die Kosten pro Maske betragen durchschnittlich fünf Euro. Bislang gibt es keinen Topf, aus dem die Masken finanziert werden. Doch der Lehrerin ist es wichtig, dass jeder Jugendliche an der Gesamtschule eine Maske bekommt, der sie braucht. „Ich finde, jeder sollte gerade irgendwelche Kapazitäten frei machen, egal, ob Zeit, Material, Geld oder Beziehungen“, sagt Laura Schaarschmidt.