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Wuppertaler Lehrer Arne Ulbricht freut sich auf Unterricht nach Corona

Lehrer-Tagebuch : Maske? Hauptsache, es geht wieder los

Nach dem digitalen Unterricht der vergangenen Woche ist Arne Ulbricht froh, wieder im Klassenraum zu stehen - wenn auch mit Mund-Nasen-Schutz.

In den zurückliegenden zwei Monaten saß ich vor dem Laptop und organisierte „Distanzunterricht“. Vor allem am Wochenende korrigierte ich das, was die Schüler mir noch auf den letzten Drücker schickten und lud neue Aufgaben hoch. Werktags war es dafür einen Tick ruhiger als üblich, weil ich weder in Abschlussklassen eingesetzt bin noch zur erweiterten Schulleitung gehöre und daher nur selten an der Schule war. Anfangs war das okay, aber auf Dauer irgendwie unbefriedigend.

Jetzt hatte ich endlich wieder regulären Unterricht! Am 11. Mai wurde ein Teil der Q1, der Abiturjahrgang 21, erstmalig wieder bestellt. Natürlich unter strengen Auflagen, unter anderem: Maskenpflicht auf Gängen, Hof und im Treppenhaus, Einzeltische, kleine Klassengruppen.

Als ich mich morgens aufs Rad schwang, fragte ich mich: Tragen wirklich alle Masken? Und wenn ja: Wird die Atmosphäre an der Schule nicht irgendwie gespenstisch sein?

Dann kam ich an, sah maskierte Menschen und fühlte mich wie auf einem Casting für einen Endzeitfilm. Doch bei genauerem Hinsehen bemerkte ich, dass selbst diejenigen, die keine durchsichtigen Visiermasken trugen, eher in Aufbruchstimmung waren. So nach dem Motto: Scheiß (Verzeihung) auf die Maske, Hauptsache, es geht wieder los!

An Schulen wirkt die Maske übrigens wie eine Schuluniform in Kleinformat, die jeder mit einer gewissen Würde oder zumindest Selbstironie trägt: Denn jeder weiß, dass er mit so einem Ding im Gesicht bei einem herkömmlichen Schönheitswettbewerb keine Chance hätte. Deshalb sind gerade irgendwie alle ein bisschen gleicher, und das ist auch gut so: Denn schließlich sitzen wir alle im selben Boot. Als ich meinen Kurs fragte, ob Corona denn auch etwas Positives abzugewinnen sei, sagte eine Schülerin: „Ich glaube, wir lernen gerade alle, die Freiheit zu schätzen!“

Genau. Ich selbst empfinde es schon als Freiheit, im Klassenraum zu unterrichten. Wie befreiend wird es erst sein, wenn wir uns wieder überall frei – also ohne Maske – bewegen dürfen? Die Maske ist zum Symbol der Krise geworden, und nicht nur Lehrer und Schüler, sondern eine ganze Gesellschaft wird aufatmen, wenn man sie nicht mehr tragen muss. Deshalb wird das Verschwinden der Maske ebenfalls zu einem Symbol werden: Dafür, dass wir es gemeinsam geschafft haben. Und dieser Tag wird kommen.