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Wuppertaler leben ein Jahr lang im Zeichen des grünen Stroms

Umwelt : Ein Jahr im Zeichen grünen Stroms

Claudia Hildebrecht und Wolfgang Schneider haben zwölf Monate darauf geachtet, möglichst regenerative Energie zu verbrauchen.

Abends bei Windflaute müssen Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerke den Strom liefern. Wenn hingegen die Sonne vom Himmel strahlt und gleichzeitig ein kräftiger Wind weht, ist reichlich grüner Strom vorhanden. Oft sogar mehr, als das Stromnetz transportieren kann. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) veröffentlichen deshalb tagesaktuell das „Energiewetter“ – anhand farbiger Balken können die Bürger mit einem Blick erkennen, zu welchen Zeiten viel Strom aus regenerativen Quellen vorhanden ist. Wer nachhaltig handeln will, kann dann seinen Energieverbrauch in Zeiten verschieben, in denen grüne Balken eine hohe Verfügbarkeit von grünem Strom signalisieren.

Claudia Hildebrecht und Wolfgang Schneider haben das ein Jahr lang perfektioniert. Die beiden haben beim Forschungsprojekt „Wuppertal spart Watt“ den dritten Platz unter mehr als 500 Teilnehmern belegt, indem sie ihren Stromverbrauch zu großen Teilen aus „roten Zeiten“ in grüne verschoben haben. „Es war doch eine ganz schöne Einschränkung“, geben die beiden zu. So haben sie am Wochenende nicht mehr morgens geduscht, sondern im Laufe des Tages, wenn gerade viel Öko-Strom angezeigt wurde. Allerdings sind sie nicht so weit gegangen wie ein anderer Teilnehmer, der sonntags sogar auf den Tatort verzichtete, wenn der Strombalken rot war. Und auch ein warmes Abendessen gönnte sich das Paar unabhängig von der Stromverfügbarkeit.

Noch immer geht
der Blick aufs Handy

Ein wichtiger Punkt war jedoch das Wäschewaschen. Claudia Hildebrecht schaltete die Waschmaschine nur noch dann an, wenn die Tageszeit grün angegeben war. „Das geht eigentlich nur, wenn man zu Hause ist“, sagt die Hausfrau. Auch die Spülmaschine musste sich nach diesen Zeiten richten. Wenn abends gerade ein Sturm angesagt war, lief sie auch nachts.

Ein smarter Stromzähler lieferte dem Paar ihre Stromverbrauchsdaten immer aktuell aufs Handy oder Tablet. So konnten die beiden nicht nur sehen, ob die Tageszeit günstig war für ein Elektrogerät; sie konnten auch erkennen, wie viel Strom eigentlich welches Gerät verbraucht. „Hier, das ist die Kaffeemaschine“, zeigt Wolfgang Schneider auf eine kleine Ausbuchtung im Stromverbrauch frühmorgens. Höhere Ausschläge zeigen, wann die Wasch- und Spülmaschine liefen. Sogar das Spülen per Hand ist zu sehen angesichts des Stromverbrauchs des Durchlauferhitzers. „Das habe ich dann oft erst später erledigt“, erzählt Claudia Hildebrecht. Monatliche kleine Gewinnmöglichkeiten – etwa für einen Zoo-Besuch – hielten während des Projektjahres die Motivation aufrecht. Nach Ende des Projekts achtet das Paar nicht mehr so genau auf die Stromverbrauchszeiten. „Der Tagesablauf wurde schon sehr durch den Strom bestimmt, das war schon mühsam.“ Aber manches hat sich auch eingeschliffen. Auch heute noch wandert manchmal der Blick aufs Handy, bevor die Waschmaschine angeschaltet wird.

Insgesamt wurden pro Haushalt im Projekt rund 40 Kilo CO2 pro Jahr eingespart dadurch, dass gut 20 Prozent des Strombedarfs in Zeiten verschoben wurde, wo genügend grüner Strom zur Verfügung stand. So mussten weniger Kohle und Gas verbrannt werden.