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Wuppertal: Wuppertaler Lehrer im Einsatz für krebskranke Annika

Wuppertal : Wuppertaler Lehrer im Einsatz für krebskranke Annika

Die elf Jahre alte Gymnasiastin Annika hat Knochenkrebs. Während sie therapiert wird, helfen ihre Lehrer ihr, trotzdem durch das Schuljahr zu kommen.

Wuppertal. Annika Schauerte liegt im Krankenhaus. In der Kinderklinik der Uniklinik Düsseldorf. Sie hat Knochenkrebs. Annika ist elf Jahre alt und geht in die sechste Klasse des Gymnasiums Vohwinkel. Aber in diesem Schuljahr hat sie die Schule beinahe gar nicht von innen gesehen. „Die Diagnose kam am ersten Tag des Schuljahres“, erinnert sich ihre Mutter Astrid Schauerte. Seitdem ist Annika viel im Krankenhaus. Ab und an zu Hause. Und nicht mehr in der Schule. Nicht mehr draußen, nicht mehr unter Freunden.

Trotzdem kommt sie in der Schule mit und soll, wenn sie zurück an die Schule gehen darf, wieder in ihre alte Klasse zurückkehren. Denn ihre Lehrer helfen, wo sie können und setzen sich für sie ein. Auch auf Kosten ihres Privatlebens. Das sei vom ersten Tag an so gewesen, erinnert sich Schauerte. „Wir haben uns gleich mit den Klassenlehrern getroffen und sie haben gleich zugesagt, dass sie alles möglich machen wollen für Annika.“

Seitdem kommen die Lehrer eben zu Annika, wenn sie zu Hause ist. Für Annika und ihre Eltern ist das eine wahnsinnige Unterstützung. „Wir dachten, das Schuljahr wäre gegessen“, sagt Astrid Schauerte. „Für Annika wäre das schlimm gewesen“, sagt sie. Allein weil sie dann nicht mehr mit ihren Freundinnen und Freunden in einer Klasse wäre. Außerdem sei das für Annika ein wichtiger Teil Tagesstruktur. Denn die fiel durch die Erkrankung weitgehend weg.

Annika bekommt insgesamt 18 Chemotherapien. Immer in Blöcken. Ein Block dauert drei Wochen. „Sie ist fünf Tage im Krankenhaus zur Behandlung, dann zwei Tage zu Hause“, erklärt ihre Mutter. Das Ganze dann drei Mal. Dann pausiert die Therapie 2,5 Wochen und Annika bleibt in der Zeit zu Hause.

Immer wenn sie nach Hause kann, sagen die Eltern den Lehrern Bescheid. Meistens sehr kurzfristig. „Wir planen nur von einem Tag auf den anderen, weil sich häufig etwas verschiebt, etwa wenn die Blutwerte nicht stimmen.“ Wenn Annika dann nach Hause darf, schicken die Eltern eine Mail an die Lehrer. Und die planen dann die Hausbesuche. „Und wir kriegen prompt eine Antwort“, sagt Astrid Schauerte begeistert.

Für die Lehrer ist das zwar ein Mehraufwand, aber „irgendwie selbstverständlich“, findet Fabienne Feyh, eine der Klassenlehrerinnen von Annika. Sie als Lehrer und als Schule wollten doch alle Schüler erreichen, sagt sie. „Das ist eine Flexibilität, die man eben haben muss“, sagt sie.

Dabei bedeutet die Situation nicht nur Arbeit, sondern ist auch anderweitig eine Herausforderung. „Das ist eine emotionale Aufgabe“, sagt Feyh. „Man kann sich ja viel anlesen, was das bedeutet. Aber ein elf Jahre altes Mädchen so zu sehen...“, sagt Feyh, ohne den Satz richtig zu beenden. Die Situation ist für sie besonders, gerade weil sie noch Referendarin ist und so einen Krankheitsfall noch nicht erlebt hat.

Aber es ist nicht nur schwer. Gleichzeitig kann Feyh der Situation auch viel Positives abgewinnen. Die 1:1-Situation schaffe „viel mehr Nähe“ als im normalen Unterricht, sagt sie. So dass sie mit Annika eben auch über Privates spreche und nicht nur Stoff vermittele. Und beim Unterricht komme Annika auch sehr gut mit. Man erreiche eben viel in der direkten Betreuung. „Es ist ganz toll, was sie schafft“, sagt Feyh voll des Lobes — mit Blick auf die Leistungen, aber auch auf ihre Umstände. „Wir alle ziehen den Hut vor Annika und ihren Eltern.“

Und die sind dankbar für die Unterstützung aus der Schule. Die Unterstützung der Lehrer, der Schulleitung, der Mitschüler und der Schulvertretung gehe über jedes erwartete Maß hinaus. „Wir wissen gar nicht, wie wir der Schule das danken sollen“, sagt Astrid Schauerte. Für sie sei das Gymnasium eindeutig die beste Schule in Wuppertal.

Gleichzeitig ist aber auch Fabienne Feyh begeistert. Von der Schule und dem, was sie möglich macht, den Kollegen, die mithelfen und auch von Annika und ihrer Leistung und ihrer Stärke. „Ich bin dankbar für die Arbeit mit Annika“, sagt Feyh.