Wuppertaler Lehrer fordern gleiche Bezahlung für alle Kollegen

Bildung : „Gegen die Ungerechtigkeit im Lehrerzimmer“

Warum Lehrer in der vergangenen Woche gestreikt haben und auf die Straße gegangen sind.

Im Rahmen der Tarifverhandlungen mit den öffentlichen Arbeitgebern hat die Bildungsgewerkschaft GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) NRW in der vergangenen Woche zu eintägigen Warnstreiks aufgerufen. Am Donnerstag waren die Lehrkräfte in Wuppertal gefragt. Richard Voß vom Leitungsteam der GEW-Stadtverbands Wuppertal erklärt, wofür sie sich einsetzen.

Wie viele Menschen haben teilgenommen? Wie beurteilen Sie die Teilnahme?

Richard Voß: Es haben rund 350 Demonstranten teilgenommen, davon 200 streikende angestellte Lehrkräfte. In Wuppertal gibt es rund 3000 Beschäftigte an den Schulen und Hochschulen, wovon circa 20 Prozent tarifbeschäftigte Lehrkräfte sind. Zahlreiche angestellte Lehrer haben allerdings befristete Verträge und sich deshalb nicht getraut zu streiken, sonst wären es noch mehr Streikende gewesen. Wir freuen uns aber über die rege Teilnahme und über die Unterstützung zahlreicher verbeamteter Lehrkräfte.

Was sind Ihre Forderungen in Bezug auf Lehrer?

Voß: Sechs Prozent mehr Gehalt, mindestens 200 Euro pro Monat, Einführung einer Paralleltabelle, die die Gehälter der angestellten an die der verbeamteten Lehrer angleicht, verbesserte Eingruppierung angestellter Lehrkräfte und stufengleiche Höhergruppierung, Eindämmung von befristeten Beschäftigungen.

Wie entwickeln sich die Gehälter angestellter Lehrer im Vergleich zur Beamten-Bezahlung?

Voß: Angestellte Lehrkräfte werden weiterhin deutlicher schlechter bezahlt bei gleicher Arbeit. Die geforderte Paralleltabelle für die tarifbeschäftigten Lehrkräfte ist ein wichtiger Schritt gegen die Ungerechtigkeit im Lehrerzimmer. Um die Schieflage bei der Bezahlung gegenüber den verbeamteten Kolleginnen und Kollegen auszugleichen, fordern wir eben diese Einführung der sogenannten Paralleltabelle, wonach beispielsweise der Besoldungsgruppe A12 für Beamte die Entgeltgruppe EG 12 für angestellte Lehrer zugeordnet wird und nicht wie bisher die Entgeltgruppe EG 11. Der Differenzbetrag zwischen EG 11 und EG 12 beträgt in den höheren Stufen der Entgeltgruppe brutto circa 500 Euro.

Warum ist es wichtig, dass angestellte Lehrer besser bezahlt werden?

Voß: Klar ist, dass die Arbeitsmotivation deutlich leidet, wenn in einer Schule zwei Kollegen mit der gleichen Qualifikation arbeiten, aber die angestellte Lehrkraft erhält bis zu 700 Euro weniger im Monat für die gleiche Arbeit. Das ist einfach ungerecht und nicht zu rechtfertigen. Gerade in Zeiten des Lehrkräftemangels sollten uns angemessen bezahlte Lehrkräfte wichtig sein.

Wie ist der aktuelle Stand zum Thema gleiche Bezahlung unabhängig von der Schulform?

Voß: Zu ihrem Amtsantritt hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer verkündet, gleichwertig ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer auch gleich zu bezahlen, A 13 Z/EG 13 sollte als Einstiegsgehalt für alle Lehrerinnen und Lehrer gelten. Doch seit zwei Jahren ist nichts passiert. Das ist ein Skandal. Die Landesregierung spielt auf Zeit. Es gibt keine sachlichen Gründe, Lehrkräfte an Grundschulen und an den Schulformen der Sekundarstufe I schlechter zu bezahlen. Andere Bundesländer machen es vor: In Berlin, Brandenburg und Sachsen gibt es A 13 bzw. EG 13 für alle Grundschullehrkräfte. Und in 13 Bundesländern werden Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe I ohnehin korrekt nach A 13 besoldet. Hochschulausbildung und Vorbereitungsdienst sind nach dem neuen Lehrerausbildungsgesetz mittlerweile für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen gleich lang. Im Lernprozess der Kinder wird von allen Lehrkräften gleichwertige Arbeit geleistet, doch die Differenz beim Einstiegsgehalt liegt nach GEW-Berechnungen zwischen Grundschul- und Gymnasiallehrern bei über 500 Euro. Hinzu kommt, dass bei einer anstehenden Reform der Bezahlung diejenigen nicht abgehängt werden dürfen, die zwar nach einer alten Studienordnung vor 2009 studiert haben, deren Berufserfahrung aber die inzwischen verlängerte Ausbildungszeit mehr als aufwiegt. Zum größten Teil übernehmen ja in der aktuellen Situation des Lehrkräftemangels die „älteren“ Lehrkräfte viele zusätzliche Aufgaben wie die Einarbeitung von Kolleginnen und Kollegen ohne Lehramt. Berufserfahrung und die Übernahme von Verantwortung erfordern eine Gleichbehandlung mit den neuen Lehrkräften.

Mehr von Westdeutsche Zeitung